Wort zum Tage, 10.03.2018

Johanna Vering aus Buchen

Wasser und Brot

In drei Wochen ist Ostern. In der Karwoche, der Woche vor Ostern, trinke ich nur Wasser und Tee und esse nur Brot. Und eine Grapefruit am Tag, wegen der Vitamine.

Ich schaffe es auch nicht, auf Kaffee zu verzichten. Also gibt es den auch.

Das mache ich schon seit meiner Kindheit. Irgendwann haben meine Eltern das für sich entdeckt und wir Kinder haben das dann automatisch mitgemacht und übernommen. Inzwischen mache nur noch ich das. Meine Eltern haben das irgendwann eingestellt.

Für mich ist das zu einem festen Ritual geworden. Das gehört zur Karwoche dazu. Das ist meine Woche, meine Vorbereitung auf Ostern. Einerseits körperlich, aber eben auch geistig. Es ist erstaunlich was passiert, wenn schon von Vornherein klar ist, was ich zu den Mahlzeiten esse. Es ist mehr Platz in meinem Kopf. Ich kann tatsächlich andere Dinge verstärkt in den Blick nehmen. Dazu kommt eine bekannte körperliche Erfahrung beim Fasten: ich strotze vor Energie - jedenfalls nach dem zweiten Tag.

Ich versuche in der Karwoche die biblischen Texte des jeweiligen Tages zu lesen. Wenn ich das schaffe, dann gehe ich richtig auf Ostern zu. Dann fühle ich mich sehr gut vorbereitet. Eben körperlich und geistig.

Natürlich kann ich kaum ausdrücken, wie sehr ich mich auf den Ostersonntag freue. Da ist Schluss mit Wasser und Brot. Da gibt es dann meistens erstmal einen Apfel und im Laufe des Vormittags ein ausgiebiges Osterfrühstück. Was für eine Geschmacksexplosion!

Meine Karwoche ist aber nicht nur Verzicht: nur Brot ist durchaus auch Genuss. Mir wird jedes Jahr wieder klar, wie vielfältig Brot ist. Interessant ist auch, wie viel Zeit ich mir für ein, zwei Scheiben Brot nehme. Da ist dann plötzlich Zeit zum Genießen.

Ohne meine Woche „Wasser und Brot“ komme ich nicht so gut ins Osterfest rein. Das Fest, bei dem das Leben im Mittelpunkt steht. Und dazu gehört für mich ganz klar das Genießen.

Die Freude darüber, dass Jesus auferstanden ist, ist für mich viel größer, weil sie mit einer körperlichen Erfahrung zusammenhängt. Eben von „Wasser und Brot“ zu vollem Genuss. Und den weiß ich dann wieder besonders zu schätzen. Mit feinem Essen, einem guten Glas Wein und lieben Menschen um mich herum.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 10.03.2018 gesendet.


Über die Autorin Johanna Vering

Johanna Vering, geboren 1982 in Ostwestfalen, ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Graz hat sie als Pastoralreferentin in verschiedenen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg gearbeitet und die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Johanna Vering lebt in Buchen (Odw.), ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontakt
johanna.vering@kirche-im-swr.de