Wort zum Tage, 05.02.2019

altfried g. rempe aus Trier

Lästige aushalten

Jede und Jeder hat so jemand – wenigstens eine oder einen: einen anderen Menschen, der oder die mir aber so was von auf den Zeiger geht, mich immer wieder stört oder irgendwie einfach lästig ist. Schön, wenn das Menschen sind, die eher ein bisschen weiter weg sind; eine Stimme im Radio – da kann ich ja umschalten; der Typ, der nachts auf der Straße hinter den Leuten her schreit – da gehe ich doch auf der anderen Straßenseite weiter und habe meine Ruhe. Wenn’s die Nachbarin ist oder gar ein Familienmitglied: Schon schwieriger. Und wenn es ein fremder Mensch ist, der vielleicht sogar auch noch Recht hat?

Jesus erzählt mal eine Geschichte – in der Bibel ist die aufgeschrieben. Er erzählt von einem korrupten Richter, vermutlich so ein kleiner Dorf-Richter, stelle ich mir vor. Eher für den juristischen Kleinkram zuständig – wenn Nachbarn um die Zweige am Kirschbaum streiten oder um den Bürgersteig, der mal wieder nicht geräumt und gekehrt war. Dieser Richter hier spricht offensichtlich ziemlich nach Lust und Laune Recht – oder er lässt es eben ganz.

Zu diesem Richter also kommt immer wieder eine Witwe gelaufen, die endlich eine richterliche Entscheidung braucht – zu ihren Gunsten, vermutlich. Irgendjemand hat ihre sowieso schon üble und schwache Situation ausgenutzt. In der damaligen Gesellschaft ist eine Frau ohne Mann ja schon an sich ziemlich rechtlos. Und angewiesen darauf, dass wenigstens der Richter ihr kleines Rest-Recht schützt – wer sonst. So bleibt ihr nur eins: Sie kann dem Richter lästig werden.

Sie wird – so lange, bis er endlich eine Entscheidung trifft und verkündet – um sie loszuwerden. Er wischt sie weg, sozusagen, wie man eine lästige Mücke wegwischt. Allerdings: Jesus braucht diesen ungerechten Richter noch. Er will damit seine Leute auffordern, Gott lästig zu fallen mit ihrem Gebet. Wenn sogar ein so korrupter Richter der Witwe Recht gibt – dann könnt ihr doch davon ausgehen, dass Gott auf euch hört, wenn ihr ihm lange genug lästig fallt… Zwischenfrage: Können Menschen Gott lästig sein? Aber egal: Es geht ja mehr darum, dran zu bleiben mit dem Beten – auf die Gefahr hin, sogar Gott auf den Zeiger zu gehen.

Das ist keine Einladung, anderen Menschen auf den Geist zu gehen. Obwohl – manchmal ist es nötig – wenn es um was Wichtiges geht. Die Lästigen geduldig ertragen, zählt zu den sogenannten Geistigen Werken der Barmherzigkeit – eine ganz gute Übung für Christenmenschen und andere. Die Lästigen geduldig ertragen… Es ist eine große Herausforderung; aber vielleicht entwaffnet sie ja mein freundliches Gesicht trotz allem, oder wenn ich ihnen mal einen kleinen Gefallen tue… Und am Schluss hätte ich sogar selbst was davon – endlich ein bisschen Ruhe…

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 05.02.2019 gesendet.


Über den Autor altfried g. rempe

altfried g. rempe ist 1953 in Essen geboren. Er ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Mehrere Jahre hat er mit Studentinnen und Studenten in der Trierer Hochschulgemeinde Leben und Glauben immer wieder neu und aus neuen Perspektiven entdeckt. Eine journalistische Ausbildung hat er beim SR in Saarbrücken und im „Theologenkurs“ (1995) beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München absolviert. Seit 1999 ist er Redakteur von www.bistum-trier.de. Außerdem macht er Verkündigungssendungen beim SWR und SR.

Kontakt
altfried.rempe@bistum-trier.de

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