Wort zum Tage, 17.10.2018

Pastoralreferentin Johanna Vering aus Buchen

Bodylove

Acht Leute, alle fast nackt. Männer und Frauen nur in schwarzer Unterwäsche – so stehen sie mitten in der Fußgängerzone. Auf ihrem Bauch steht in dicker schwarzer Schrift jeweils ein Buchstabe des Wortes Bodylove.

Bodylove. Frei übersetzt: Liebe zum eigenen Körper. So heißt das Projekt, das die Fotografin Silvana Denker ins Leben gerufen hat. Sie sucht für jedes Foto acht ganz unterschiedliche Menschen an verschiedenen Orten. Und die lassen sich eben in Unterwäsche in der Öffentlichkeit fotografieren.

Die Bilder sind genial. Frauen und Männer, egal wie jung oder alt, egal wie klein oder groß, egal ob dick oder dünn, tätowiert, braun, schwarz oder weiß - sie zeigen ihren Körper öffentlich. Genau darum geht es. Jeder Körper ist perfekt, so wie er ist. Und jede und jeder ist auf ganz eigene Art schön. Das ist der Initiatorin ganz wichtig. Sie will zeigen, dass die Bilder von Frauen und Männern, die wir sonst öffentlich präsentiert bekommen, nicht realistisch sind. Ganz wenige Menschen sehen überhaupt so aus. Silvana weiß das genau, sie arbeitet auch als Model für große Größen.

Bodylove kommt an. Silvana Denker reist inzwischen mit der Aktion durch die Welt. Frankfurt, Paris, Mailand, Kopenhagen und Düsseldorf zum Beispiel. Überall findet sie unterschiedliche Menschen, die sich gerne von ihr fotografieren lassen. Sie alle wollen sagen, dass jeder schön ist und deshalb selbstbewusst zu seinem Körper stehen kann.

Wenn Silvana Denker in den Fußgängerzonen die Fotos macht, bleiben die Leute drumherum meistens staunend stehen. Sie gucken sich das Fotoshooting und vor allem die fast nackten Fotomodelle an und gehen nachdenklich weiter. Silvana freut sich dann und sagt: „Genau das will ich erreichen. Dass die Menschen nachdenken und verstehen: wir sind alle unterschiedlich und wir sind alle schön. Wir sind auch alle schön anzusehen.“

Ich selbst bin übrigens erstmal voll reingefallen. Ich hab mich dabei erwischt, beim ersten Blick auf die Bilder zu denken: „Man, dass die sich so ablichten lässt… mutig mutig.“ Und ich bin natürlich auch gleich bei mir selbst. Das würde ich mit meinem Körper nie machen. Es dauert, bis es bei mir klick macht, bis die Grenzen in meinem Kopf aufgeweicht werden. Warum denn eigentlich nicht? Ich glaube zum einen, dass ich selbst dann ein ganz anderes Bild von meinem Körper kriege, wenn ich mich so fotografieren lasse. Ein schönes. Und es macht sicher anderen Mut, ihren fülligen Körper auch zu zeigen.

Silvana Denker hat ihr Ziel voll erreicht. Sobald ich die Bilder sehe, frage ich mich: was ist schön? Und wer legt eigentlich fest, was schön ist?

Ich gucke jetzt genauer hin. Und entdecke die Lachfalten im Gesicht, die strahlend blauen Augen oder die positive Ausstrahlung. Das Projekt führt mir so unterschiedliche schöne Frauen und Männer vor Augen. Ich hoffe, dass sich weiterhin ganz viele Menschen fotografieren lassen und zeigen: wir alle sind schön!


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Dieser Beitrag wurde am 17.10.2018 gesendet.


Über die Autorin Johanna Vering

Johanna Vering, geboren 1982 in Ostwestfalen, ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Graz hat sie als Pastoralreferentin in verschiedenen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg gearbeitet und die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Johanna Vering lebt in Buchen (Odw.), ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontakt
johanna.vering@kirche-im-swr.de

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