Wort zum Tage, 20.03.2018

Pfarrer Lutz Nehk aus Berlin

Osterdeko

Wann darf ich eigentlich mit der Osterdeko in der Wohnung und im Garten beginnen? Ein Freund hat mich das gefragt. Gute Frage. „Ostern ist natürlich erst an Ostern“, habe ich spontan geantwortet. Die Fastenzeit hat 40 Tage. Und es kommt die Karwoche, in der die Passion Christi im Vordergrund steht. Sie führt mich tief hinein in die Betrachtung des Leidens, der Schmerzen, der Ausweglosigkeit menschlicher Existenz. Möchte ich da schon bunte Ostereier in zartem Birkengrün sehen? Häschen und Küken?

Die Natur selbst hält sich ja nicht an die Fastenordnung der Kirche. Auf den Grünflächen und in den Vorgärten sind die Frühlingsblüher schon dabei, wieder Farbe ins Leben zu bringen. Sie haben sich längst entscheiden, mit der Osterdeko zu beginnen.

Die Fastenordnung der Kirche ist ja auch so starr nicht. Der 4. Fastensonntag trägt den Namen „Laetare“ - „Freue dich“. Das geht zurück auf einen Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja: „Freue dich. Seid fröhlich, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.“ (Jes 66, 10-11) Eine Einladung, die ich gerne annehme.

Heute kommt ein Ereignis hinzu. Es markiert den Weg zum Osterfest und bringt Hoffnung und Leichtigkeit mit sich: Es ist Frühlingsanfang. Der kalendarische oder astronomische. Der Termin unseres Osterfestes richtet sich nach ihm. Das hat seine Wurzeln in der jüdischen Festtagsordnung. Der erste Vollmond im Frühling ist hier von Bedeutung. An ihm beginnt das Pessachfest der Juden. Ausgiebig wird über mehrere Tage die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens gefeiert. Es wird an Mose erinnert und den Durchzug durch das rote Meer, an die Verheißung eines Landes in dem „Milch und Honig fließen“.

Nach biblischer Überlieferung war Jesus in Jerusalem, um mit seinen Jüngern das Pessachfest zu feiern. Sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung – all dies geschah rund um das Pessachfest. Es ist für die Kirche wichtig, sich gewissermaßen in Echtzeit daran zu erinnern und zu feiern. Deshalb wird Ostern immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.

Der Mond nimmt langsam wieder zu und bereitet sich auf Ostern vor. Da dürfen die Menschen wohl auch schon mal an die Osterdeko denken.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 20.03.2018 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Lutz Nehk

Lutz Nehk (Jahrgang 1957) ist Pfarrer an der Katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Seit 2014 ist er zudem „Beauftragter des Erzbistums Berlin für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit“ und ist Mitarbeiter an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Kontakt
lutznehk@t-online.de

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche