Morgenandacht, 05.01.2019

von Joachim Opahle aus Berlin

Sternsinger machen die Seele hell

Der Heiligen Familie ging es gut. Gleich nach der Geburt im Stall von Bethlehem kamen Könige und brachten Geschenke für das Neugeborene. Sowas würde sich auch so manche junge Familie heute wünschen.

Die Geschenke der biblischen Heiligen Drei Könige, deren Gedenktag morgen gefeiert wird, waren zwar wertvoll, aber vielleicht nicht sehr praktisch. Die Bibel berichtet von Gold, Weihrauch und Myrrhe. Diese Geschenke hatten symbolische Bedeutung. Das Gold sagt, dass hier ein König geboren wurde, der Weihrauch bedeutet: dieses Kind ist göttlicher Natur, die Myrrhe ist eine antike Wundsalbe; sie wird gedeutet als Hinweis darauf, dass dieser Jesus von Nazareth einmal einen leidvollen Tod am Kreuz sterben wird.

Eigentlich waren es ja keine Könige, sondern sternenkundige Gelehrte, vermutlich aus dem  Zweistromland Mesopotamien, die sich nach der Erzählung aus dem Matthäusevangelium aufmachten zur Krippe nach Palästina. Sie waren überzeugt: da hat sich etwas Besonderes ereignet. Die Sterne, so hatten sie gelernt, halten Botschaften bereit, die aber entschlüsselt und gedeutet werden müssen. Der Weihnachtsstern von Bethlehem war für sie Anfang einer Spurensuche. Und so ist es bisweilen auch noch heute. Bis in unseren Alltag hinein gelten Sterne als besondere Himmelslichter, von denen wir geheimnisvolle Botschaften erhoffen. Zum Beispiel, wenn wir - mehr oder weniger ernst gemeint – das Horoskop in der Zeitung studieren. Es könnte ja sein, dass was dran ist an den verlockenden Vorhersagen der Astrologen. Sterne lügen nicht! - heißt es nicht umsonst!

Beim Stern von Bethlehem geht es aber nicht darum, das persönliche Schicksal zu ergründen. Auch nicht, ein seltenes Himmelsereignis lediglich zu bestaunen, so wie wir im Sommer die seltene totale Mondfinsternis verfolgt haben. Sondern es geht darum, zu einem Stern für andere zu werden. Vor allem darin haben die Heiligen Drei Könige eine große Vorbildkraft entfaltet. Denn auf sie berufen sich Kinder und Jugendliche, die in diesen Tagen verkleidet als Kaspar, Melchior und Balthasar in die Wohnungen kommen und den Frieden der Weihnacht verkünden. In früheren Jahren habe ich sie als Erwachsener begleitet. Stundenlang waren wir oft unterwegs, durch Kälte, Schnee und Regen. Von Haus zu Haus, ohne Scheu vor Zurückweisung und mit gehöriger Ausdauer während der Ferientage.

Das Dreikönigssingen geht zurück bis ins Mittelalter und erfreut sich hierzulande Jahr für Jahr größerer Beliebtheit. Beim Bundespräsidenten, im Kanzleramt und bei vielen Behörden sind die Kinder und Jugendlichen willkommene Gäste, weil sie Gutes tun und weil sie der Seele gut tun. Sie spenden ihre Zeit und ihre Fantasie, um auf das Schicksal ihrer unterprivilegierten Altersgenossen aufmerksam zu machen. Wo man ihnen die Tür öffnet, bringen sie Freude und bekommen Freude zurück: Staunende Kinderaugen, erwartungsvolle Familien, überglückliche alleinstehende Seniorinnen und Senioren und – natürlich bekommen sie auch mal eine Tafel Schokolade oder Lebkuchen. Es ist nicht nur eine Solidaritätsaktion für jene, denen es an anderen Orten der Welt schlechter geht. Sondern auch ein Dienst an der Gemeinde, ein Zeugnis der Verkündigung und Seelsorge für Kranke, Alte und Einsame und nicht zuletzt ein charmantes Bekenntnis zum Glauben.

Die jugendlichen Sternsinger bringen eine sehr konkrete Friedensbotschaft, die mit einem Segenszeichen an der Haustür bekräftigt wird. Ein Hinweis darauf, dass der Friede, der in einem Hause wohnt, auch eine himmlische Gabe ist; etwas, das man sich von Gott erbitten kann. Die Botschaft der Sternsinger ist groß, obwohl sie nur wenige einfache Worte umfasst:

„Wir bitten: Gott segne nun dieses Haus
Und alle, die gehen ein und aus.
Verleihe ihnen zu dieser Zeit
Frohsinn, Frieden und Einigkeit.“

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden.


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Dieser Beitrag wurde am 05.01.2019 gesendet.


Über den Autor Joachim Opahle

Joachim Opahle, geboren 1956, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er studierte in Freiburg im Breisgau, in Wien, Tübingen und Bamberg Katholische Theologie und Kommunikationswissenschaften. Seit 1993 ist er im Erzbistum Berlin tätig als Leiter der kirchlichen Hörfunk- und Fernseharbeit.

Kontakt
rundfunk@erzbistumberlin.de
www.erzbistumberlin.de

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