Wort zum Tage, 08.02.2019

altfried g. rempe aus Trier

sex and crime biblisch

Es ist ein Stück sex and crime aus der Bibel. Sie handelt von dem kleinen König Herodes, von seiner illegitimen zweiten Frau und deren Tochter – und von dem Propheten Johannes, der unter dem Namen Johannes der Täufer besser bekannt ist.

Der war ja in der Wüste am Jordan unterwegs gewesen, hatte zu Umkehr und Buße aufgerufen und die Leute im Jordanfluss untergetaucht und getauft. Einfache Umkehr-Forderungen für die einfachen Leute – einerseits. So nach dem Motto: Wer zwei Kleidungsstücke hat, kann ja eins hergeben für einen Menschen, der nicht mal was zum Anziehen besitzt.

Die Forderungen an die Familie König Herodes waren schon ein wenig anspruchsvoller. Der hatte seinem Bruder die Frau ausgespannt und die Herodias geheiratet. Und diesen Ehebruch hatte der Täufer öffentlich kritisiert. Dafür, berichtet die Bibel, hatten sie ihn in den Knast getan. Scheint aber, als hätte sie daran mehr Interesse gehabt als er. Der König jedenfalls fand, dass Johannes ein guter Mensch war. Jedes Mal wenn er mit ihm geredet hatte, fühlte er sich ratlos und unruhig. Mensch Herodes, möchte ich ihm zurufen: Hättest du mal auf deine innere Stimme gehört. Die hatte Recht; Johannes hätte dir was zu sagen gehabt.

Aber dazu fehlte dem König dann doch der Mut. Dabei konnte er so großspurig sein! Das ist der zweite Teil – mit noch mehr Sex and Crime. Ausländische Gäste am Hof; festliches Gelage. Und zum Nachtisch tanzt Salome, die Tochter der Königin. Spätere Männerphantasien haben aus dem vermutlich eher dezenten orientalischen Tanz einen biblischen Striptease gemacht. Beeindruckt waren die Herren jedenfalls. So sehr, dass der König der Stieftochter einen Wunsch freigibt – sie soll kriegen, was sie auch will.

Herodias überredet die Tochter, den Kopf des verhassten Johannes zu verlangen. Der König sitzt in der Zwickmühle. Er wird sehr traurig – und schickt trotzdem den Henker ins Gefängnis. Bald kann Salome die grausige Trophäe ihrer Mutter übergeben.

Johannes der Täufer – ein Märtyrer der Botschaft einerseits; und zugleich Opfer einer Intrige am Königshof. Mit langer Nachwirkung, übrigens: Noch Jahre später, als alle sich fragen, was für ein Mensch Jesus ist, da fällt dem Herodes die unglückselige Geschichte ein, von dem Gefangenen, den er wegen ein bisschen Tanz hatte ermorden lassen; der hatte ihn so tief im Herzen beunruhigt, dass er jetzt sogar vermutet, dass er in der Gestalt Jesu auferstanden sein könnte.

Wir wissen, dass da einer gekommen ist, der noch viel größer ist als Johannes. Das hatte der den Leuten am Jordan ja schon selbst gesagt. Hätten sie alle mal besser zugehört!

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 07.02.2019 gesendet.


Über den Autor altfried g. rempe

altfried g. rempe ist 1953 in Essen geboren. Er ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Mehrere Jahre hat er mit Studentinnen und Studenten in der Trierer Hochschulgemeinde Leben und Glauben immer wieder neu und aus neuen Perspektiven entdeckt. Eine journalistische Ausbildung hat er beim SR in Saarbrücken und im „Theologenkurs“ (1995) beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München absolviert. Seit 1999 ist er Redakteur von www.bistum-trier.de. Außerdem macht er Verkündigungssendungen beim SWR und SR.

Kontakt
altfried.rempe@bistum-trier.de

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