4. Adventsonntag, 23.12.2018

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche St. Josef in Berlin-Weißensee


Predigt von Pfarrer Bernd Krause

Liebe Gemeinde, liebe Mitfeiernde zu Hause!

Die Erzählungen über die Geburt und die Kindheit Jesu, wie sie im Lukasevangelium beschrieben wurden, sind möglicherweise nicht rein geschichtlich zu verstehen. Ich denke, das wissen wir.

Lukas hat sie im Rückblick auf das Leben und Wirken Jesu komponiert und der Hauptinhalt dieser Texte lautet: Dieser Jesus ist Gottes Sohn, sein Gesandter zu uns Menschen!

Die lukanischen Texte der Kindheitsgeschichte Jesu sind aber nicht nur eine oberflächliche Erzählung, wie der Schreiber sich das vorgestellt hat, sondern sie haben Tiefe, verschiedene Dimensionen, man muss auch zwischen den Zeilen lesen.

Im heutigen Text von der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, den beiden schwangeren Frauen, spielt das Zueinander von Johannes dem Täufer und Jesus eine große Rolle und ebenso die Frage: Wie kommt Gott in unsere Welt?

Und morgen Abend hören wir die Antwort des Evangelisten auf diese Frage: Gott kommt in der Alltäglichkeit einer unbedeutenden, einfachen jungen Frau zur Welt. Er wird als Kind geboren – unspektakulär  - von vielen unbemerkt – nicht in einem Palast – nicht groß angekündigt!

Gott kommt in unsere Welt durch einen Menschen, der sich von Gott ansprechen ließ, der hinhörte auf Gottes Boten, der Vertrauen zu Gott hat und sich auf eine wesentliche Lebensveränderung einlässt. Gott kommt durch Maria zur Welt, die ihrer inneren Stimme traut und ja sagt.

Maria hat etwas Wesentliches erlebt, verspürt die Verbundenheit mit Gott als ihre Wirklichkeit. Sie erschrickt, stellt Fragen, aber lässt sich darauf ein.

Geredet hat sie mit noch keinem Menschen darüber – jedenfalls wird es nicht berichtet. Damit sie wirklich glauben und begreifen kann, was sie erlebt hat, muss sie sich austauschen. Sie ist angewiesen auf die Begegnung mit einem vertrauten Menschen und so geht sie zu der Frau, die in einer ähnlichen Situation wie sie selbst ist – unverhofft, ungeplant schwanger.

Die Begegnung von zwei schwangeren Frauen, Menschen, die in sich neues Leben spüren, wählt der Evangelienschreiber als Bild, um zu beschreiben, wie die Wirklichkeit Gottes im Leben wahr werden kann. Die Freude darüber ist bei beiden Frauen groß. Ihre Empfindungen sprechen sie aus.

Gott kommt bis heute so zur Welt – im Alltag, im Menschen, unspektakulär, von vielen unbemerkt – in uns.

Deshalb gehört es wohl zum Advent, dass wir unseren inneren Stimmen Aufmerksamkeit schenken – vielleicht gelingt uns das trotz aller Hektik gerade hier in dieser Stunde – es gehört zum Advent, dass wir Träumen und Fragen nicht ausweichen, sondern vertrauen lernen, selbst wenn uns unsere Gedanken im ersten Moment erschrecken und vielleicht auch unser Leben nicht einfacher machen. Es gehört wohl auch zu dieser adventlichen Haltung, dass wir uns mit unseren Gefühlen und Gedanken anderen anvertrauen und so im Gespräch und Miteinander Gott spüren.

Ich wünsche uns allen Mut zur Innerlichkeit, auf die Stimme Gottes in uns zu hören; ich wünschen uns den Glauben daran, dass wir aus den vielen Stimmen die erkennen können, die uns mit Gott verbinden; und ich wünsche uns Begegnungen mit Menschen, mit denen das neue Leben Gottes, das in uns wächst, wirklicher werden kann und Ausdruck findet. Amen.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 23.12.2018 gesendet.





Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche