Wort zum Tage, 15.11.2018

Pastoralreferent Dietmar Rebmann aus München

Gottes Hände

Sie sieht aus wie ein langes goldenes Band, das durch die Luft schwebt. 150 Meter ist sie lang, Cau vang ist eine Fußgängerbrücke in den Bergen über der vietnamesischen Küstenstadt Da Nang. Und die schmale Brücke schwebt da oben seit diesem Sommer mit einem wunderschönen Ausblick ins Tal. Das Besondere ist aber nicht ihre goldene Farbe, sondern zwei gigantische Hände, die die Brücke zu tragen scheinen. Die Hände wirken wie riesige Felshände, so als hätte ein gewaltiger Riese seine Hände ausgestreckt, um die Brücke vor dem Absturz zu bewahren. Beim ersten Hinschauen dankt man, die Hände wären aus Stein gemacht, verwittert und etwas vermoost. Doch statt aus Stein oder Fels bestehen sie aus Stahlgeflecht und Fiberglas. Die Brücke im Truong-Son-Gebirge soll Besucher in den kleinen Erholungsort Bà Nà Hills bringen.

Viele nennen die Brücke auch „Die Hände Gottes“. Denn wenn man über die Brücke geht und sieht, wie die Finger die goldene Brücke vorsichtig halten, muss man eigentlich eine Gänsehaut bekommen. Denn man kann das sicher körperlich spüren, dass man auf dieser schmalen Brücke hoch über dem Abgrund wirklich von einer größeren Kraft getragen wird. Dass Gottes Hände ganz nahe sind.

Das erinnert an die Aussagen aus dem jüdisch-christlichen Bilderraum über die Art, wie Gott mit den Menschen in Beziehung steht. Die Bibel spricht ganz menschlich und sehr anschaulich von Gottes Händen: von seinen Schöpferhänden, mit denen er den Menschen aus Lehm geformt hat; von seinen Beschützerhänden, die er, wie eine Henne ihre Flügel, über seine Menschen schützend ausbreitet. Und von seinen Retterhänden, mit denen er uns aus der Verlorenheit herauszieht, wie einen Ertrinkenden aus den Fluten. So nahe am Menschen dran wird uns Gott da gezeichnet.

Wenn ich mir die gewaltigen Hände unter der goldenen Brücke im vietnamesischen Bergland genauer ansehe, kommt es mir vor, als würden sie sprechen. Und als könnte ich Gott hören, der sagt:

Ich helfe dir, indem ich deinem Leben einen Ort der Geborgenheit gebe.
Ich helfe dir, indem ich dir in schwierigen Momenten die Hand reiche und dich unterstütze, wo deine Kraft am Ende ist.
Ich helfe dir. Und wenn du manchmal in der Luft hängst, denke daran, dass ich da bin und dich trage.


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Dieser Beitrag wurde am 15.11.2018 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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