Wort zum Tage, 08.01.2019

Pastoralreferentin Monika Tremel aus Nürnberg

Heilige

„Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen“, so heißt es im Glaubensbekenntnis der Kirche. Doch was soll das eigentlich heißen? Der englische Schriftsteller und Journalist Gilbert Keith Chesterton hat einmal über die Heiligen der Kirchengeschichte gesagt, dass sie wie ein Gegengift sind, weil sie widersprechen und weil sie besonders auf das hinweisen, was die Welt in ihrer Zeit vernachlässigt hat. Die Heiligen als Heilmittel und Gegengift. Dieser Gedanke gefällt mir.

Zu allen Zeiten waren die Heiligen Menschen, die widersprochen haben. Sie haben den Finger in die Wunden ihrer Zeit gelegt. Etwa der Heilige Franz von Assisi. In der Zeit der Kreuzzüge, als die gesamte Gesellschaft materiell und ideologisch aufrüstet für den Krieg im Heiligen Land, fordert Franziskus die Achtung und Toleranz gegenüber den Muslimen. Oder Elisabeth von Thüringen. Als reiche adlige Frau führt sie ein Leben weit in Reichtum und Wohlstand. Was ihr nicht entgeht ist, dass die meisten Menschen, die damals rund um die Wartburg leben, arm sind. Elisabeth durchbricht die Standesgrenzen ihrer adligen Welt und versucht, gegen den Widerstand ihrer Familie, die Armut im Land zu lindern.

Elisabeth und Franziskus sind zwei Beispiele von unzähligen anderen, die herausstechen in ihrer Zeit. Sie haben den Verhältnissen widersprochen und haben versucht, heilsam zu leben.

Ob berühmt oder nicht - jeder Tag ist also für die Kirche der Tag eines Menschen, der in seiner Zeit widersprochen hat, der unangenehm war und sich mit den Verhältnissen nicht abgefunden hat. „Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen“ – wenn Christinnen und Christen diesen Satz im Glaubensbekenntnis beten, dann bekennen sie sich zur Gemeinschaft derer, die widersprechen. Einer Gemeinschaft von Menschen, die wie ein Gegengift ist für unsere verwundete Welt. Ich finde, in unserer heutigen Zeit, ist eine solche Gemeinschaft nötiger denn je. Für mich als Christin ist es ermutigend, zu all jenen zu gehören, die unangenehm sind und die den Finger in die Wunden der Welt legen. Ich finde: Wenn man zu einer solchen Gemeinschaft gehört, dann ist man in guter Gesellschaft. Dann hat man heilsame Vorbilder, die einen stärken können in den Stürmen der Zeit.


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Dieser Beitrag wurde am 08.01.2019 gesendet.


Über die Autorin Dr. Monika Tremel

Dr. Monika Tremel, Jahrgang 1967, ist Pastoralreferentin in der Erzdiözese Bamberg und derzeit Leiterin der Katholischen Hochschulgemeinde in Nürnberg. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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