Wort zum Tage, 21.03.2018

Pfarrer Lutz Nehk aus Berlin

Wahrheit bringt Freiheit

Freiheit - eine große Sehnsucht des Menschen. Freiheit - ein inneres Verlangen. Frei von Abhängigkeiten und Zwängen, frei von Bevormundung und Angst. Sich für die Freiheit einzusetzen, das fordert in der Tat die Bibel. Im Buch des Propheten Jesaja lese ich: „Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen?“ (Jes 58,6)

Und doch: Irgendwie bleibt der Mensch immer unfrei, gefesselt an den Raum und die Zeit. Dem Werden und Vergehen unterworfen. Bei aller äußeren Freiheit bleibe ich an das Gesetz der Endlichkeit gebunden. Das mag der Lauf der Dinge sein, mit dem ich mich abfinden muss. Es ist die Unfreiheit der Kreatur.

Ich erfahre aber auch eine innere Unfreiheit: Ich erfahre Schuld und ich werde schuldig. Damit möchte und darf ich mich aber nicht abfinden. Welche Macht könnte mich davon befreien? Die Wahrheit. „Die Wahrheit wird dich frei machen“, lese ich im Johannesevangelium. (Joh 8,32) Diese Wahrheit ist keine Frucht der Erkenntnis, des Studiums oder philosophischer Erwägungen. Sie ist ein Geschenk. Es ist die Freiheit, zwischen dem Guten und dem Bösen zu unterscheiden. Gott hat diese Freiheit in die Natur des Menschen hineingelegt. Aber ich merke, dass ich in dieser Freiheit Entscheidungen treffe, die nicht gut sind – nicht für mich und nicht für die anderen. Das bedrückt mich.

Wenn Jesus von der „Wahrheit“ spricht, dann meint er seine Botschaft. Er meint sein Wort, das er mir schenkt und in Erinnerung ruft: Gott will das Heil der Menschen, nicht das Unheil. Gott hat doch seine Schöpfung gut gemacht. Und ich bin ein Teil des Guten. Entdecke also diese Wahrheit. Entfalte diese Kraft des Guten neu in dir.

Ja, es gibt dieses Ringen in mir, um die gute und richtige Entscheidung. In der Kraft des Guten bin ich der Herr des Verfahrens. Das ist die Wahrheit: Du bist nicht einer Macht des Schicksals ausgeliefert. Du bist nicht hoffnungslos in das Spiel von Gewalt und Gegengewalt verstrickt. Die Wahrheit, dass Gott dich gut gemacht hat, wird dich davon frei machen. In dieser Botschaft Jesu entdecke ich einen Weg zur Ursprünglichkeit: Zu der Ursprünglichkeit, von der es im ersten Kapitel der Bibel heißt: Gott sah, dass es gut war, dass es sehr gut war.


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Dieser Beitrag wurde am 21.03.2018 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Lutz Nehk

Lutz Nehk (Jahrgang 1957) ist Pfarrer an der Katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Seit 2014 ist er zudem „Beauftragter des Erzbistums Berlin für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit“ und ist Mitarbeiter an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Kontakt
lutznehk@t-online.de

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