13.01.2019

Predigt des Gottesdienstes aus dem Hohen Dom zu Minden


Predigt von Propst Roland Falkenhahn

Wir feiern heut ein Fest – und machen einen großen Schritt, ja einen Zeitsprung von 30 Jahren. Nach der Freude über die Geburt, folgt mit dem Fest der Taufe des Herrn das erste öffentliche Auftreten Jesu bei seiner Taufe durch Johannes. Die Taufe Jesu ist ein Epiphanie-Geschehen, es ist ein Aufleuchten des sich offenbarenden Gottes. Das Aufleuchten Gottes begegnet uns bereits in der Lesung aus dem Propheten Jesaja: „Tröstet, tröstet mein Volk spricht euer Gott“. Die spürbare Nähe Gottes gilt besonders allen, die in ihrer Lebenssituation Einschränkungen erfahren, verbunden mit der Aufforderung: „Fürchte dich nicht, seht da ist euer Gott.“

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wo immer sie uns in dieser Stunde zuhören und begleiten, eines ist vielen von uns gemeinsam, durch die Taufe sind wir Kinder Gottes und der Kirche eingegliedert worden. Auch wenn die meisten von uns an dieses so wichtige Ereignis keine persönliche Erinnerung haben, weil sie als Kleinkinder getauft worden sind, so wissen wir doch durch Fotos, Erzählungen und Urkunde von diesem besonderen Tag in unserem Leben.

Für mich als Seelsorger sind die Taufvorbereitung und die eigentliche Feier immer eine besondere Herausforderung und Freude. Das beginnt mit der Taufanmeldung. Häufig kommen die jungen Mütter mit ihren Kindern ins Pfarrbüro, einen Ort, den sie häufig zum ersten Mal betreten, und da hängt viel von der Atmosphäre und einer freundlichen Aufnahme ab. Beim Taufbesuch in der Wohnung oder dem Haus der Familie, bekommen wir Seelsorger einen Eindruck vom Familienleben und sprechen mit den Eltern über Ablauf und Inhalt der Feier. Dabei ergeben sich fast immer auch Fragen und Gespräche über das reine Thema Taufe hinaus. So geht es beispielsweise um die Frage nach einer kirchlichen Eheschließung, einen Platz in einem kirchlichen Kindergarten oder allgemein um die familiäre und berufliche Situation. Wichtig ist auch zu klären, weshalb sie ihr Kind taufen lassen wollen. Steht dahinter das Drängen der Großeltern oder weil man das so macht? Würde nicht eigentlich eine allgemeine Segnung reichen?

Die Taufe ist ein existentielles Geschehen, weil es unsere ganze menschliche Existenz zutiefst berührt und als Glaubende unser Leben auch zutiefst bestimmt. Die Kirche lehrt, dass die Taufe ein unauslöschliches Siegel einprägt. Egal wie immer sich der mögliche noch so junge Täufling in seinem Leben für oder gegen Gott und die Kirche entscheidet, die in der Taufe gemachte Zusage und Annahme als Kind Gottes bleibt unwiderruflich bestehen, weil Gott treu ist.

Die Feier der Taufe zeichnet sich dadurch aus, dass sie von allen Sakramentenspendungen der Kirche diejenige mit den meisten Zeichenhandlungen ist. In jedem Zeichen kommt ein Aspekt der Treue Gottes und der Konsequenz unserer Gotteskindschaft zum Ausdruck.

Das beginnt schon mit der Bezeichnung mit dem Kreuzzeichen durch den Taufspender, die Eltern und Paten vor oder im Vorraum der Kirche. Das Kreuzzeichen ist hier ein Besitzzeichen, das wie ein Siegel den Bezeichneten Gott zuordnet.

Wenn der Taufspender dem Kind nach Wortverkündigung und Gebet um Bewahrung vor dem Bösen still die Hände auflegt geht es um die Abwendung der Bedrohungen, die dem Kind auf seinem Lebensweg begegnen werden.

Nach der eigentlichen Taufe wird mit Chrisam über den Scheitel gesalbt wodurch der Täufling Anteil erhält am königlichen, priesterlichen und prophetischen Amt Jesu Christi. 

Beim Effata-Ritus werden Ohren und Mund der Kinder berührt, verbunden mit der Bitte den Glauben anzunehmen und den Auftrag ihm weiterzusagen.

Beim Bekleiden mit dem Taufkleid wird deutlich, dass der Täufling mit der neuen Wirklichkeit überkleidet wird, dass er quasi Christus als zweite Haut anzieht. Wenn in der Regel der Vater die Taufkerze an der Osterkerze entzündet, wird den Eltern und Paten vom österlichen Auferstehungsgeschehen her ihr Kind mit diesem Licht neu anvertraut.

Dies sind für alle Beteiligten besondere Momente.

Die entscheidende Frage lautet: Was geschieht bei der Taufe neben den eben genannten Zeichenhandlungen?

In der Katechese verweise ich beim Blick auf das inhaltliche Geschehen der Taufe gerne auf das Evangelium des heutigen Festtages aus dem 3. Kapitel des Lukasevangeliums. Bei jeder Taufe öffnet sich, wie bei der Taufe Jesu, der Himmel und der Heilige Geist kommt auf den Täufling herab, wenn auch nicht sichtbar in Gestalt einer Taube. Aber jedem Täufling gilt die im Evangelium gemachte Zusage: Du bist mein geliebter Sohn/meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Mit der Taufe am Jordan beginnt das öffentliche Wirken Jesu. In seinem Leben entfaltet sich immer mehr und wahrnehmbarer das Wirken und Offenbarwerden Gottes in dieser Welt. Wenn sich in seinem Opfertod am Kreuz auf Golgotha sein öffentliches Wirken und seine Sendung vollenden, dann damit alle Getauften auch teilhaben an seiner Auferstehung.

Wir feiern heut ein Fest und haben allen Grund dazu.


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Dieser Beitrag wurde am 01.01.2019 gesendet.





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