Wort zum Tage, 30.11.2018

Wolfgang Drießen aus Saarbrücken

Mahnmal

Johann Backes, Bernhard Jochum, Peter Dingert – das sind nur drei Namen von mehr als 200 Männern aus Quierschied im Saarland, die im 1. Weltkrieg ums Leben gekommen sind. Und auch diese 200 stehen nur stellvertretend für die Millionen anderen, die im ersten Weltkrieg ums Leben gekommen sind. Überall in Deutschland findet man in den Kirchen alte Gedenktafeln, meist irgendwo an einem Seitenaltar an der Wand. Ich habe mir vor kurzem mal ganz bewusst so eine Tafel angeschaut und die Namen der Männer gelesen, die damals an den Kriegsfronten gestorben sind.  Neben der Tafel stand eine Pieta, eine Figur von Maria mit dem toten Jesus auf dem Schoß. Die sollte all denen Trost spenden, die damals um ihre Männer und Söhne getrauert haben. In diesem Monat November 2018 ist es genau 100 Jahre her, dass dieser fürchterliche Krieg zu Ende ging.

Man kann sich das Leid eigentlich gar nicht vorstellen. 200 Männer allein aus einem kleinen Ort im Saarland. Menschenleben waren nichts wert in diesen Zeiten. Und das galt für alle Kriegsparteien.

Der damalige Papst Benedikt XV. hatte 1917 versucht, mit einer Friedensinitiative die kriegführenden Staaten an den Verhandlungstisch zu bringen. Und er hat allen Grund dazu. Gerade hatte in Nordfrankreich die dritte Flandernschlacht begonnen. An deren Ende sind 650.000 Männer tot, verwundet, vermisst. Ohne erkennbare Gewinne  für beide Seiten.

Er schreibt: „Soll denn nun die zivilisierte Welt nurmehr ein Leichenfeld sein? Soll Europa, so ruhmreich so blühend, wie von einem allgemeinen Wahnsinn fortgerissen, in den Abgrund rennen und die Hand gegen sich selbst wenden zum Selbstmord?“ (FAZ 17.08.2017)  Das sind scharfe Worte. Aber so redet der Papst den Regierenden ins Gewissen.

In England, Frankreich und Deutschland – überall weiß man, dass es so nicht weitergehen kann. Aber selbst jetzt will keine Seite zurückstecken. Niemand ist bereit, dem anderen auch nur einen Schritt entgegen zu kommen. Und die deutschen Bischöfe stellen sich gegen ihren Chef in Rom und warnen noch im November 1917 vor einem Frieden "als Judaslohn für Treubruch und Verrat am Kaiser".

Der Versuch des Papstes, Frieden zu stiften, ist damals gescheitert. Aber Benedikt XV. legte damit den geistigen Grundstein für einen strikten Pazifismus der Päpste bis heute.

100 Jahre ist das jetzt her. Und viele werden denken: kann man das jetzt nicht einfach mal ruhen lassen? Nein, das kann man nicht. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Denn Menschen sind fürchterlich vergesslich. Fehler in Politik und Gesellschaft, die zu solchen Kriegen führen, dürfen sich nicht wiederholen. Das sind wir den Toten schuldig, an die Gedenktafeln und Mahnmale erinnern und mehr noch uns, den Lebenden, denen so ein Schicksal erspart werden soll.


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Dieser Beitrag wurde am 30.11.2018 gesendet.


Über den Autor Wolfgang Drießen

Wolfgang Drießen ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er beim SWF in Baden-Baden sowie im „Theologenkurs" (1984) im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Seit 1986 arbeitet Drießen in der Rundfunkarbeit des Bistums Trier in Saarbrücken, seit 1997 ist er der Rundfunkbeauftragte beim SR. In seinen Sendungen versucht er, Mut zum Leben zu geben und Gott als den zu suchen, in dessen Hand man sich fallen lassen kann, wenn es nötig ist.

Kontakt
(0681) 9068 241
rundfunkarbeit.sr@bistum-trier.de
  

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