Feiertag, 13.05.2018

von Andrea Wilke aus Erfurt

Die traditionelle Männerwallfahrt zum Klüschen Hagis „Wir sind keine Schön-Wetter-Christen!“

Das katholische Eichsfeld – die Region im nordwestlichen Thüringen – ist reich an Wallfahrten. Eine sticht besonders hervor: die Männerwallfahrt an Christi Himmelfahrt. Sie hat eine lange Tradition und gerade zur Zeit der DDR eine besondere Bedeutung. Dass ihre Teilnehmerzahl bis heute immer außergewöhnlich hoch geblieben ist, hat vor allem einen Grund: die Predigt des Bischofs.

Jedes Jahr, und zwar immer am Fest Christi Himmelfahrt, kommen Tausende Männer dazu im Klüschen Hagis zusammen. Das Klüschen Hagis ist einer von vielen Wallfahrtsorten, die es im thüringischen Eichsfeld gibt.  Beim Klüschen handelt es sich um eine Kirche, die einst inmitten eines Dorfes stand. Im ausgehenden Mittelalter verfiel das Dorf seine Bewohner zogen fort und siedelten sich anderswo an. Doch das Gotteshaus blieb bestehen.  Immer wieder pilgerten an bestimmten Tagen Menschen zu diesem verlassenen Ort, um dort zu beten. Mittelpunkt am Klüschen  ist die Pietà – eine Skulptur, die die Gottesmutter Maria zeigt, wie sie den vom Kreuz abgenommenen toten Jesus in ihren Armen hält.

Die Pietà am Klüschen bietet Stoff für verschiedene Legenden; doch woher die Figur stammt, ist nicht bekannt. Bis heute wird sie als sogenanntes Gnadenbild verehrt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich Wallfahrten dorthin. Die jüngste von ihnen ist die sogenannte Männerwallfahrt. Sie nahm ihren Anfang an Christi Himmelfahrt vor 61 Jahren. Das war 1957. Zu diesem Zeitpunkt bestand die ehemalige DDR knapp acht Jahre. Die Zeit war geprägt von einem zu-nehmend kirchenfeindlicheren Agieren der Staatsführung. Nicht nur die Kirche als Ganze war von Repressalien betroffen; auch der einzelne Christ wurde mehr und mehr mit der dezidiert atheistischen Weltanschauung persönlich konfrontiert. Die Vereinnahmung durch den Staat reichte bis in die Privatsphäre. Und das führte zu Konflikten. Auf diesem Hintergrund wurde die Idee einer Männerwallfahrt geboren. Zudem bot eine Wallfahrt den Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten des deutschen Reiches die Möglichkeit, sich in größerer Anzahl zu treffen, und somit das Koalitionsverbot der DDR-Führung zu umgehen. Mit dem Klüschen Hagis war der ideale Ort für die geplante Männerwallfahrt schnell gefunden.

Schon zur ersten Wallfahrt 1957 kamen zum Erstaunen aller 10.000 Männer

Eine Gruppe engagierter Laien und einige Priester hatten die erste Wallfahrt an Christi Himmelfahrt 1957 initiiert und organisiert. Ihrer Einladung folgte nicht nur der Erfurter Weihbischof Joseph Freusberg, sondern zum Erstaunen der Organisatoren ca. 10 000 Männer, die mehrheitlich aus dem katholischen Eichsfeld kamen.

Als die Männerwallfahrt 1996 vierzig Jahre alt wird, findet sich in der eigens dazu erstellten Festschrift der Beitrag eines Zeitzeugen aus den Anfangsjahren:

„Die Entscheidung, die Männerwallfahrt auf das Fest Christi Himmelfahrt zu le-gen, ist mir immer etwas waghalsig erschienen. Gewiss, man kann über jeden Termin diskutieren, und zwischen Ostern und Juli drängen sich sowieso die Feste, Wallfahrten und Prozessionen. Der Männertag war üblich, die Männer waren an diesem Tag unterwegs, aber den Vormittag voll für eine Wallfahrt zu opfern – war das nicht doch eine Zumutung selbst in einer katholisch geprägten Gegend? Es war keine Zumutung, es war ein Volltreffer. Wer um die zögerliche Aufnahme der Neuerungen in unserem Gebiet weiß, staunt auch weiterhin. Die zweite Wallfahrt wurde von Regengüssen ertränkt – aber alle meinten: Nun ist das Kind getauft, nun kann es weiter wachsen und sich entfalten.“

Und wie es wuchs und sich entfaltete: Die Teilnehmerzahlen stiegen in der Anfangszeit von Jahr zu Jahr. Schon bei den darauffolgenden Wallfahrten kamen viele aus der Diaspora, also aus Städten und Orten außerhalb des katholischen Eichsfeldes und sogar aus anderen Bistümern und Jurisdiktionsgebieten. Besondere Wertschätzung erfuhr die Männerwallfahrt auch dadurch, dass etwa Julius Kardinal Döpfner  - damals Bischof von Berlin -  1959 ein Grußwort sandte. Zehn Jahre nach der ersten Wallfahrt, 1967, nahm  Döpfners Nachfolger,  Alfred Kardinal Bengsch, sogar an der Wallfahrt teil.

Männer mal unter sich – das fanden viele Teilnehmer gut

Wie läuft so eine Männerwallfahrt eigentlich ab? Rückblickend kann man feststellen, dass sich der Ablauf  von der ersten Männerwallfahrt bis zur heutigen kaum geändert hat. Die Wallfahrt  beginnt genau genommen schon mit der Anfahrt oder, was für viele Teilnehmer zutraf, mit dem Anmarsch. Es ist auch heute noch ein beeindruckendes Bild, die vielen Männer von den weiter weg gelegenen und eigens für diesen Tag provisorisch eingerichteten Parkplätzen zum Klüschen pilgern zu sehen. Mehrere Generationen gehen dort gemeinsam, die einen leichten Fußes, anderen sieht man die Beschwerlichkeit des Weges an. Von Anfang an waren nicht ausschließlich Männer unterwegs. Ohnehin hätte man die wenigen Frauen nicht vertrieben, doch in der damals üblichen Standesseelsorge gab es unterschieden nach Alter und Geschlecht festgelegte Bereiche. Männer mal unter sich – das fanden viele Teilnehmer gut. Dass man sie bei ihrer Ehre packt, bei ihrem Mann-Sein und ihrem Vatersein, dass man mit ihnen einen Gottesdienst feiert, wo eben ihre Situation in besonderer Weise zum Ausdruck kommt.

Wenn die Wallfahrer dann am Klüschen angekommen sind, versammeln sie sich auf dem Hang, der unmittelbar vor der Kirche liegt und an den Wald angrenzt. Das ergibt ein so bemerkenswert ungewohntes Bild, dass man scherzhaft meinen könnte, den Wald vor lauter Menschen nicht mehr zu sehen. Der Chor hat sich dann schon eingesungen und die Bläser haben geprobt – alles zur Ehre Gottes. Gemeinsam wird dann mit dem Bischof Gottesdienst gefeiert. Eine Männerwall-fahrt ohne den Bischof – undenkbar. Es folgt eine kleine Picknickpause. Zeit für ein Gespräch mit diesem und jenem, den man schon lange nicht mehr gesehen hat, und Zeit, das mitgebrachte Essen zu verzehren. Eine Feier- oder auch An-dachtsstunde, beschließt die Wallfahrt um die Mittagszeit. Inzwischen haben sich dann schon Weihrauchduft vom Gottesdienst und Rauchschwaden der Bratwurstgrills vermengt, die in unmittelbarer Nähe des Klüschens, etwas unter-halb der Kirche stehen. Und so kommt ganz unbeabsichtigt zum Ausdruck, wo Kirche ihren Platz hat: mitten in der Welt.

Zur DDR-Zeit war die Teilnehmerzahl höher

Bis heute kann die Männerwallfahrt als die zahlenmäßig größte Wallfahrt im Bistum Erfurt gelten. Mit 10.000 Teilnehmern begann ihre Geschichte; teilweise kamen sogar bis an die 20.000 Wallfahrer zusammen. Die Söhne von damals, die von ihren Vätern zur Männerwallfahrt mitgenommen wurden, bringen heute oftmals selbst als Väter oder sogar Großväter ihre Söhne und Enkel mit. Auch wenn die heutigen Teilnehmerzahlen im Gegensatz zu denen in der DDR-Zeit geringer geworden sind, so hat die Männerwallfahrt doch für sehr viele, auch für Nichteichsfelder, einen festen Platz im Kalender. Auch in dem des Bischofs.

Worin liegt die Anziehungskraft dieser Wallfahrt?  Ein Grund mag in ihrer Beständigkeit liegen. Der Ablauf ist seit den Anfängen der gleiche geblieben. Wenige Veränderungen brachten Neues, aber eben nicht zu viel - diese Beständigkeit scheint auch den heutigen Wallfahrern eine verlässliche Größe zu sein, nach der sich viele Zeitgenossen, vielleicht auch ganz unbewusst, sehnen. Eine Zäsur bedeutete 1968 der Beschluss der DDR-Staatsführung, einige Feiertage als arbeitsfreie Tage abzuschaffen. Darunter fiel auch das Fest Christi Himmelfahrt. Und so wurde die Männerwallfahrt auf den Sonntag nach Himmelfahrt verlegt. Erst seit 1990 ziehen die Wallfahrer wieder am Himmelfahrtstag zum Klüschen.

Der Ort, an dem die Bischöfe deutliche Worte wählten

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit der Männerwallfahrt sind die Predigten der Bischöfe. Die Männerwallfahrt etablierte sich sehr schnell zur Kanzel, von der die Bischöfe deutliche Worte sprachen. Und zwar nicht nur zu den Wallfahrern, sondern in die Öffentlichkeit hinein. Wegweisende Worte für das Leben als Christ in der DDR vom Evangelium Jesu Christi her sowie die Klarstellung und Abwehr von Angriffen auf Kirche und Christentum waren an diesem Tag zu hören. Die Predigten ermutigten und stärkten die Gläubigen in konkreten Alltagssituationen, die klar benannt wurden. Vor der Wallfahrt fragte man untereinander: „Was wird der Bischof wohl dieses Jahr predigen?“ Auch Tage nach der Wallfahrt waren diese Predigten noch Gesprächsstoff, und wer selbst nicht an der Wallfahrt teilnehmen konnte, fragte nach: "Was hat der Bischof gepredigt?"

Oft waren die Predigten sehr bildreich, wenn etwa Weihbischof Freusberg seine - wie er sie nannte - "lieben katholischen Männer" zu einem kernigen, tief religiösen Leben in der Familie aufrief. Der immer stärker vom Staat verordnete Atheismus machte diesem Bischof die größten Sorgen.

„Wenn Eure Kinder aus der Schule nach Hause kommen und haben Eurer christlichen Weltanschauung widersprechende Lehren gehört, dann stellt das aus dem Wissen Eurer Glaubenshaltung richtig. Wenn in Schulungen Euren heranwach-senden Jungen und Mädchen eingehämmert wird: es gibt keinen Gott!, und sie dann auf der Gottlosigkeit ihr Leben aufbauen sollen: Meine lieben Männer, wollt Ihr das?

Wir wollen doch Frieden und gegenseitiges Verständnis und keinen Kulturkampf... Wir wollen treu zu Christus und seiner Sache stehen! Wir wollen als verantwortungsbewusste Männer gewissenhaft und treu in unserem Berufe stehen. Weder Mutlosigkeit noch Verärgerung, noch Erschlaffung soll in uns aufkommen. Im Gegenteil, durch größte Berufstreue und Einsatzbereitschaft er-kämpft Euch die Hochachtung und Anerkennung Eurer Arbeitskollegen und Eurer Vorgesetzten. Nichts soll uns in unserer klaren Glaubensüberzeugung irre machen. Ein jeder ist heute vor die Entscheidung gestellt: Atheistischer Materialismus – oder christlicher Glaube. Ihr steht vor der Entscheidung. Nicht nur heute, sondern auch in Eurem Alltag. Nehmt die Folgen Eurer Entscheidung mannhaft auf Euch.“

Wir haben uns diese Zeit nicht ausgesucht – sie ist uns aufgegeben

Die Bischöfe, die bei den Wallfahrten zum Klüschen Hagis predigten, wussten um die Schwierigkeiten und Repressalien, denen die Gläubigen und deren Kinder oft ausgesetzt waren. Gerade deshalb waren markante Predigtworte wichtig und stärkten die Hörer.

Der Nachfolger des schon zitierten Weihbischof Freusberg, Bischof Hugo Aufderbeck, war nicht weniger klar in seinen Worten. Der gebürtige Sauerländer akzentuierte aber anders. Seine Haltung zu dem Land und den Menschen in der DDR drückte er mit einem Bibelwort aus, nämlich aus dem Psalm 16, in dem es heißt: „Auf dieses herrliche Land ist mein Los gefallen".  Mit einem klaren Blick für die gesellschaftliche Situation forderte er seine Zuhörer auf, die Situation anzunehmen und im Sinne Jesu zu verändern. Wortgewaltig und bildreich sagte er ihnen:

„Wir haben uns diese Zeit nicht ausgesucht. Sie ist uns aufgegeben. Wenn wir an dieser Zeit vorbeileben, werden wir bedeutungslos; wenn wir von vornherein Nein sagen, werden wir sauer; wenn wir uns unbesehen mit ihr identifizieren, werden wir untergebuttert. Wer seine Situation nicht annimmt, der hat – wie man heute sagt – Unbehagen; er schweigt oder brummt, wird ungemütlich und ungenießbar.“ 

Doch Aufderbeck mahnte auch ein kritisches Hinterfragen der alltäglichen Situation an:

„Nehmen wir unkritisch, ungefiltert alles auf  in Herz und Geist, nur weil man nicht für unmodern gelten möchte? Wer alle angebotenen Waren unkritisch in sich aufnimmt, hat bald das Rattenpulver neben der Schlagsahne liegen. Es können nicht alle Gegen-Sätze in einem Menschen koexistieren.“

Mit einem Appell an den persönlichen Einsatz eines jeden fügt er an:

„Entscheidend für die Kirche und Gesellschaft hierzulande ist nicht die Kurienreform, auch nicht die Liturgiereform oder die Bodenreform – entscheidend ist, was an der Basis geschieht – was tust du in der Familie – in der Gemeinde – in deinem Dorf – in deinem Betrieb.“ 

Auch das in den 1960er Jahren stattfindende Zweite Vatikanische Konzil wurde in verschiedenen Predigten thematisiert, vor allem, wenn es um die Bedeutung der Kirche in der Welt ging. Gerade das war den Bischöfen in der DDR als Botschaft für die unterdrückten Christen wichtig: Der Glaube durfte nicht, wie vom Regime gewollt, zurückgedrängt nur in den Kirchenräumen vorkommen.

„Mit großer Deutlichkeit und Eindringlichkeit hat das Konzil ausgesprochen, dass die Kirche nicht für sich da ist, sondern für die Welt. Dass sie nicht in abgesonderten Räumen vegetiert, sondern mitten in der Welt wirken muss. Kirche ist also nicht nur dort, wo der Kirchturm steht, wo der Pfarrer wohnt, wo es nach Weihrauch riecht. Kirche muss auch dort sein, wo die Schlote rauchen, die Maschinen laufen und wo es nach Kohle, Kartoffeln und Zigaretten riecht.“

Konflikte mit der DDR-Führung wurden hier öffentlich

Immer wieder wurden bei den Wallfahrten zum Klüschen Hagis auch ideologisch bedingte Konfliktfelder zwischen der DDR-Führung und der Kirche öffentlich gemacht, wie etwa die Jugendweihe oder die Einführung des Faches Wehrerziehung an den Schulen.

Auch unter Bischof Joachim Wanke als Nachfolger von Hugo Aufderbeck verloren die Predigten nicht an Brisanz. Wanke, der bis zu seiner Bischofsernennung Professor für Exegese des Neuen Testaments war, brachte so neue pastorale Schwerpunkte in die Katholische Kirche in Thüringen ein. Dies schlug sich auch in seinen Predigten bei den Männerwallfahrten nieder. Er ist der erste Bischof, der zwar in Breslau geboren wurde, doch aufgrund der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg in Thüringen, also in der DDR aufwuchs. Auf diesem Hintergrund ist seine erste Ansprache an den gesamten Klerus im Erfurter Bereich zu verstehen. Das war im Jahr 1981:

„Ich betrachte mich, stärker als es bei Bischof Hugo der Fall sein konnte, meiner gesellschaftlichen Umwelt, also dem konkreten hier und heute zugehörig und verpflichtet. Bischof Hugo konnte sagen: ‚Auf dieses herrliche Land ist mein Los gefallen‘, und wir alle haben es ihm, als dem heimatverbundenen Sauerländer abgekauft. Ich kann nur sagen: Dieses Land ist nicht mein Los, sondern es ist meine Heimat. In diesem gesellschaftlichen Umfeld habe ich meine geistige und religiöse Entwicklung erfahren. Und ich spreche sicherlich auch im Namen der nachwachsenden Mitbrüder:  Wir wollen auch hierher gehören, nicht, weil wir nicht anders können, sondern weil wir um dieses Landes willen, um seiner Menschen willen einen Weg suchen wollen, um das Evangelium Jesu Christi auf ‚mitteldeutsch‘ zu buchstabieren. Ich bin der Meinung, dass diese Aufgabe noch nicht gelöst ist! Ob wir es schaffen werden, steht in Gottes Hand. Doch es gibt keine dringlichere Aufgabe als diese.“

In seinen Predigten an die Teilnehmer der Männerwallfahrt, wie in seinen Predigten überhaupt, nahm Wanke seine Zuhörer in die Verantwortung. Hoch theologisch und doch für jedermann verständlich waren seine Worte oftmals ein Spiegel, den er nicht nur der Gesellschaft, sondern auch dem einzelnen Christen vorhielt.

„…der soll am Sonntag beim Glaubensbekenntnis den Mund halten“

Bei aller Hochschätzung, die er den Wallfahrern und deren Glaubenszeugnis entgegenbrachte, so redete er im wahrsten Sinne des Wortes mit ihnen aber auch Tacheles. Doch seine Appelle waren immer vom Evangelium Jesu Christi, von der christlichen Botschaft her, geprägt.

„Eine Kirche und Christen, die nicht bereit sind, Opfer und Verzicht um Christi willen auf sich zu nehmen, haben keine Lebenskraft in sich. Ein Christ, der nicht mehr bereit ist, Opfer zu bringen, für den Herrn einzustehen, auch wenn es etwas kostet, der sollte lieber am Sonntag beim Glaubensbekenntnis den Mund halten.“

Klare und kritische Worte! Doch die Männerwallfahrt zeichnet sich gerade dadurch aus, dass ihre Teilnehmer gerade das erwarten. Genauso aber auch Worte der Stärkung für ihren Alltag –um angesichts der permanent versuchten ideologischen Einflussnahme auf das persönliche Leben und der angedrohten Repressalien zur Zeit der DDR nicht zu resignieren.

„Eine bedrängte Kirche ist zu allen Zeiten eine lebendige Kirche gewesen. Die Alte Kirche hat gewagt, für Bedrängnisse und Verfolgungen zu danken! Ich glaube, dass es der Herr letztlich mit der Kirche in der DDR gut meint, denn er sorgt dafür, dass wir nicht einschlafen. Lasst euch durch die Herausforderungen unserer Zeit lebendig machen!“ 

Der Hauptfeind ist die Beliebigkeit, nicht das kirchenfeindliche System

Auch nach dem Mauerfall 1989 und der sogenannten Wende hat die traditionelle Männerwallfahrt ins Klüschen Hagis von ihrer Anziehungskraft nichts verloren. Die Herausforderungen, als Christ in der Welt zu bestehen, sind andere geworden und im Kern doch die gleichen geblieben. So hat das, was Bischof Wanke den Wallfahrern, die sich am Klüschen am Himmelfahrtstag versammelt hatten, vor 30 Jahren zurief, an Aktualität nichts verloren:

„Zeigt den Reichtum der Liebe Gottes, den ihr habt! Zeigt, dass euer Gottvertrauen alle Angst und Menschenfurcht besiegen kann, dass eure christliche Hoffnung stärker ist als alle Resignation und Verdrossenheit.
Den Glauben bedrohen weniger atheistische Weltanschauungen oder kirchenfeindliche Gesellschaftssysteme. Der Hauptfeind des Glaubens ist – die Beliebigkeit.“


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Dieser Beitrag wurde am 13.05.2018 gesendet.


Über die Autorin Andrea Wilke

Andrea Wilke wurde 1964 in Potsdam-Babelsberg geboren. 1989 - 1995 studierte sie Katholische Theologie in Erfurt und war danach bis 2002 tätig in der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte an der Universität Erfurt. Sie ist Onlineredakteurin für die Homepage des Bistums und Rundfunkbeauftragte für den MDR im Bistum Erfurt. Kontakt
Bischöfliches Ordinariat
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