Wort zum Tage, 20.04.2018

Andreas Brauns aus Schellerten

Wie groß ist dein Gott?

„Hast du eine Beziehung mit Gott, oder hast du nur eine Religion?“ Kennst du Gott, oder weißt du nur viel über ihn?“ Mit Fragen dieser Art irritiert der katholische Priester Paul Coutinho seine Zuhörerinnen und Zuhörer. Coutinho ist ein international anerkannter Lehrer für Ignatianische Spiritualität. Was ihn von anderen unterscheidet ist seine Art und Weise, mit fernöstlichem Denken der westlichen Spiritualität neue Tiefe zu verleihen.

In seinem Buch „Wie groß ist dein Gott?“ schreibt er: „Meine Beziehung zu Gott war voll von Schuld und Angst. Als ich heranwuchs, war Religion nichts Gesundes oder Gutes. Der Gott, an den ich glaubte, war ein strafender Gott. Die Erfahrung mit ihm begann sich zu verändern, als ich in der 8. Klasse war, und meine Familie aus einem katholischen Ghetto in eine indische Umgebung zog.“

Die Begegnung mit dem Hinduismus hat Paul Coutinho verändert. Nur westlich geprägte Religion ist für ihn viel zu eng, um das Geheimnis Gott zu fassen. Noch heute ist er dankbar dafür, dass Gelehrte anderer Religionen seine beschränkte Sicht auf Gott aufgebrochen haben. Denn Coutinho ist überzeugt: Gott lässt sich in kein Gedankengebäude sperren. Ein mutiger Glaube verlangt einen Gott, der größer ist als es Lehrsätze über Gott sein können. Und so fragt er bei seinen Vorträgen immer wieder:       

„Wie groß ist dein Gott? Ist er gewachsen, seitdem du ein Kind warst? Ist deine Beziehung zu Gott tiefer geworden durch dein Leben? Wie groß ist dein Gott?“

Paul Coutinho geht es um eine lebendige Gottes-Beziehung. In der es Ängste gibt, Dunkelheiten und Licht. Eine Beziehung, die sich verändert, die nicht festgeschrieben ist durch Lehrsätze, die zwar äußere Sicherheit geben mögen, aber es möglicherweise auch erschweren, neue Erfahrungen mit Gott zu machen.

Die Evangelien sind voll von solchen Erfahrungen. Da gibt es die Erfahrung, dass Gott wie ein barmherziger Vater ist, der ein Fest gibt für seinen verlorenen Sohn, der zurückgekehrt ist.

Für Coutinho ein wunderbares Bild für einen großen Gott, der darauf wartet, dass Menschen, die in ihrem Leben vom Weg abgekommen sind, umkehren, zu ihm zurück, damit er sie stolz vorzeigen kann. Ist das nicht wundervoll? Gott wartet darauf, dass wir auftauchen, damit er angeben kann. Wie groß, wie wohlwollend. Er ist der Vater vom verlorenen Sohn. Als der Sohn nach Hause kam, war das für den Vater eine Gelegenheit zu zeigen: Mein Kind, ich liebe dich!

Was für ein Gott!


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 20.04.2018 gesendet.


Über den Autor Andreas Brauns

Andreas Brauns wurde 1962 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau absolvierte er seinen Zivildienst in Hannover. Während dieser Zeit gab es erste Kontakte zur kirchlichen Rundfunkarbeit. Seit 1995 arbeitet er als Redakteur im „Katholischen Rundfunkreferat für den NDR“. Zudem arbeitet er seit einigen Jahren auch als Beauftragter für Funk- und Fernsehen im Bistum Hildesheim. Ein Wort des Apostels Paulus im Römerbrief begleitete ihn seit dem Studium: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“

Kontakt
andreas.brauns@bistum-hildesheim.de


Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche