Feiertag, 14.10.2018

von Harald Schwillus aus Halle/Saale

400 Jahre Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. Wenn Glaube Kriegsgrund wird

Vor wenigen Wochen, am 21. September, haben um 18:00 Uhr viele Glocken von Kirchen, Glockentürmen und Rathäusern 15 Minuten lang geläutet. Die Medien haben davon leider kaum Notiz genommen. Das ist schade. War es doch ein Geläut, das am Welttag des Friedens in diesem Jahr 2018 eine besondere Bedeutung hatte.

Unter dem Motto „Frieden sei ihr erst Geläute“ erklangen in ganz Europa im Rahmen des europäischen Jahres des kulturellen Erbes Glocken, um einerseits an das Ende des Ersten Weltkriegs im Jahre 1918 zu erinnern und um andererseits des Beginns des 30jährigen Krieges im Jahre 1618 zu gedenken. Dieser Krieg ist durch die unsägliche Gewalt im Ersten und Zweiten Weltkrieg des 20. Jahrhunderts etwas aus dem Bewusstsein entschwunden. Er war dennoch ein Krieg von vorher nie dagewesenen Ausmaßen an Opfern. Von den etwa 18 Millionen Einwohnern des Reiches verloren direkt oder indirekt etwa 6 Millionen Menschen ihr Leben. Das war ein Drittel der Bevölkerung!

Doch warum läuten die Friedensglocken aus Anlass dieses Ereignisses in der zweiten Jahreshälfte? Das passt natürlich gut zum Weltfriedenstag, der an diesem Datum begangen wird. Aber zum Ausbruch des 30jährigen Krieges? Haben wir doch in der Schule gelernt, dass dieser durch den sog. Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 ausgelöst wurde. Damals waren es protestantische Adelige, die Vertreter des katholischen Böhmischen Königs und späteren Kaisers Ferdinand aus einem Fenster der Prager Burg warfen. Sie protestierten damit gegen die verstärkten Rekatholisierungsmaßnahmen des Königs. Religion oder besser: Konfession, spielte dabei natürlich eine wichtige Rolle, zumal es um die Freiheit für deren Ausübung ging.

Ein Komet und eine biblische Deutung erhitzten 1618 die Gemüter

Dieser religiöse Konflikt wurde durchaus auch von den Menschen des 17. Jahrhunderts gesehen. Dennoch ist der Prager Fenstersturz eher ein politisch-historisches Datum. Viel aufsehenerregender war für viele Männer und Frauen des Jahres 1618 die Erscheinung eines Kometen. Dieses astronomische Ereignis wurde vielfach religiös gedeutet als die eigentliche Ursache des 30jährigen Krieges. Und der Komet war besonders Ende 1618 und Anfang 1619 auch mit bloßem Auge in Mitteleuropa zu sehen. Er versetzte die Menschen in Angst und Schrecken, da sie sein Erscheinen mit Texten aus dem Neuen Testament deuteten: mit der Apokalypse des Johannes.

Der 30jährige Krieg und seine Vorgeschichte ist auch die Geschichte der Massenmedien und ihrer Nutzung zu Propagandazwecken. Das Flugblatt war erfunden, einfach herzustellen und kostengünstig zu verbreiten. Damals wie heute transportieren vor allem Bilder die Botschaften – Text kommt zumeist eher untermalend und erläuternd hinzu. Die verführerische Macht der Bilder ist keine Erfahrung des Internetzeitalters. Bilder sprechen direkt die Emotionen an, prägen sich ein, bleiben im Gedächtnis. Und so beschäftigte sich auch eine Flut von Druckschriften mit dem Kometen des Jahres 1618. Sie erreichte und beängstigte eine unüberschaubare Menge von Menschen jener Tage. Diese schenkten den religiösen Deutungen, die mit den Kometenberichten verbunden waren, gerne Glauben. Modern gesprochen mischten sich News und Fake-News, wie dies heute nicht selten in den sozialen Netzwerken des Internets geschieht.

Verunsicherung und Angstmacherei waren schon immer geeignet, Interesse zu finden. Im 17. Jahrhundert war es auch eine Geschichte von religiöser Selbstgerechtigkeit und dem scheinbaren Besitz exklusiven religiösen Geheimwissens um das, was Gott mit den Menschen und der Welt vorhat. Und natürlich gab es auch damals Versuche, die religiösen Deutungen des Himmelsgeschehens zu prüfen und in ihrer kriegsgefährlichen Wirkung durch verantwortliche Deutung zu entschärfen. Doch damals wie heute war und ist es ein mühsames Geschäft, Religion nicht zur Begründung von Krieg und Gewalt verkommen zu lassen. Offenbar ist keine Religion – aber auch keine nichtreligiöse Weltanschauung – davor gefeit. Und das fängt schon bei verbalen Ausgrenzungen an: wenn auf deutschen Schulhöfen der Ausspruch „Du Jude!“ als Schimpfwort verwendet wird, wenn Muslime als „Messermänner“ bezeichnet oder wenn nichtmuslimische Schülerinnen und Schüler als „Schweinefleischfresser“ verunglimpft werden.

Wenn Religion Grund für die Ausgrenzung wird…

Dass Religion als Grund für Ausgrenzung und Herabsetzung herhalten muss, ist nicht neu. Und schlimmer noch: sie dient global gesehen immer noch wie in den Jahren 1618 bis 1648 als ein Kriegsgrund oder zumindest als eine scheinbare Begründung für brutales Vorgehen gehen die, die anders – oder gar nicht – glauben. Daher ist ein Wegschauen oder Weginterpretieren nicht der richtige Weg, wenn Menschen aufgrund ihrer Religion oder Weltanschauung ausgegrenzt, verfolgt oder gar ermordet werden. Dies hat unlängst Evelyn Finger in der ‚Zeit‘ sehr deutlich formuliert:

 „Bei den Religionskonflikten unserer Zeit gab es bisher ein populäres Mittel, sie als solche zu ignorieren: nämlich zu leugnen, sie hätten etwas mit Religion zu tun. Man sagte gern, ein Konflikt sei in Wahrheit politisch, allenfalls werde die Religion missbraucht. […] Es wird nicht genügen, zu sagen, jede Religion sei im Grunde friedlich. Man wird auch das Trennende der Religionen benennen müssen, wenn man sich auf das Gemeinsame einigen will.“ [1]

Wie dies gehen kann, hat das Ende des 30jährigen Krieges gezeigt. Der Westfälische Friede von 1648 hat ein Zusammenleben von Katholiken, Lutheranern und Reformierten trotz aller Schwierigkeiten im Reich möglich gemacht und ein Modell von gelebter Pluralität entwickelt: Das Trennende wird nicht geleugnet, aber das Gemeinsame rückt ins Zentrum.

Schon der Beginn des 30jährigen Krieges wurde religiös interpretiert. Und dabei ging es für viele nicht einfach nur um eine Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten. Nein: für nicht wenige Menschen jener Zeit schien mit diesen kriegerischen Auseinandersetzungen das Ende der Welt angebrochen zu sein. Es ging also ums Ganze, um den Kampf des Bösen gegen das Gute. Den Anlass für diese Interpretation boten nicht zuletzt die Erscheinungen des Kometen von 1618. Sie wurden vielfach religiös interpretiert – und das sehr häufig mit Texten aus der Johannes-Apokalypse des Neuen Testaments.

Eine vermeintliche einfache Deutung schwieriger Sachverhalte

Viele dieser Deutungen, die sich auf scheinbar exklusives, nicht mehr hinterfragbares, von Gott offenbartes Wissen bezogen, stießen auf ein breites Interesse der Öffentlichkeit; erklärten sie doch schwierige politische und religiöse Konfliktpotentiale auf einfache Weise. Gerade der Verweis auf den göttlichen Ursprung dieser Erkenntnisse war jedoch auch eine Art von Immunisierungsstrategie, die dazu diente, sie der Prüfung durch Argumente zu entziehen. Wie gefährlich dies sein konnte, war aber auch etlichen Menschen jener Zeit deutlich. Sie wussten um die Gefährlichkeit vorschneller individueller religiöser Deutungen der Situation und versuchten, dem Kriegstreiben Einhalt zu gebieten. Eine aufsehenerregende Diskussion des Jahres 1619 in Ulm zeigt dies sehr deutlich.

Was war geschehen? Johannes Faulhaber, Schulmeister, Stadtmathematiker und Festungsbauingenieur in Ulm, hatte wie viele andere den Kometen des Jahres 1618 beobachtet. Jedoch deutete er ihn nicht – wie beispielsweise sein Zeitgenosse Johannes Kepler – als außerordentliches Phänomen innerhalb der von Gott gewollten Ordnung der Natur. Nein: Faulhaber sah in dem Kometen einen direkten Hinweis Gottes auf das Ende der Welt. So, wie es im Neuen Testament in der Apokalypse des Johannes erzählt wird. Dort heißt es, dass am Ende der Zeiten ein Krieg mit kosmischen Ausmaßen stattfinden wird. Christus selbst erscheint als Reiter auf einem weißen Pferd. Er kämpft und siegt mit seinen Heeren gegen das Böse in der Welt, das als ‚das Tier‘ und ‚der falsche Prophet‘ Gestalt annimmt:

„Dann sah ich den Himmel offen und siehe, da war ein weißes Pferd und der, der auf ihm saß, heißt: Der Treue und Wahrhaftige; gerecht richtet er und führt er Krieg. […] Bekleidet war er mit einem blutgetränkten Gewand und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Die Heere des Himmels folgten ihm auf weißen Pferden; sie waren in reines, weißes Leinen gekleidet. Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert; mit ihm wird er die Völker schlagen. […]
Dann sah ich das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und seinem Heer Krieg zu führen. Aber das Tier wurde gepackt und mit ihm der falsche Prophet; er hatte vor seinen Augen Zeichen getan und dadurch alle verführt, die das Kennzeichen des Tieres angenommen hatten. Bei lebendigem Leib wurden beide in den See von brennendem Schwefel geworfen. Die Übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund des Reiters kam; und alle Vögel fraßen sich satt an ihrem Fleisch.“ (Apk 19,11-15a.19-21)

Ein großer Krieg als Beginn einer biblischen Verheißung

Den hier geschilderten Krieg sah Johannes Faulhaber in den Auseinandersetzungen des beginnenden 30jährigen Krieges verwirklicht. Mit seiner Deutung war er jedoch nicht allein. Ähnlich hatte auch der sächsische Theologe und Astronom Paul Nagel den Kometen von 1618 interpretiert. Auch er erwartete das 1000jährige Friedensreich Christi und wähnte sich am Ende der Zeiten. Eine solche Deutung war wenig geeignet, den beginnenden 30jährigen Krieg zu verhindern. Andreas Bähr hat dies in seinem Buch zum 30jährigen Krieg mit dem Titel „Der grausame Komet“ so zusammengefasst:

„Nagel […] ging davon aus, dass Christus gleich zu Beginn der irdischen Heilszeit zurückkehren würde. In der Konsequenz erschien ihm der Krieg nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Verheißung und Recht: als bellum iustum - als gerechter Krieg. Und hier wurde es gefährlich; denn welcher Christ war da nicht aufgerufen, sich zu beteiligen (hier auf protestantischer Seite) zur Verwirklichung des göttlichen Heilsplans? Seit Thomas Müntzer die Bauern in den Krieg gegen die Fürsten geführt hatte, seit bald einhundert Jahren also, war dies der Punkt, an dem bei den lutherischen Autoritäten die Alarmglocken schrillten (denn auch Müntzer war als Prophet aufgetreten). Und so brachten Nagels Kometentraktate ihrem Autor eine Vorladung vor die theologische Fakultät in Wittenberg ein.“ [2]

Der Ulmer Schulmeister Johannes Faber hatte wie viele seiner Zeitgenossen das Erscheinen des Kometen von 1618 religiös als Vorzeichen großen Unheils, ja als Vorzeichen des Endes der Welt gedeutet. Und er war sich seiner Deutung sicher; verstand er doch seine Interpretation als von Gott inspiriert. Er glaubte, einen exklusiven Zugang zu göttlichem Wissen zu besitzen. Dies alles behielt er nicht für sich, sondern setzte das Massenmedium seiner Zeit in Aktion: er ließ ein Flugblatt drucken. Dieses verband Zitate aus der Apokalypse und anderen biblischen Schriften mit Illustrationen, die die religiöse Ebene mit der Tagespolitik in Beziehung setzten. So ist auf dem Flugblatt oben links das Buch mit den sieben Siegeln zu sehen, das auf die Geheime Offenbarung des Johannes hinweist. Daneben erscheint der Name Gottes in den Wolken, unter ihm sieht man eine Darstellung des Kometen, der das drohende Unheil ankündigt. Darunter ist ein dreiköpfiger Adler und ein Löwe zu sehen. Dazu ein Zitat aus dem apokalyptischen vierten Buch Esra, einem Buch, das zwar nicht in die Bibel aufgenommen wurde, sich dennoch großer Beliebtheit erfreute. Dort ist vom Löwen von Juda die Rede, der mit seinen Kriegern den furchterregenden Vogel, der das römische Reich versinnbildlicht, vertreibt. Doch bei einer solchen eher allgemeinen religiösen Deutung bleibt Faulhaber nicht. Das macht die Art und Weise, wie Adler und Löwe auf seinem Flugblatt dargestellt sind, sehr deutlich: die Köpfe des Adlers sind mit Heiligenscheinen umgeben und konnten daher von den Betrachtern des 17. Jahrhunderts eindeutig verstanden werden: Der Adler steht jetzt für das deutsch-römische Reich und dessen katholischen Kaiser, aber auch für die römische Kirche. Beide sind als endzeitliche Feinde des ‚wahren‘ Glaubens dargestellt – des protestantischen Glaubens eben, dem auch Faulhaber angehörte. Der Löwe dagegen verweist auf den protestantischen Kurfürsten Friedrich von der Pfalz. Dieser wurde von seinen Unterstützern als zweiter Christus betrachtet wurde, der den römischen Antichrist vor dem Ende der Zeiten besiegen und die Friedensherrschaft Christi auf Erden errichten werde.

Theologen und Politiker versuchten mit Vernunft gegenzusteuern

Hier vermischt sich Prophezeiung mit einer kaum mehr verschleierten Aufforderung, diese mit allen Mitteln Wirklichkeit werden zu lassen – eben auch mit Krieg und Gewalt. Der Komet des Jahres 1618 wird in einer solchen Deutung dann unausweichlich zur religiösen Begründung von Krieg und Gewalt: und die Feindbilder sind klar! Faulhaber reiht sich damit in die Vielzahl von religiösen Schwärmern aller Konfessionen ein, die während des 30jährigen Krieges immer wieder mit scheinbar exklusivem göttlichen Wissen in die Öffentlichkeit gingen. Um diese Gefahr wussten aber Politiker und Theologen jener Zeit und versuchten, sie durch Vernunft und den Einsatz des Wortes zu bannen. Faulhaber wurde am 18. Oktober 1619 in Ulm zu einem Kolloquium vorgeladen. Dort kam es zu einer Übereinkunft und er versprach in Zukunft keine apokalyptischen Offenbarungen mehr zu verbreiten. Das half zwar nicht viel, da er sehr bald wieder damit anfing, die politisch-militärische Lage in Flugblättern mit den Schlachten der biblischen Apokalypse zu vergleichen. Schließlich konnte er durch weitere Kolloquien und Gutachten doch noch dazu bewegt werden, seine Deutungen der Johannes-Apokalypse nicht mehr weiter zu veröffentlichen.

Wenn Gott in Anspruch genommen wird als Legitimation für Gewalt…

Religiöse Deutungen von Krieg und Gewalt, die Inanspruchnahme Gottes als vermeintlichen Zeugen für persönliche Deutungen und Vorhersagen und die aus ihnen abgeleitete Legitimation für den Einsatz hasserfüllter Gewalt gegen die vermeintlichen Feinde Gottes: All das kommt noch heute vor und muss sich immer einer Überprüfung stellen. Das gilt für alle Religionen und ihre heiligen Schriften. Für das Christentum ist dies die Bibel. Dort finden sich Texte voller Gewalt und Krieg – im Alten und im Neuen Testament. Es muss daher darum gehen, genauer hinzusehen – eben mit Verstand zu deuten und nicht vorschnell unhinterfragt Bibelverse einfach nur zu zitieren. Ulrike Bechmann, Professorin für Religionswissenschaft an der Universität Graz beschäftigt sich schon lange mit der Deutung von Gewalttexten der Bibel. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Textdeutungen, die Gewalt unter Menschen – wie eben auch den Krieg – rechtfertigen wollen, indem sie auf die Bibel verweisen.

„Mit der Bibel ist leider unzählige Male Gewalt gerechtfertigt worden. Das liegt an der Haltung, mit der man Bibel liest, aber auch daran, dass die Bibel viele Gewalttexte enthält. Wer solche Texte nicht kritisch, sondern als Bestätigung und Rechtfertigung für Gewalt sucht, findet sie auch, z.B. in der Apokalyptik oder in Erzählungen, die hinter der Herausforderung der Schöpfungstheologie zurückbleiben. Von Gewalt wird erzählt, weil in der Welt so viel Gewalt ist. Unmenschliches entspricht aber nicht Gottes Plan. Die biblischen Texte sind nicht zum Nachäffen, sondern als kritisches Gegenüber geschrieben. Sie halten uns Lesenden einen Spiegel vor Augen, in dem man sehen kann, wohin Gewalt führt – und fordern heraus, sich dagegen zu entscheiden.“[3]

Religion kann helfen – beim Verstehen-Wollen!

Das heißt dann aber: es ist nötig, gegen einen menschenverachtenden Gebrauch und letztlich gegen den Missbrauch religiöser Texte anzureden. Wenn heute in öffentlichen Debatten von einem Krieg des Islam gegen das deutsche Volk gesprochen wird, ist dies der Fall; gerade so als wäre ein geheimer Schlachtplan hinter einzelnen verabscheuungswürdigen Gewalttaten auffindbar! Und die, die dies sagen, würden ihn kennen! Hier wird Religion genauso missbraucht von denen, die von ‚dem‘ Islam, ‚dem‘ Judentum, ‚dem‘ Christentum usw. sprechen, wie von denen, die im Namen welcher Religion auch immer zu Gewalt aufrufen oder sie entschuldigen.

Am 21. September dieses Jahres läuteten an vielen Orten in Europa Glocken für den Frieden. 400 Jahre nach dem Ausbruch des 30jährigen Krieges. Sie erinnern daran, dass Religion als Kriegsgrund immer falsch bleibt. Gewalt und Vernichtung im Namen Gottes steht uns Menschen nicht zu, wenn wir Gott nicht vor unseren Karren spannen wollen. Religion kann aber helfen bei der Gestaltung des friedlichen Miteinanders durch Verstehen-Wollen, Absprachen, Übereinkünfte. Der Westfälische Friede von 1618, der den 30jährigen Krieg nach langen Verhandlungen beendete, ist dafür ein Beispiel.

Gott hat das letzte Wort und sonst niemand! Und dieses letzte Wort ist – wenn man die Texte der Bibel wirklich ernst nimmt (und das gilt in anderen Religionen genauso) – für uns Menschen nicht verfügbar. Nur der Verzicht auf Gewalt im Namen Gottes steht uns zu, da Gott das Leben will – und zwar das Leben aller Menschen.


[1] Finger, Evelyn: Glaubenssache. Religionskonflikte gibt es nicht? Das Schicksal der Drusen zeigt das Gegenteil (Die Zeit, 2.8.2018) [6 Zeilen].
[2] Bähr, Andreas: Der grausame Komet. Himmelszeichen und Weltgeschehen im Dreißigjährigen Krieg, Reinbek bei Hamburg 2017, S. 50f. [14 Zeilen]
[3] Bechmann, Ulrike: „Jede Zeit braucht Kraft gegen die Gewalt“, in: Bibel heute 209 (1/2017), S. 8–10, hier: S. 9. [16 Zeilen]

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.

 

 

 


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 14.10.2018 gesendet.


Über den Autor Harald Schwillus

Harald Schwillus, geboren 1962, ist seit 2005 Professor für katholische Religionspädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Kontakt
Institut für Katholische Theologie und ihre Didaktik
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Franckeplatz 1/Haus 31
06110 Halle (Saale)
harald.schwillus@kaththeol.uni-halle.de

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche