Christkönigssonntag, 25.11.2018

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche Corpus Christi in Nürnberg-Herpersdorf


Predigt von Pfarrer Stephan Neufanger

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer an den Radiogeräten

Ein Reich, das nicht von dieser Welt ist, in der wir leben –
- ein Ort, an dem wir frei sind von allem, was uns belastet:
frei von Kriegen und jeglicher Gewalt,
frei von Krankheiten und anderen Leiden,
frei von der Angst vor dem Tod.
Wie gut und heilsam doch ein solcher Ort wäre.

Eigentlich ging es diesem Jesus von Nazareth um nichts anderes.
Es war seine Mission: in den Menschen die Hoffnung auf ein solches Reich zu erwecken.

Immer wieder sprach er davon.
Er nannte es Reich Gottes: Reich der Gerechtigkeit, Reich des Friedens, Reich der Liebe.
Und er sprach davon, dass dieses Reich jedem Menschen offensteht - jedem, der daran glaubt. Egal, ob Mann oder Frau, ob Jung oder Alt, gesund oder krank, reich oder arm.
Die Menschen, die ihm folgten, waren auf sonderbare Weise von seiner Botschaft berührt.

Sie war anders. 

Eine Botschaft, die eben nicht von dieser Welt stammt und doch jeden Menschen betrifft.
Eine Wahrheit, die weniger den Verstand und auch nicht die Psyche des Menschen, sondern sein Innerstes anspricht, sein Herz seine Seele.

Jesus redete aber nicht nur vom Reich des Himmels. Er weckte in den Menschen nicht nur die Hoffnung auf dieses Reich. Er bewirkte, dass diese Hoffnung im Leben der Menschen auch zur Wirklichkeit wurde:
Er heilte Kranke, befreite Sünder von der Last ihrer Schuld, ermutigte die an ihrem Leben Zweifelnden, tröstete Trauernde, und erweckte Tote zu neuem Leben.

Menschen, die der Botschaft Jesu glaubten und ihm folgten, haben durch ihn den Himmel erfahren. Sie spürten: hier bei ihm und mit ihm, da erlebe ich mich selbst als der Mensch, der ich wirklich bin, da muss ich mich nicht verstellen, da bin ich angenommen und geliebt, auch und gerade mit meinen Fehlern und Schwächen, da erlebe ich was Liebe wirklich heißt.

Reich des Himmels, der Gerechtigkeit, des Friedens, der wahren Liebe. Ein Reich nicht von dieser Welt.

Das war seine Botschaft, sein Auftrag, seine Sendung: hier auf Erden uns Menschen die Augen und Herzen zu öffnen, dass dieses Reich Gottes da ist. Hier mitten unter uns, nicht irgendwo außerhalb unserer Welt, auch wenn es von außerhalb kommt. Es ist da in der Welt und baut sich auf; überall dort, wo Menschen daran glauben und die Liebe leben die Jesus uns vorgelebt hat.

Ein Reich nicht von dieser Welt ist gefährlich für alle, die ihr Menschsein an die Mächte dieser Welt binden. Sie müssen um ihre Macht und ihren Einfluss fürchten. Deshalb dachte man, es ist besser Jesus zu töten. So, wie man es üblicherweise mit anderen Konkurrenten auch tut.

Doch man erkannte nicht die Macht, die hinter seiner Botschaft und seinem Handeln wirkt, die Macht der wahren Liebe. Sie ist stärker als alle anderen Mächte, stärker als der Tod. Sie hat Jesus vom Tode auferweckt und ihn mit seiner Botschaft zu einem unvergleichlichen Zeichen der Hoffnung werden lassen.

Der Glaube an die Liebe, die stärker ist als alle Mächte dieser Welt, ist die einzige Hoffnung, die wir Menschen haben, wenn wir nicht an den Grenzen und Mächten dieser Welt zugrunde gehen wollen.

Wir brauchen diese Alternative so dringend für unser Leben. Denn wir erleben ja tagtäglich was geschieht, wenn Menschen nur nach den Gesetzmäßigkeiten dieser Welt regieren und leben:  Machthaber führen Kriege um ihre Macht zu erhalten auf Kosten der Menschen.

Die Starken herrschen über die Schwächeren.

Wer im Strom des Geschehens im Kampf um wirtschaftliche oder gesellschaftliche Vorherrschaft nicht mithalten kann, geht darin verloren.

Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher.

Wer krank und schwach und nicht mehr leistungsfähig genug ist, hat in einer Gesellschaft in der es nur um Profit und Gewinn geht keinen Platz mehr.

In einer Welt, in der das Recht des Stärkeren herrscht, verliert der Mensch sich selbst und seine Würde und mit ihr die Freiheit, die ihn ausmacht. 

Das heutige Christkönigsfest ermutigt uns, an das Reich der Liebe Gottes zu glauben, das nicht von dieser Welt ist.

Es ermutigt uns zu hoffen, wo nach den Maßstäben dieser Welt niemand mehr zu hoffen wagt.

Es bestärkt uns zu lieben, trotz aller Widerstände und Widersprüche, denn die Liebe ist stärker als jede andere Macht.

Jesus hat das Leben der Menschen die an ihn glaubten und die ihm folgten grundlegend verändert.

Er hat geheilt und neue Hoffnung gebracht. 

Er kann und wird auch unser Leben grundlegend verändern und die Wunden unserer Welt heilen, wenn wir ihm glauben und ihm auf seinem Weg der Liebe folgen.


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Dieser Beitrag wurde am 25.11.2018 gesendet.





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