Wort zum Tage, 13.06.2018

Beate Hirt aus Frankfurt

Heiliger Antonius

Der Heilige, der heute im Kalender steht, wird gelegentlich auch angerufen von Leuten, die gar nicht an Gott glauben. Antonius von Padua ist einer der beliebtesten Heiligen überhaupt. Er ist zuständig für Dinge, die verloren gegangen sind und einfach nicht mehr auftauchen wollen. Der Haustürschlüssel zum Beispiel, klassischerweise. Die ganze Wohnung und alle Taschen hat man schon durchsucht. Aber der Schlüssel bleibt verschwunden. Und in der größten Not fällt einem wieder ein, wer da vielleicht Rettung bringen könnte. Heiliger Antonius, hilf! Und tatsächlich: Plötzlich ist er wieder da, der Schlüssel. An einer Stelle, an der man vermeintlich schon hundert Mal nachgeschaut hat. Auch skeptische Menschen haben das schon erlebt. Und trauen dem heiligen Antonius doch ein wenig Wunderkräfte zu.

Mir ist er sympathisch, dieser kleine Wunderglaube im Alltag. Natürlich wird mancher auch sagen:  Ein richtiger Gottesglaube ist das aber noch nicht. Und etwas magisches Denken steckt wohl auch dahinter. Aber ich finde: Es ist grundsätzlich wunderbar, wenn man an Wunderbares glaubt. Wenn man - manchmal auch still und heimlich - damit rechnet: Da gibt es noch eine andere Kraft. Da wirkt etwas aus dem Himmel mit hinein, da kommt ein Heiliger mit ins Spiel. Das heißt ja vor allem: Es hängt nicht alles vom Menschen ab, von mir selbst, von meinem eigenen Mühen und Kämpfen. Ich mühe mich ja manchmal noch so ab und komme trotzdem nicht weiter. Ich denke: Das muss doch jetzt gelingen. Aber ich finde einfach keine Lösung. Mit meinen eigenen Kräften und Ideen komme ich nicht ans Ziel. Das kann ganz schön mühsam werden.

Dann meinen Blick zu weiten, auf eine Kraft vom Himmel her: Das hilft, finde ich. Ich trete ein bisschen Verantwortung ab. Ich erwarte nicht krampfhaft alles nur von meinem eigenen Tun. Sondern: Ich hoffe auf etwas anderes. Das entspannt mich. Ich kann loslassen, ich kann mir sagen: Jetzt soll mal ein anderer machen! Mir gibt das neue Kraft, wenn ich mit dieser anderen Kraft rechne. Und ich bin wirklich überzeugt davon: Es gibt sie, diese andere, diese göttliche Kraft. Einen Gott, der mich behütet und begleitet, in all meinen Alltagssorgen und meinem anstrengenden Suchen. Und es gibt auch diese Heilige, die sich mit Gott um mich sorgen. Wie eben dieser Heilige der verschwundenen Dinge, der heilige Antonius von Padua. Wenn ich heute etwas suche, werd ich ihn wieder um Hilfe bitten. Und auf göttliche Wunderkräfte vertrauen.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 13.06.2018 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-hr.de www.kirche-hr.de