6. Sonntag der Osterzeit, 06.05.2018

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche St. Elisabeth in Osnabrück


Predigt von Pfarrer Christoph Baumgart

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Bibel ist ein sehr altes Buch! Aber sie enthält Erfahrungen. Erfahrungen von Menschen wie wir! Und diese Erfahrungen haben es in sich.

In der heutigen ersten Lesung macht der Apostel Petrus eine Erfahrung. Er geht zu einem fremden Menschen, er als frommer Jude und erster Jünger Jesu, er als Sprecher der Apostel geht zu einem Soldaten der Besatzungsmacht, zum römischen Hauptmann Cornelius. Als er das Haus betritt, macht er die entscheidende Erfahrung: Gottes Geist ist auch hier! In der Apostelgeschichte heißt es:

44Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. … 47Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? 48Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen.

Diese Erfahrung ist doch sehr interessant. Gottes Heiliger Geist arbeitet in Menschen, die noch nicht getauft sind. Petrus ist so überrascht, dass er anordnet, tauft sie, denn der Heilige Geist ist doch schon da!

Diese Erfahrung leitet mich in der Begegnung mit Menschen, da ich genau das schon oft erlebt habe. Gottes Heiliger Geist ist so weit und offen, dass er manches Mal sogar stärker in Menschen arbeitet, die noch nicht offiziell in der Kirche sind:

Da war die Studentin Kati, die mich fragte:

„Kann ich getauft werden? Ich habe irgendwann angefangen, zu Gott Du zu sagen. Kann es sein, dass ich schon seinen Geist habe, es fühlt sich so an…“

Mit der heutigen Lesung muss man sagen: Ja, das kann sein, Gott ist schon da!

Oder zwei Schülerinnen, die sonntagmorgens Langeweile hatten und dem Klang unser Glocken gefolgt sind. Drei Jahre lang sitzen sie hinten in der Kirche und verstehen eigentlich nicht, was passiert. Dann aber fragen sie mich mal direkt:

„Wir wissen nicht, wann man aufstehen muss und was man sagen soll in so einer Messe. Können Sie uns das mal erklären?“

Und am Ende stand die Taufe in der Osternacht.

Ja es kann sein, Gott ist schon da und arbeitet in zwei ungetauften Mädchen, die hinten in der Kirche sitzen.

Oder der 55 jährige Architekt: Seine beiden Söhne sind Messdiener. Wenn die dran sind, kommt er mit. Fast zehn Jahre lang! Zehn Jahre sitzt er hinten in der Kirche und hört zu. Am Ende kommen wir ins Gespräch:

„Sagen sie mal“, meinte er, „die Werte die sie hier leben, das ist was Besonderes. Könnte ich auch noch getauft werden, denn nun denke ich, Jesus ist mehr als ein Prophet oder ein Gelehrter.“

Liebe Schwestern und Brüder! Die Kirche ist kein Verein! Wir dürfen Platzhalter für Gottes Geist sein. Eine Erfahrung des Heiligen Geistes weitergeben gerade an die, die sich fern fühlen, es aber nicht sind. Seien wir gemeinsam offen für das Wirken des Heiligen Geistes.

Petrus hat die Offenheit gehabt für das Wirken des Heiligen Geistes. Seien auch wir in der kommenden Woche bis Pfingsten – und zu jeder Zeit - offen für diese Erfahrung.

Entdeckungsreise ist angesagt. Wir dürfen offen sein, ohne dabei unsere eigene Erfahrung mit Gott, mit Vater, Sohn und Geist zu verlieren. Denn Jesus betet auch für uns: „Bewahre sie in deinem Namen. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.“

Amen.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 06.05.2018 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Christoph Baumgart

Pfarrer Christoph Baumgart, geb. 1964, studierte in Münster und Tübingen und machte zunächst ein Jahrespraktikum in der Krankenhausseelsorge Lingen, bevor er 1992 die Priesterweihe empfing. Nach der Kaplanszeit in Papenburg ging es ein Jahr zu einem Kurs in der Spiritualität der Fokolare nach Loppiano/Florenz. Von 1997-1998 war Christoph Baumgart geistlicher Rektor der Landvolkhochschule Oesede und Diözesanpräses der Katholischen Landjugendbewegung. 1999 wurde er Pfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde und Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche in Osnabrück. Seit 2006 ist er Pfarrer von St. Elisabeth, St. Wiho in Osnabrück und von St. Josef-Hasbergen.