Wort zum Tage, 09.02.2019

altfried g. rempe aus Trier

Anna Katharina Emmerick

Es war ein langer Kampf, bis die junge Frau endlich ins Kloster eintreten durfte. Anna Katharina Emmericks Eltern waren arme Kleinbauernleute im tiefen Münsterland Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Und wohl einfach zu arm; keine Chance, der Tochter eine Mitgift mitzugeben, wenn sie in die klösterliche Gemeinschaft aufgenommen werden wollte.

Statt Aussteuer und Mitgift hätte Katharina ganz besondere Erfahrungen mit Gott einbringen können. Schon immer soll sie Visionen gehabt haben; und geträumt habe sie von Jesus und seinem Leben und Leiden. Und die Träume waren wohl auch ohne Kloster wirksam: Mit 19 Jahren schicken die Eltern sie ins Städtchen Coesfeld; da arbeitet sie als Näherin – und teilt ihr Einkommen mit Leuten, die noch schlechter dran sind als sie selbst. Und statt nachts zu schlafen und auszuruhen für die Arbeit am nächsten Morgen, macht sie Nachtwachen bei schwer kranken Menschen.

Es blieb: Der Wunsch, ins Kloster zu gehen und nur noch für Gott und für Jesus Christus da zu sein – vor allem im Gottesdienst und im Gebet. Inzwischen hatte Katharina Orgel spielen gelernt; als Eintrittskarte ins Kloster funktionierte das aber nur indirekt: Als Schwester Organistin nahmen die Nonnen die Tochter des Kirchenmusikers; und gemeinsam sind sie schließlich Klosterfrauen geworden. Aber das war 1802 – eine schlechte Zeit für Orden und Klöster überall, wo Napoleon herrschte. Geistliches Leben war schwierig geworden im Kloster Agnetenberg. Viel Arbeit gab es stattdessen. 1811 wurde das Kloster aufgelöst; Anna Katharina wurde Haushälterin bei einem Pfarrer.

Inzwischen war sie aber immer wieder so krank, dass sie im Haus bleiben musste. Sie wird sich das kaum gewünscht haben – aber ihre Krankheit hat sie wohl endlich in die Nähe ihres Freundes Jesus gebracht; an jedem Freitag, am wöchentlichen Gedenktag seines Todes also, soll sie seine grausame Leidensgeschichte wie am eigenen Leibe mitgelebt und miterlitten haben. So sehr, dass sie sogar die Wunden des Gekreuzigten an Händen und Füßen hatte.

Manche Menschen sind offenbar in der Lage, ganz eins zu werden mit dem Jesus, den sie verehren. Im Gebet – und im Dienst an den Armen. Sogar an ihrem Leib hat das Spuren hinterlassen – und bei den Menschen, die sie schon zu Lebzeiten bewundert und besucht haben und noch heute verehren.

Heute ist der Gedenktag der seligen Anna Katharina Emmerick. Mir ist sie ein bisschen fremd – mit dieser Leidenssehnsucht eigentlich unheimlich. Und dennoch fasziniert diese Frau, weil sie Jesus trifft, wenn sie armen Menschen begegnet und mit ihnen teilt, was sie hat; und weil sie auch ihr Leid mitträgt. Wie Jesus eben, mit dem sie so gern mitleiden wollte…

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 09.02.2019 gesendet.


Über den Autor altfried g. rempe

altfried g. rempe ist 1953 in Essen geboren. Er ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Mehrere Jahre hat er mit Studentinnen und Studenten in der Trierer Hochschulgemeinde Leben und Glauben immer wieder neu und aus neuen Perspektiven entdeckt. Eine journalistische Ausbildung hat er beim SR in Saarbrücken und im „Theologenkurs“ (1995) beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München absolviert. Seit 1999 ist er Redakteur von www.bistum-trier.de. Außerdem macht er Verkündigungssendungen beim SWR und SR.

Kontakt
altfried.rempe@bistum-trier.de

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