Wort zum Tage, 11.06.2018

Beate Hirt aus Frankfurt

Lächeln hilft

Ich geb zu: Montagmorgens fällt mir das Lächeln nicht besonders leicht. Ich bin ohnehin ein Morgenmuffel. Und am Montag liegt die ganze Arbeitswoche vor mir. Jetzt im Juni ist sie besonders voll, weil bei uns demnächst die Sommerferien starten und bis dahin noch alles Mögliche fertig werden muss. Also: Lächeln ist da eher mühsam. Und trotzdem werde ich es heute wieder versuchen, gerade am Montagmorgen. Weil ich weiß: Lächeln hilft. Und das ist jetzt nicht nur ein naiver Spruch. Lächeln hilft wirklich, und zwar schon aus physischen Gründen.

Ich hab das vor kurzem beim Singen festgestellt und ehrlich gesagt auch etwas gestaunt darüber. Seit vielen Jahren nehme ich Gesangsstunden. Meine Gesangslehrerin hat immer wieder großartige Tipps für mich, wie ich die Töne noch besser treffen kann. Wie ich es hinbekomme, dass die Töne die richtige Höhe erreichen und einen guten Klang bekommen. Vor kurzem wollte mir ein Tonsprung nach oben mal wieder nicht so recht gelingen. Einige Male hab ich's probiert – es klappte einfach nicht. Und dann lautete ihr Tipp: Probier es mit einem Lächeln! Und tatsächlich: Mit einem Lächeln im Gesicht ging der Sprung nach oben plötzlich ganz leicht. Und die Stimme wurde runder und klangvoller. Es hat wohl damit zu tun, dass beim Lächeln bestimmte Resonanzräume aktiviert werden. Ich verändere eine Äußerlichkeit – und im Innern ändert sich auch ganz viel. In meinem Körper passiert etwas beim Lächeln, was meiner Stimme gut tut.

Und meiner Stimmung irgendwie auch. Natürlich musste ich erst recht lächeln, als die Töne plötzlich besser kamen. Meine Stimmung stieg. Und ich hab gemerkt: Lächeln ist nicht nur ein Mittel, um gute Stimmung auszudrücken. Lächeln ist auch ein Mittel, um gute Stimme und Stimmung zu erzeugen. Ich ziehe die Mundwinkel hoch, einfach nur als kleine Körperübung, noch ohne besonders gute Laune  und meine Stimme und meine Stimmung heben sich.

Ich mache das jetzt auch manchmal jenseits der Gesangsstunde. Einfach, wenn ich denke: du könntest ein bisschen bessere Stimmung gebrauchen. Dann ziehe ich die Mundwinkel hoch – auch, wenn es mir immer ein bisschen seltsam vorkommt, so künstlich zu lächeln. Aber meistens wird aus dem aufgesetzten Lächeln dann schnell ein richtiges. Und so ein Lächeln, das hilft nicht nur im Singen, die richtigen Töne zu treffen. Lächeln und gute Stimmung: Die helfen mir auch, wenn es darum geht, im Gespräch mit anderen den richtigen Ton zu treffen. Freundlich zu reden, dem anderen zuzuhören; Das wird leichter, wenn ich nicht missmutig oder angestrengt in ein Gespräch hineingehe – sondern mit einem Lächeln.

Also: Ich werde es auch heute morgen wieder mit einem Lächeln versuchen. Das wird mich nicht zu einer Liebhaberin des Montagmorgens machen. Aber es hilft mir vielleicht doch, mit besserer Stimmung in die Woche zu starten.


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Dieser Beitrag wurde am 11.06.2018 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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