Wort zum Tage, 07.01.2019

Pastoralreferentin Monika Tremel aus Nürnberg

Außenperspektive

Die Technik macht´s möglich - den direkten Draht nach oben. Vor einiger Zeit hat Papst Franziskus mit der Besatzung der internationalen Raumstation telefoniert. Er hat den Astronauten viele Fragen gestellt. Woher wir Menschen kommen und ob es im Weltall ein Oben und ein Unten gibt. Ob es Tag wird oder Nacht? Interessante Fragen, die sich stellen, wenn man mal den Blick von Außen auf die Erde hat. Die Erde von außen zu sehen sei faszinierend, so die Astronauten. Und sie meinten, von der ISS aus betrachtet ist unser Planet unglaublich schön, geradezu magisch. Die Erde sieht aus wie ein schwebender Ball in den Weiten des Weltalls. Sie wirkt zerbrechlich und bei jeder Umrundung kann man Neues sehen. Angesichts ihrer umwerfenden Schönheit, so die Astronauten, empfindet man eine tiefe Ehrfurcht für den ganzen Planeten und überhaupt für das eigene Leben.

Freilich, nicht jeder kann zur ISS fliegen und mal eben so den Standpunkt wechseln, einfach mal auf die Erde herunterblicken. Das ist nur ganz wenigen vergönnt. Und doch: mit ein bisschen Abstand lässt sich oftmals eine ganz neue Sichtweise entdecken. Der Abstand bewirkt, dass wir den Blick schärfen können, dass wir die Dinge im Ganzen sehen, sie in ihrem Wesenskern erkennen. Da braucht man nicht zur ISS fliegen. Manchmal genügt dafür ein Gespräch oder ein Gedanke, der die Perspektive wechselt. Oder eine bewusst gesetzte Pause im Alltag. Manchmal braucht es einen Rat, den ein Außenstehender geben kann.

Menschen, die schon mal für längere Zeit von zu Hause weg waren, können das auch bestätigen. Jugendliche sagen einem das, die ein soziales Jahr im Ausland gemacht haben. Sie kommen mit einem anderen Blick nach Hause zurück. Wertschätzend für das, was sonst so selbstverständlich scheint: die Familie und dass sie in die Schule gehen können und lernen dürfen. Sie sehen, was bei uns in der Gesellschaft prima funktioniert und dass es nicht selbstverständlich ist, im Frieden zu leben. Sie merken, was ihnen wichtig ist, Traditionen etwa zu Weihnachten und dass zu Hause doch nicht alles so doof ist, wie man oft meint.

Was sich mit ein bisschen Abstand alles neu entdecken lässt. Und wie leicht sich doch Dankbarkeit einstellen kann. Wir brauchen nur ein wenig die Perspektive zu verändern.

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 07.01.2019 gesendet.


Über die Autorin Dr. Monika Tremel

Dr. Monika Tremel, Jahrgang 1967, ist Pastoralreferentin in der Erzdiözese Bamberg und derzeit Leiterin der Katholischen Hochschulgemeinde in Nürnberg. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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