Wort zum Tage, 24.03.2018

Pfarrer Lutz Nehk aus Berlin

Verkündigung des Herrn

Es ist das Schicksal des Feiertags, der morgen im Kalender steht, dass er nicht gefeiert werden kann, weil Palmsonntag ist. Immer fällt er in die Fastenzeit. Oft kommt es vor, dass er auf einen Termin nach Ostern verschoben wird. Normalerweise wird es jedenfalls am 25. März gefeiert, das Hochfest der Verkündigung des Herrn.

Neun Monate vor Weihnachten wird damit an die Begegnung der Jungfrau Maria mit dem Engel Gabriel in Nazareth erinnert. Ein durchaus konstruktives Treffen. In diesem kurzen Dialog wird Heilsgeschichte geschrieben. Maria ist von Gott ausersehen, seinen Sohn zur Welt, besser, in die Welt zu bringen. Diese Nachricht überbringt der Engel. Zunächst hat Maria Bedenken. Sie ist noch nicht verheiratet. „Wie soll das geschehen?“ Der Engel verweist auf die Möglichkeiten Gottes: „Für Gott ist nichts unmöglich.“ (Mt 1,37) In Maria wächst die Bereitschaft: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast“, sagt sie dem göttlichen Boten und der Heilige Geist entfaltet seine schöpferische Kraft.

Sie bringt ihr Kind zur Welt, ihren Sohn Jesus. Er wird in der Öffentlichkeit bekannt, weil mit dem Anspruch auftritt, den der Engel Gabriel beschrieben hat: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ (Mt 1,32-33)

Mit diesem Selbstverständnis macht er sich nicht nur Freunde. Im Gegenteil. Morgen beginnt die Karwoche und die Christen erinnern sich am Karfreitag an das Ende. Wie ein Verbrecher wird Jesus am Kreuz hingerichtet. Maria begleitete den Weg ihres Sohnes bis zu dieser Stunde der Erniedrigung.

Dass diese beiden Erinnerungen so dicht beieinander liegen, die Verkündigung der Geburt, der Menschwerdung Jesu und sein Tod am Kreuz, – das ist für mich eine Meditation über die Spannung des Lebens, das Hin und Her, das Auf und Nieder.

Auf der einen Seite sehe ich Maria mit dem Kind auf dem Arm. Sie freundlich lächelnd, Jesus schon in sehr würdiger Haltung. Auf der anderen Seite erscheint das Bild der „Stabat mater dolorosa“ - die weinende Mutter unter dem Kreuz. Und die „Pietà“, das Bild der Mutter, die ihren toten Sohn in den Armen hält. Wie kann ein Mensch diese Spannung aushalten? Gilt hier auch: Mit Gott ist nichts unmöglich?


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Dieser Beitrag wurde am 24.03.2018 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Lutz Nehk

Lutz Nehk (Jahrgang 1957) ist Pfarrer an der Katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Seit 2014 ist er zudem „Beauftragter des Erzbistums Berlin für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit“ und ist Mitarbeiter an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Kontakt
lutznehk@t-online.de

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