Wort zum Tage, 19.03.2018

Pfarrer Lutz Nehk aus Berlin

Heiliger Josef

Ein Oscar für die beste Nebenrolle steht ihm auf jeden Fall zu, dem Josef von Nazareth – dem heiligen Josef. Im Erfurter Dom gibt es drei kleine Reliefs, Darstellungen aus dem Leben der Gottesmutter Maria. Natürlich auch ein Weihnachtsbild. Im Mittelpunkt das Jesuskind in der Krippe - freundlich lächelnd. Links von ihm Maria, kniend mit gefalteten Händen und ganz auf das Kind konzentriert. Und rechts vom Jesuskind, Josef. Er schaut nicht fromm auf den Knaben, sondern hat sich abgewendet und hantiert mit einem kleinen Topf. Über einem Feuer macht er die Suppe warm. Ein Engel mit einem Blasebalg assistiert ihm dabei. Der „Nährvater“ Jesu nimmt seine Rolle wahr. Heute ist sein Gedenktag.

Im Matthäusevangelium wird die Geburt des Gottessohnes nicht Maria angekündigt. Der Engel des Herrn erscheint dem Josef in einem Traum und klärt die Lage. Maria ist schwanger und das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Also Josef, fürchte dich nicht, Maria zu dir zu nehmen. Wenn das Kind geboren ist gib ihm den Namen Jesus, d.h. „Gott ist die Rettung“. Der Evangelist berichtet ganz sachlich: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.“ (Mt 1,24) Und die heilige Familie nahm ihren Lauf.

Nie wird irgendwo erwähnt, dass Josef die Umstände der Geburt mit Maria kritisch reflektiert hat. Er war mit großer Selbstverständlichkeit der Vater Jesu und den Leuten gab er keinen Grund, das anders zu sehen. Für die war Jesus der Sohn des Zimmermanns und der Maria. (vgl. Mt 13,55)

„Tatsachen sind Aufgaben“, das scheint eine Grundhaltung zu sein, für die der heilige Josef steht. Er gibt mir ein gutes Beispiel, wie man Aufgaben meistern kann, die andere einem einfach zuschieben. Ich könnte mich darüber aufregen, dass ich nicht gefragt werde, ob ich dies oder jenes machen will. Ich werde einfach verplant. Aber da sind dann eben Menschen, die darauf warten und vertrauen, dass ich „meinen Job“ mache - und ihn gut mache. Da geht es dann um das Wohl der Menschen. Wer bin ich, dass ich meinen Unmut an ihnen auslasse? „Heiliger Josef, hilf - du Fürsprecher in Versuchung und Verzweiflung!“ - könnte ich in solchen Situationen beten. Ich kann auf seine Hilfe vertrauen.


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Dieser Beitrag wurde am 19.03.2018 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Lutz Nehk

Lutz Nehk (Jahrgang 1957) ist Pfarrer an der Katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Seit 2014 ist er zudem „Beauftragter des Erzbistums Berlin für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit“ und ist Mitarbeiter an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Kontakt
lutznehk@t-online.de

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