Wort zum Tage, 23.03.2018

Pfarrer Lutz Nehk aus Berlin

Gottesbeziehung

Als Mensch lebe ich in Beziehungen. Sie sind hilfreich, manche lebensnotwendig, andere eher belastend. Wie auch immer ich sie bewerte, sie sind da und ich bin eingebunden. Natürlich habe ich es in der Hand, eine Rangordnung einzurichten – von ganz wichtig bis unwichtig. Aber selbst abgebrochene Beziehungen haben ihre Spuren hinterlassen und die Erfahrungen bleiben gespeichert.

Da ist zunächst und vor allen Dingen das Netz der menschlichen Beziehungen. Dicht, weitgespannt, bunt und vielfältig. Und ich frage mich: Wie viele Menschen kommen eigentlich durch mich miteinander in Kontakt?

Zunehmend mehr wird von mir die Beachtung der Beziehung zur Umwelt verlangt. Umwelt ist etwas unkonkret. Ich spreche lieber von meiner Beziehung zu den „Mitgeschöpfen“. Da nämlich tauchen dann auch „lebendige Wesen“ auf: Tiere, Pflanzen, Insekten, das Wasser, die Luft, die Erde die vielen „Himmelskörper“ und kleinste Geschöpfe, die einen Platz in der Artenvielfalt haben und behalten sollen.

Als Mensch, der sich für eine Religion entschieden hat, taucht in diesem Beziehungsgeflecht auch Gott auf. Für mich steht er nicht über allem und nicht daneben. Nein, er fügt sich ein in dieses Netz, ist dabei, mittendrin. Mein Gottesbild ist nicht „herrschaftlich“. Kein Gott, der immer den ersten Platz haben will und mir den Rücken zukehrt, wenn er mal nicht im Mittelpunkt steht. Ich weiß doch, dass er da ist und er weiß das auch.

Dieses Gottesbild finde ich auch bei Jesus. In einem Gespräch mit anderen Gläubigen bringt er seine Beziehung zu Gott auf den Punkt. Gott ist der Vater mit dem er seit Ewigkeit her verbunden ist. Aus dieser Beziehung lebt er und sieht in ihr seine Berufung: Jesus sagt: „Der Vater hat mich gesandt. Ich will den Menschen sagen und geben, was ich von ihm empfangen habe.“ (Joh 8, 29) Jesus will diesen Gott in Beziehung bringen. Nicht daneben, nicht darüber – nein: In menschlichen Beziehungen soll er erfahrbar werden. Jesus sagt, in all seinem Reden, in all seinem Handeln ist Gott immer dabei. Nicht immer ausdrücklich und mit einem Ausrufungszeichen dahinter. Aber doch erfahrbar.

Ich frage mich: Kommen Menschen auch durch mich mit Gott Beziehung? Eine spannende Frage. Manchmal sage ich Leuten: Ich denke in Gebet an dich. Oder: Ich zünde für dich bei der Muttergottes eine Kerze an. „Das hat noch niemand für mich getan“, hat mir einer geantwortet.


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Dieser Beitrag wurde am 23.03.2018 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Lutz Nehk

Lutz Nehk (Jahrgang 1957) ist Pfarrer an der Katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Seit 2014 ist er zudem „Beauftragter des Erzbistums Berlin für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit“ und ist Mitarbeiter an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Kontakt
lutznehk@t-online.de

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