Wort zum Tage, 04.03.2019

Juliane Bittner aus Berlin

Die Frau am Brunnen

Es war kurz vor Ostern. Jesus und seine Jünger brachen auf nach Jerusalem. Sie nahmen den Weg durch Samária. Für Juden war das ungewöhnlich, denn die Pharisäer lehrten sie, die Samariter zu verachten. Zwar glaubten auch die Samariter an den einen Gott. Aber in manchen religiösen Fragen hatten sie so ihre eigene Meinung. Also machten viele Juden lieber einen Umweg, als durch Samaria zu reisen. Jesus nicht.

Müde vom Wandern, setzte er sich an einen Brunnen. Eine Frau kam, um Wasser zu schöpfen. Eine Samariterin, also eine, zu der man auf Abstand gehen sollte. Nun hielt sich Jesus selten an Konventionen. Er sprach die Frau an. „Gib mir zu trinken“, bat er sie.

Die Samariterin ließ fast ihren Krug fallen: „Wie kannst Du, ein Jude, mich um Wasser bitten?“ Jesus entgegnete: „Wenn Du wüsstest, wer Dich fragt, würdest Du mich bitten, dass ich Dir lebendiges Wasser gebe!“ Das war ja erst recht unverständlich. „Was meinst Du“, fragte sie, „dieses  Wasser hier ist doch lebendig, es kommt aus einer Quelle.“

„Das stimmt “, erwiderte Jesus.  „Doch wer dieses Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird niemals mehr Durst haben. Weil dieses Wasser durch mich zu einer Quelle wird, die ewiges Leben schenkt.“ 

Die Frau war begeistert: „Wenn das so ist, Herr, dann gib mir von diesem Wasser!“ Und Jesus verblüffte sie noch mehr, er bat sie nämlich, ihren Mann zu holen. „Ich habe keinen Mann“, sagte sie. Jesus nickte: „Du hast fünf Männer gehabt, und der, den Du jetzt hast, ist auch nicht Dein Mann.“ Die Frau geriet vollends durcheinander: Wer ist dieser Mann, der sie durchschaut und sie trotzdem so freundlich ansieht? Sie fasste sich ein Herz und fragte weiter: „Ihr Juden sagt, in Jerusalem steht der Tempel, in dem man Gott anbeten muss. Unsere Väter sagen, auf dem Berg, den Du dort siehst, sollen wir beten. Ich warte auf den Messias: Er wird sagen, was wir tun sollen.“ - „Da hast Du recht“, antwortete Jesus, „doch der Messias ist schon gekommen. Ich bin es. Ich, der mit Dir spricht.“

Einer Frau, einer Fremden gab sich Jesus von Nazaret als der Messias zu erkennen. Viele Samariter kamen in diesen Tagen zum Glauben an ihn.  

Die erste, die Zeugnis für ihn ablegte, war die Frau vom Brunnen.

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 04.03.2019 gesendet.


Über die Autorin Juliane Bittner

Juliane Bittner, 1951 in Leipzig geboren, studierte in Ost-Berlin Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Diplom-Ökonom im staatlichen wie im konfessionellen Gesundheitswesen. Parallel dazu war sie als Autorin und Lektorin für den katholischen St.-Benno-Verlag Leipzig sowie als "DDR-Korrespondentin" für die deutschsprachige Sektion von Radio Vatikan tätig. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist sie Journalistin und Medienseelsorgerin im Print- und Hörfunkbereich. Inzwischen im Ruhestand, halten fünf Enkelkinder sie frisch. Kontakt
(030) 509 04 11
juliane.bittner@erzbistumberlin.de

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