Wort zum Tage, 14.11.2018

Pastoralreferent Dietmar Rebmann aus München

Verbindlichkeit

Ich bin Mitglied in mehreren Gruppenchats im familiären Umfeld und bekomme dadurch regelmäßig mit, wie die verschiedenen Verabredungen oder Entscheidungen bei der jüngeren Generation ablaufen. Treffen wir uns heute?  Diese einfache Frage kann schon einen langen Schwanz von Diskussionen nach sich ziehen. „Ja“, und dann doch nicht – „Nein“, und dann doch – „Vielleicht“. Sich alles offen halten bis zuletzt, das wird immer alltäglicher. Verbindliche Zusagen und deren Einhaltung sind nicht mehr selbstverständlich. Stattdessen möchten wir im Leben alles mitnehmen, was nur irgend geht. Und man kann sich ständig umentscheiden. Das ist heute im Zeitalter von Handy und Smartphone ja so leicht geworden wie nie. Da kann man noch im letzten Augenblick nachschauen, ob es nicht doch etwas Besseres gibt. Das aber hat Folgen. Was für einen selbst so bequem scheint, kann den anderen tief verletzen, beispielsweise wenn man sein Kommen zugesagt hat und dann doch etwas anderes macht. Es wird kaum mehr möglich, etwas wirklich sicher zu planen. Dadurch geht Verbindlichkeit verloren und damit Vertrauen. Vertrauen, Verlässlichkeit und Rücksichtnahme sind aber das, was wir im Leben dringend brauchen.

Und ich meine: irgendwann ist man dann auch überfordert, denn man steht laufend vor Entscheidungen, welche der vielen Möglichkeiten, die gerade angeboten werden, man wählen soll. Ein neues Event, eine neue Einladung, ein neuer Film usw... Wer immer ohne nachzudenken den naheliegendsten Weg wählt, der wird mit der Zeit ein Getriebener, wird von dem geleitet, was gerade geboten wird. Er ist nicht mehr frei, ist gegängelt von außen. Viele Menschen leiden heute unter der Fülle dessen, was sie scheinbar alles tun sollten, und verlieren die Orientierung.

In der Bibel gibt es dazu einen markanten Satz von Jesus. Er sagt: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Alles andere ist vom Bösen.“ (Mt 5,37). Das kann übersetzt heißen: Wer sich bewusst entscheidet und das auch einhält, der ist selbstbestimmt und kein Spielball äußerer Umstände. Er bleibt Herr seiner selbst und das ist die beste Voraussetzung für seelische Gesundheit.

Und wenn man die Absprachen mit anderen zuverlässig einhält, nennt man das: Verbindlichkeit. Da steckt das Wort Bindung drin.

Ich bleibe in Verbindung mit den anderen und verliere mich nicht im Universum ewiger Diskussionschats.

Das Leben ist zu wertvoll, als dass man es nur noch  in den kalten Räumen der virtuellen Chatwelten verbringen sollte.

Also: Mein Ja soll ein Ja sein. Und mein Nein ein Nein. Finde ich toll, so eine klare Position. Dann weiß ich bei meinem Gegenüber, woran ich bin, ich kann der anderen Person vertrauen. Ihr Ja ist ein Ja, ihr Nein ein Nein, und es steht nichts dazwischen, was uns misstrauisch machen oder auseinanderbringen könnte.


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Dieser Beitrag wurde am 14.11.2018 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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