Wort zum Tage, 06.02.2019

altfried g. rempe aus Trier

Wo lassen sie beten?

Beten sie um Besserung meiner Mutter mit ihrem gebrochenen Bein und ihren starken Schmerzen ... Wir sind beide auch seelisch krank – ich weiß nicht mehr weiter. Besten Dank für die Hilfe im Gebet... Das hat jemand per eMail an die Ordensleute bei uns im Bistum Trier geschrieben.

Und eine Mutter in den mittleren Jahren hat dieses Anliegen: Fast dreißig Jahre alt ist mein Sohn; ich habe ihn alleine großgezogen. Inzwischen hat er wohl recherchiert, wer sein Vater ist. Und der wirft mir jetzt vor, dass ich meinen Sohn vor ihm schützen wollte. Alles ist lange her, ich habe ihm verziehen. Er wird schon selbst herausfinden, was im Leben er falsch gemacht hat. Gott sei mit ihm...

Ordensleute beten für Sie, heißt die Internet-Seite. Was die Menschen da reinschreiben, geht als eMail – anonym, natürlich – an über dreißig Klöster und Ordensgemeinschaften im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Sehr persönliche Anliegen kommen da an – und natürlich auch immer wieder die mehr allgemeinen. Ich bitte sie, um Frieden zu beten – für die ganze Welt und in meiner Familie. Solche Sachen.

In manchen Klöstern wird diese eMail ausgedruckt und hängt am schwarzen Brett auf dem Weg zur Kapelle – jede Schwester und jeder Bruder sieht sie auf dem Weg zum Gebet. In manchen Gemeinschaften kommen die Anliegen der Leute als Fürbitte in den Gottesdienst – aber jedenfalls nehmen die Ordensleute sie meist noch am gleichen Tag mit in ihr Gebet.

Die Internet-Seite „Ordensleute beten für sie“ scheint auf eine ganz spezielle Frage zu antworten: Wo bitte, lassen sie beten? Aber nein: Spott verbietet sich. Es kommt einfach vor, dass Menschen nicht mehr weiter wissen; dass jemand verzweifelt dabei zuschauen muss, wie ein lieber Verwandter oder eine gute Freundin schwer krank ist. Ich brauche eine Hilfe, die kein Mensch mir geben kann. Aber beten? Kann ich nicht oder nicht mehr oder noch nicht wieder. Wie gut, dass es Männer und Frauen gibt, die sich in ihrem Kloster Zeit nehmen – Zeit auch für die Not von anderen Menschen.

Die Mönche und Nonnen stellen oder knien sich vor Gott hin, stellvertretend sozusagen für die Leute da draußen. Erzählen Gott von der Sorge der Mutter um ihren Sohn und dessen verlorenen Vater; von der Klage einer Tochter um die Mutter. Erzählen – und vertrauen diese Geschichten und die Menschen hinter ihnen Gott an. Weil sie wissen, dass Gott für die Menschen – für alle Menschen – nur das Beste will. Ohne den lieben Gott manipulieren zu wollen und für die eigene Sache zu vereinnahmen. Ganz selten kommt aber doch mal ein ganz dickes „Danke“ – wie damals, als der Schüler die Mathe-Arbeit wider Erwarten doch gut geschrieben hatte.

Wo bitte, lassen Sie beten? Im Zweifel versuchen Sie’s doch auch mal bei Ordensleute beten für Sie!?

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 06.02.2019 gesendet.


Über den Autor altfried g. rempe

altfried g. rempe ist 1953 in Essen geboren. Er ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Mehrere Jahre hat er mit Studentinnen und Studenten in der Trierer Hochschulgemeinde Leben und Glauben immer wieder neu und aus neuen Perspektiven entdeckt. Eine journalistische Ausbildung hat er beim SR in Saarbrücken und im „Theologenkurs“ (1995) beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München absolviert. Seit 1999 ist er Redakteur von www.bistum-trier.de. Außerdem macht er Verkündigungssendungen beim SWR und SR.

Kontakt
altfried.rempe@bistum-trier.de

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