Wort zum Tage, 12.11.2018

Pastoralreferent Dietmar Rebmann aus München

Sorgenwurf

Ich knülle das Papier zusammen, drücke es nochmal mit aller Kraft, dass mir die Hände schon leicht wehtun. Und dann werfe ich den Papierball mit einer großen Bewegung durch mein ganzes Büro in den Papierkorb, den ich ganz hinten aufgestellt habe. Das brauche ich jedenfalls ab und zu. Und wenn ich dazu dann auch noch sowas ausrufe wie: „Jetzt reicht´s mir aber“ oder „Schluss jetzt mit dem Mist“, dann fühle ich mich irgendwie leichter. Es gibt nämlich solche Tage, an denen nichts klappt.

Alle wollen etwas von mir. Ich weiß nicht, was ich zuerst machen soll. Im Haus hämmert irgendwo ein Presslufthammer. Ich bin im Stress.

Am Nachmittag muss ich auch noch zu einem Treffen, auf das ich gut verzichten könnte. Ich nehme die Einladung zur Besprechung vom Schreibtisch, zerknülle sie und schleudere sie als Papierball in den Mülleimer. Und ich bin erstaunt, wie gut mir das tut, die ganze Last und Wut zu packen und wegzuwerfen.

Das habe ich nämlich als Anregung von einem Meditationslehrer erfahren. Wenn man nicht zur Ruhe kommt, dann soll man erst einmal eine Möglichkeit finden, Ärger und Anspannung kontrolliert loszuwerden. Eben z.B. indem man einen kleinen Papierball durch die Luft wirft. Damit man aber nicht völlig die Fassung verliert, soll man versuchen, einen Papierkorb zu treffen. Denn das gibt dann auch noch ein kleines Erfolgserlebnis.

Ich kann für diese Wurfübung sogar noch einen tieferen spirituellen Hintergrund finden. Denn es gibt da einen originellen Satz in der Bibel, der mich auffordert, meine Anspannung nicht festzuhalten. Im ersten Petrusbrief heißt es: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1 Petr 5,7). Gemeint ist da natürlich Gott. Und dem kann ich nicht nur alles vor die Füße werfen, sondern auf ihn drauf.

Für mich ist dieses Bild jedenfalls immer eine Hilfe. Und ich kann es nur weiterempfehlen: Wenn du mal wieder am Limit bist und nicht mehr weiterweißt, dann wirf deine Sorgen auf den Herrn. Wie das konkret geht? Ich hole z.B. die Papierbälle wieder aus dem Papierkorb und lege sie auf eine alte Ikone, die auf meinem Schreibtisch liegt.

Dort lasse ich sie ein paar Tage liegen mit dem Gedanken: meine Sorgen liegen auf dem Herrn und sind nicht in mir. Oder ich stelle mir beim Einschlafen vor, dass ich mit meinem ganzen Gewicht, das auch das Schwere in meinem Leben enthält, mich für die Nacht in Gottes Hände fallen lasse. Und wenn ich beim Joggen an einen ruhigen Ort komme, nehme ich manchmal einen Stein und werfe ihn so hoch in den Himmel, wie es nur irgend geht. Und dann denke ich mir: ich werfe meine Sorgen zum Himmel hinauf. Was Gott damit tut, kann mir egal sein. Das Wichtigste ist ja: Er sorgt für mich!


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Dieser Beitrag wurde am 12.11.2018 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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