Wort zum Tage, 17.11.2018

Pastoralreferent Dietmar Rebmann aus München

Volkstrauertag

Viele Milliarden Euro müssen die Krankenkassen jedes Jahr bezahlen für die Behandlung von Schäden an der Wirbelsäule und im Rückenbereich. Und viele dieser Krankheiten entstehen, weil Menschen hartnäckig etwas durchsetzen wollen. Ein Mediziner kann das gut erklären. Man beißt die Zähne zusammen, dadurch verkrampft sich die Muskulatur des Kiefers und des Nackens. Man zieht die Schultern hoch und treibt sich selbst an: reiß dich zusammen, du schaffst das.

Der ganze Kopf ist durch diese Fixierung auf den Erfolg in ständiger Anspannung und Überspannung. Und das wirkt sich dann schädlich auf den ganzen Rücken aus.

Eine besondere Therapie gegen hartnäckige Fixierung habe ich in der Bibel gefunden, im Lukasevangelium. Jesus ist mit seinen Freunden auf dem Weg nach Jerusalem. Unterwegs kommen sie in ein Dorf, wo man ihnen keine Unterkunft geben will. Da sagen die Jünger zu Jesus: Sollen wir Feuer vom Himmel herabrufen und das Dorf zerstören?

Und Jesus schreit sie an. Nein, so geht das nicht, mit Gewalt kann man kein Glück erreichen.

Wie könnt ihr glauben, das Reich Gottes ließe sich mit Brutalität durchsetzen. Es ist für mich erschreckend zu sehen, wie diese einfachen Menschen, die mit Jesus unterwegs sind, sich plötzlich zu Herren über Leben und Tod aufschwingen wollen. Aber das kennen wir ja auch aus unserer modernen Geschichte. Wenn morgen am Volkstrauertag der Opfer der modernen Kriege gedacht wird, dann müssen wir uns auch an die Gründe für diese Katastrophen erinnern. Und wir können sehen, dass da Entscheidungen gefallen sind, die wir heute manchmal schwer verstehen können. Die Fixierung auf primitive Feindbilder und die hartnäckige Arroganz der politisch Verantwortlichen erscheinen uns heute geradezu unheimlich in ihrer zerstörerischen Kraft. In der Folge haben Völker sich gegenseitig ausrotten wollen. Einzelne haben an Massakern teilgenommen.

Und viele haben sich in den Dienst der Tötungsmaschinerien gestellt, weil sie hartnäckig auch etwas für sich persönlich erreichen wollten. Es gibt also eine große Bandbreite, wie wir Menschen durch unsere Hartnäckigkeit Unheil erzeugen, für uns selbst und für andere. Jesus hat seinen Jüngern den Kopf wieder zurechtgerückt. 

Und das kann auch für uns heute hilfreich sein. Man kann die Warnung in einem Satz zusammenfassen, die die biblische Erzählung uns vor Augen stellt: wer hartnäckig etwas durchsetzen will, kann sehr schnell hartherzig werden. Das führt dann immer zu schweren Schäden, in meinem Körper und in meinen Beziehungen. Und auch in den internationalen Beziehungen und im Zusammenleben der Völker.


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Dieser Beitrag wurde am 17.11.2018 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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