Wort zum Tage, 27.11.2018

Wolfgang Drießen aus Saarbrücken

Herbst-Blues

In diesem Jahr hat es etwas länger gedauert. Aber dann hat uns der Herbst mit seinem Schmuddelwetter doch erwischt. Die Folgen davon sind in jedem Jahr dieselben: Fast ein Drittel der Deutschen bekommt im Herbst und Winter den Blues. Damit ist eine Art saisonal bedingte Depression gemeint. Eine Krankenkasse hat diesen „Blues“ mal untersuchen lassen. Die Folgen sind Konzentrationsmangel, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen. Den meisten Betroffenen fehlt es dann auch an Energie, etwas zu unternehmen.

Schuld am Blues – sagen die Experten- ist ein Mangel am Hormon „Serotonin“. Das produziert der Körper nur bei ausreichend Licht. 15 Minuten raus am Tag können da schon helfen. Für einen Menschen mit Bürojob kann das im Winter allerdings zum Problem werden. Morgens im Dunkeln Arbeitsbeginn, bei Dienstschluss schon wieder Sonnenuntergang. Da bleibt eigentlich nur die Mittagspause.

Es gibt aber noch ein anderes Hilfsmittel. Das finde ich in einer Geschichte der Bibel.

Da hat Elia, der große Prophet, den Blues. Und zwar richtig. Er hat die Nase gestrichen voll von allem und flüchtet in die Wüste. Unter einem dürren Ginsterstrauch legt er sich hin und schläft. Manchmal scheint das die einzige Lösung zu sein: Schlafen, um alles zu vergessen. Nach dem Motto: Gute Nacht, ihr lieben Sorgen….“  Doch plötzlich kommt da einer und schüttelt ihn und sagt: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Elia sieht niemanden, und es ist ihm auch egal. Er will nicht mehr. Aber der Fremde lässt nicht locker. Drei Mal rüttelt er den Elia auf und beim dritten Mal findet er frisches Brot und Wasser. Durch diese Hilfe kann Elia aufstehen, den Blues überwinden und seinen Weg fortsetzen. In der Geschichte der Bibel ist es ein Engel, der ihm dazu Kraft gegeben hat. Da ließe sich jetzt noch ganz viel zu sagen, für heute reicht mir allerdings eines: wenn jetzt, wo die Abende wieder so früh dunkel sind, der Blues droht, wie wäre es denn, wenn ich zum Telefon greife, einen Freund anrufe und ihn wach rüttele. „Komm, steh auf, wir unternehmen was.“ Beim nächsten Mal bin ich es dann, dem auf die Beine geholfen wird. Der Götterbote, der Engel mit weißem Hemd und Flügeln kann dann getrost zu Hause bleiben. Und die Serotoninspritze, die braucht man erst gar nicht aufzuziehen.


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Dieser Beitrag wurde am 27.11.2018 gesendet.


Über den Autor Wolfgang Drießen

Wolfgang Drießen ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er beim SWF in Baden-Baden sowie im „Theologenkurs" (1984) im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Seit 1986 arbeitet Drießen in der Rundfunkarbeit des Bistums Trier in Saarbrücken, seit 1997 ist er der Rundfunkbeauftragte beim SR. In seinen Sendungen versucht er, Mut zum Leben zu geben und Gott als den zu suchen, in dessen Hand man sich fallen lassen kann, wenn es nötig ist.

Kontakt
(0681) 9068 241
rundfunkarbeit.sr@bistum-trier.de
  

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