Wort zum Tage, 18.10.2018

Pastoralreferentin Johanna Vering aus Buchen

Beziehungsweise

Mit meinem Mann und unseren zwei Kindern bin ich total viel unterwegs. Mit dem Auto. Wir leben in Baden-Württemberg, im Odenwald und unsere Familien sind weit weg. Die eine in Freiburg und die andere in Westfalen. Immer wenn also ein Fest ist oder ein langes Wochenende, wenn wir die Uroma sehen wollen, Ferien sind oder wir mal raus müssen aus dem Alltag, dann steigen wir vier abends ins Auto und fahren in die Nacht zur Familie.

Diese Fahrten sind für mich ganz besonders. Auch weil die Kinder ziemlich sicher schlafen. Aber vor allem, weil mein Mann und ich Zeit miteinander haben. Viel Zeit und Ruhe zum Reden, keine Unterbrechung, nichts anderes, was ansteht. Außerdem kann keiner von uns weggehen. Wir sind im allerbesten Sinne füreinander da. Ich genieße diese langen Fahrten sehr.

Auf diesen Fahrten ist schon alles auf den Tisch gekommen. Die eine oder andere hat sogar Tränen gekostet. Da geht es dann zum Beispiel um wirklich große Themen: um uns und unsere Beziehung. Immer wieder um die Familie, zu der wir gerade fahren oder von der wir kommen. Das tut manchmal ganz schön weh, so ein klarer Blick von außen auf die eigene Herkunftsfamilie.

Wir haben uns auf diesen Fahrten vorgestellt, wie es wohl sein wird Eltern zu sein, wie viele Kinder wir wollen oder wie wir mal leben wollen. Aber es geht auch um die ganz alltäglichen Dinge: wie organisieren wir uns nächsten Montag, welche neuen Termine hast Du im Kalender?

Manchmal verschiebe ich sogar dringende Themen extra auf die nächste Fahrt. Ich weiß, dass wir dann eben ausführlich und ungestört sprechen können. Wenn es lange keine Familienbesuche mehr gegeben hat, fehlt uns etwas.

Mein Mann und ich können das gut: miteinander sprechen. Von Anfang an, und das sind inzwischen15 Jahre, haben wir Spaß daran, voneinander zu hören, was so läuft und wie es dem anderen geht. Ideen zu spinnen und sich das gemeinsame Leben auszumalen. Für mich ist das ein echtes Geschenk. Und überhaupt nicht selbstverständlich.

Die Stimmung ist immer gut, natürlich auch gespannt. Um was wird es heute gehen? Kann ich die Kritik aushalten?

Ich hab es bis jetzt immer ganz gut ausgehalten und bin nachher froh gewesen. Weil ich einen anderen Blick bekommen habe auf mich, auf meinen Mann oder Dinge, die wir besprochen haben, oder Dinge neu verstanden habe.

Nach diesen oft vier bis fünf Stunden zu zweit bin ich richtig aufgeräumt und beziehungsmäßig up to date.


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Dieser Beitrag wurde am 18.10.2018 gesendet.


Über die Autorin Johanna Vering

Johanna Vering, geboren 1982 in Ostwestfalen, ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Graz hat sie als Pastoralreferentin in verschiedenen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg gearbeitet und die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Johanna Vering lebt in Buchen (Odw.), ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontakt
johanna.vering@kirche-im-swr.de

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