Wort zum Tage, 10.08.2018

Klaus Böllert aus Hamburg

Messdiener

Stefan Raab war einer, Thomas Gottschalk genauso wie Matthias Opdenhövel, Jürgen von der Lippe und Horst Seehofer – und seit kurzem auch mein jüngster Sohn: Messdiener in der katholischen Kirche. Das sind die Kinder und Jugendlichen, die im Gottesdienst in eigenen Gewändern mit dem Priester einziehen, Kreuz und Kerzen tragen, den Weihrauch vorbereiten, oder die Gaben Brot und Wein zum Altar bringen.

Üblicherweise kann man als Messdiener nach der Erstkommunion starten. Die war vor einigen Wochen bei meinem Sohn. Nach einer längeren Vorbereitung hat er zum ersten Mal bei der Eucharistie, dem Abendmahl, das gewandelte Brot empfangen. Jetzt gehört er voll zur Altargemeinschaft im Gottesdienst. Und ist stolz, dass die Messdienerzeit begonnen hat.

Es geht bei den Messdienern nicht mehr darum, dass die Jungen hier den ersten Schritt auf das Priesteramt hin gehen. Das war vielleicht früher so und ist einer der Gründe dafür, dass nur Jungen Messdiener werden durften. Erst 1947 unterschied Papst Pius XII. zwischen „normalen“ Messdienern und Ministranten, die sich auf den Weg zum Priesteramt machten. Das ist schon lange nicht mehr so.

Worum es geht: Aus Sicht der Kinder auch darum, dass der Gottesdienst nicht mehr so langweilig ist, wenn man als Kind eine Aufgabe hat. Und manchmal sogar eine spannende. Gleich bei seinem ersten Einsatz in einem Schulgottesdienst durfte mein Sohn das Weihrauchfass schwingen. Das ist ja auch schön, wenn die Rituale, die Schönheit der Liturgie Freude machen. In den Messdienerstunden wird dann der tiefere Sinn erklärt.

Aber die Messdiener haben auch eine ganz wichtige Funktion: Sie vertreten die Gemeinde am Altar. Vor allem durch die Gabenbereitung: Mit Brot und Wein bringen sie symbolisch auch die Sorgen, Nöte und Hoffnungen der Gemeinde an den Altar. Die Bitte: Wie Brot und Wein gewandelt werden, so möge Gott auch Sorgen in Hoffnung wandeln, Nöte in Freude und Leid in Trost.

„Die Kirche war meine erste Showbühne“ sagt der ehemalige Messdiener Jürgen von der Lippe. Aber es ist ja nicht so, dass aus allen Messdienern Moderatoren oder Show-Stars werden. Ich weiß auch gar nicht, ob ich das meinem Sohn wünschen soll.

Mir geht es um etwas anderes: In seinem Amt als Messdiener erlebt er etwas, das ihm für sein weiteres Leben einen ordentlichen Rückenwind geben könnte: Dass vor Gott Kinder genauso wichtig sind wie Erwachsene.


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Dieser Beitrag wurde am 10.08.2018 gesendet.