Morgenandacht, 22.05.2018

von Joachim Opahle aus Berlin

Royale Traumhochzeit oder: Der Geist der Liebe

Am Wochenende war Pfingsten. Viele wissen gar nicht, was da eigentlich gefeiert wird. Auch Christen haben bisweilen Probleme, dieses Kirchenfest zu erklären. Ein Blick ins Lexikon hilft: Pfingsten, so heißt es da, ist ein christliches Fest, das 50 Tage nach Ostern begangen wird. Gefeiert wird „die Entsendung des Heiligen Geistes“ – und – so steht weiter im Lexikon - es sei ein „Mysterium“.

Mysterium klingt jedenfalls interessant. Wenn etwas geheimnisvoll ist, dann ist es schon deshalb bedeutsam, weil nicht für jedermann schon offenkundig. Dazu kommt, dass der Geist etwas Flüchtiges an sich hat; nicht herstellbar und nicht beherrschbar, sondern irgendwie spontan. Nicht umsonst heißt es ja Geistesblitz. Und der Geist zeigt sich nicht nur plötzlich und unerwartet, sondern er hält sich auch nicht unbedingt an die Regeln, er wirkt bisweilen sogar subversiv, aufständisch, zumindest unberechenbar. Denn, so steht es ja ausdrücklich im Evangelium: „er weht wo er will“.

Mir ist der Pfingstgeist begegnet, am vergangenen Samstag, im Fernsehen. Bei der Hochzeit von Prinz Harry und seiner Braut Meghan. Fast vier Stunden hat das Fernsehen übertragen. Jeden Schritt, jede Bewegung, jede kleinste Gefühlsregung wurde weltweit dokumentiert. Millionen sahen zu und haben sich an den Bildern dieser Traumhochzeit erfreut.

Ich habe mich gefragt, was wohl die Millionen Zuschauer an dieser besonderen königlichen Romanze so fasziniert? Warum sind überhaupt so viele Menschen am Leben der Royals interessiert?

Ich glaube, es liegt daran, dass wir alle mehr oder weniger etwas suchen, was in der Traumhochzeit zum Ausdruck kommt: das heile Leben – ein Leben wie im Märchen. Also ein Leben, das gelingt; eines mit Happy End; jenseits von Schmerz und Misstrauen, Eifersucht und Gewalt. Die Angehörigen des Adels verkörpern bis heute für viele dieses ideale Dasein. Fast möchte ich sagen: Eine Art Gottesgnadentum leuchtet darin auf. Herrscher in früheren Zeiten wussten damit ihren Sonderstatus zu begründen. So als wären sie eine Sonderklasse der Gattung Mensch: moralisch hochstehend, stets am Guten und Schönen interessiert, ohne die Sorgen um Geld und Broterwerb, um Heimat und Geborgenheit.

So ein Leben – wie es uns hier im Fernsehen so bunt und leuchtend präsentiert wird -  hätten wir auch gerne. Und im Prinzip tun wir auch vieles dafür, damit es Wirklichkeit wird. Wir verlieben uns und versprechen uns Aufmerksamkeit und Treue – sogar ein ganzes Leben lang, nicht nur in guten Tagen, sondern auch in schwierigen Zeiten. Wir schenken Kindern das Leben und wünschen nichts sehnlicher, als dass sie glücklich werden. Und wenn wir selbst alt und gebrechlich sind, dann wollen wir uns darauf verlassen können, dass andere, Angehörige oder mitfühlende Pflegerinnen und Pfleger, uns in Obhut nehmen.

Zugleich wissen wir, dass dieses „heile Leben“ viel zu oft nur ein Wunschtraum bleibt. Denn die Realität holt uns ja jeden Tag aufs Neue ein. Es gibt eben auch Hass und Neid und Eifersucht. Beziehungen sind manchmal so zerstört, dass es besser ist, wenn die Betroffenen auseinandergehen.

Deswegen ist es gut, sich an Pfingsten daran zu erinnern, was da eigentlich gefeiert wird. Es geht nämlich darum, dass der Geist Gottes im Leben spürbar wird, dass er Wirkung entfaltet. Der Apostel Paulus hat sich in seinen Briefen des Öfteren damit befasst: „Über die Geisteswirkungen aber will ich euch nicht in Unwissenheit lassen….“ (1 Kor 12, 1) schreibt er an die Gemeinde in Korinth. Und dann folgen einige Bemerkungen über die Liebe, die zu den schönsten Texten des Neuen Testaments gehören. Oft werden sie von Brautleuten als Wahlspruch für ihren Start ins Eheleben ausgewählt: Da heißt es: „Die Liebe ist gütig und langmütig… Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig und sucht nicht ihren Vorteil … Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.…“ (1 Kor 13)

Ein Glück, dass diese Wirkkraft der Liebe nicht nur den Königskindern in England vorbehalten ist. Jedem ist sie geschenkt; als ein Angebot für das gelingende Leben.


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Dieser Beitrag wurde am 22.05.2018 gesendet.


Über den Autor Joachim Opahle

Joachim Opahle, geboren 1956, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er studierte in Freiburg im Breisgau, in Wien, Tübingen und Bamberg Katholische Theologie und Kommunikationswissenschaften. Seit 1993 ist er im Erzbistum Berlin tätig als Leiter der kirchlichen Hörfunk- und Fernseharbeit.

Kontakt
rundfunk@erzbistumberlin.de
www.erzbistumberlin.de

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