3. Sonntag im Jahreskreis, 27.01.2019

Predigt des Gottesdienstes aus der Stadtpfarrkirche Zu den Heiligen Engeln in Landsberg/Lech


Predigt von Stadtpfarrer Gregory Herzel

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Am Sabbat geht Jesus in die Synagoge seiner Heimatstadt Nazareth. Zum ersten Mal tritt er öffentlich auf.Zuhause, in seiner gewohnten Umgebung.

Mit Erlaubnis des Synagogenvorstehers kann jeder erwachsene Jude die Schrift vorlesen und auslegen, also predigen. Und Jesus nimmt dieses Recht in Anspruch;er legt anhand der Stelle beim Propheten Jesaja dar, was seine Botschaft, was sein Auftrag, was sein Programm ist.

Davon kann er, der Gottessohn, nur sprechen, wenn er gleichzeitig zeigt, wie Gott ist undwas das Wesen Gottes ausmacht:

 „Der Geist des Herrn ruht auf mir;
denn der Herr hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt,
damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe;
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde
und den Blinden das Augenlicht;
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Alles was Jesus tun wird, geschieht im Namen des Herrn.

Der Text des Jesaja,den Jesus in der Synagoge vorliest,beschreibt, wie das Volk Israel sich freut über seine Befreiung aus der Gefangenschaft in Babylon. Der Prophet ruft das Gnadenjahr des Herrn aus –ein Jubiläum, das alle 50 Jahre gefeiert wurde. Und bei diesem Jubeljahr im Volk Israel wurden in der Tat und ganz konkret den Menschen ihre Schulden erlassen, den Sklaven wurde die Freiheit geschenkt, und die Söldner konnten nach Hause zurückkehren. Dieses Jubeljahr machte einen Neuanfang möglich – für jeden.

„Heute“ geschieht das alles, sagt Jesus. Dieses Wort „heute“zum Abschluss seiner Schriftauslegung bezeichnet keineswegs nur den damaligen Sabbattagin Nazareth vor fast 2000 Jahren.Das „Heute“ Jesu ist das „Heute“ Gottesfür alle Zeiten und für alle Menschen,auch für uns, jetzt, heute!

Heute wird Ihnen und mir, heute wird uns allen angeboten:  Mach die barmherzige Zuwendung Gottes zu Deinem Lebensereignis! Lass diese Befreiung zu einem Teil Deines Lebens werden!  Das geht – weil Jesus wirkt!  In seiner Person kommt Gott selbst zu uns Menschen und zeigt uns sein Wesen – heute:

„Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe.“

Ich bin nicht erst arm, wenn Geldbeutel oder Konto leer sind. Arm fühle ich mich, wenn ich zum Beispielunter dem Gefühl der Minderwertigkeit leide, weil ich krank bin oder gebrechlich, weil mein Leben nicht so verlaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe, weil ich von Menschen enttäuscht wurde, auf die ich vertraut habe. Da hinein kommt Jesu Zusage – heute:

Gott ist Liebe, er hat immer ein Herz für Dich; er liebt Dich, mit allen Stärken und Schwächen, die Du hast, mit all Deinen Plänen und Träumen, mit Deinem Leid.  Er nimmt Dich so wie Du bist, ohne Wenn und Aber. 

Gott hat mich gesandt, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde“,

geht Jesu Zusage weiter. Ja, manchmal fühlen Menschen sich doch gefangen in den vielen Abhängigkeiten des Alltags, in den unterschiedlichsten Verpflichtungen. Und manchmal hält uns die Angst um die Zukunft förmlich im Griff und droht unser Leben zu bestimmen –und im wahrsten Sinn des Wortes: einzuschränken.

Gott ist Freiheit, heißt Jesu gute Nachricht, und in die Freiheit will er uns Menschen führen. Heute. „Er hat mich gesandt, damit ich den Blinden das Augenlicht gebe.“

Wie gut ich das selbst kenne: Manchmal denke ich nur an mich, an meine Probleme und Sorgen, und kann gar nichts anderes mehr sehen. Ich verschließe - buchstäblich - die Augen vor der Not meines Mitmenschen, vielleicht auch vor den schönen Augenblicken in meinem Leben. Gott will mir die Augen des Herzens und des Geistes öffnen. Er will mir zeigen, dass es noch mehr gibt, als Krankheit und Leid. Er hilft, dass ich im Leben durchblicke. 

Gott ist menschenfreundlich, das ist der Kern der Gnadenzeit, die Jesus eingeleitet hat. Gott liebt, wo Menschen nicht mehr lieben können; er befreit, wo andere Grenzen ziehen und sich abschotten; er macht fähig, seine Gegenwart in dieser Welt zu erkennen, in einem Gebet, in einem Lied, in einem guten Wort; in einer helfenden Hand; in einer kleinen Geste der Zuneigung; in seiner Schöpfung.

Ich muss es nur zulassen, mich öffnen: mein Herz, meine Augen, ja, auch meinen Verstand.

 „Heute“ bringt er uns Armen eine frohe Botschaft: Ich will dich mit Liebe beschenken!

„Heute“ bringt er uns Gefangenen die Freiheit: Ich will dich befreien, von allem, was dich bindet!

„Heute“ bringt er uns Blinden das Augenlicht: Ich will dich heilen von den blinden Flecken in deinem Leben.

„Heute“ hat sich dieses Schriftwort erfüllt!

Das gilt – Jesus selbst steht dafür ein.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 27.01.2019 gesendet.





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