3. Fastensonntag, 04.03.2018

Predigt des Gottesdienstes aus der Citykirche St. Michael, Göttingen


Predigt von Pater Hans-Martin Rieder SJ

Liebe Schwestern und Brüder!

Wo müsste bei Ihnen denn einmal wieder aufgeräumt und Ordnung gemacht werden? Wo braucht es womöglich einen Frühjahrsputz in Ihrem Leben? Sicherlich fallen Ihnen dazu schnell ein paar Stichworte ein – ich muss nur an meine Schreibtischschubladen denken, die so wunderbar Vieles verschlucken können. Mit Ordnung hat das aber wenig zu tun.

So wie meine eigenen vier Wände einen Frühjahrsputz meist gut gebrauchen können, so ist es auch mit meinem Glaubens- und Seelenleben, und dafür eignet sich die Fastenzeit ganz besonders, also die Wochen der Vorbereitung auf Ostern. Die Texte aus der Bibel, die wir gerade gehört haben, wollen dabei helfen und haben heute eine klare Ausrichtung, die Sie, so denke ich, vielleicht zunächst überraschen mag: Es geht um meine Gottesbeziehung. Es geht darum, wie ich mit Gott in meinem Leben umgehe und welchen Platz er darin hat. Drei Gedanken dazu:

1. Meine Gottesbeziehung ordnen

Wir haben gerade eine ziemlich lange erste Lesung gehört und ich habe bewusst nicht die Kurzversion genommen. Ihr Inhalt sind die zehn Gebote, wobei sich die ersten drei Gebote auf unser Verhältnis mit Gott beziehen. Bei den restlichen sieben geht es um mein Leben und um die Beziehungen zu meinen Mitmenschen. Erstaunlich ist nun, dass für die drei Gebote, die auf die Gottesbeziehung eingehen, zwei Drittel des ganzen Lesungstextes verwendet werden. Das lässt für mich folgenden Schluss zu:

Wenn ich meine Gottesbeziehung gut geordnet habe, dann braucht es nicht mehr viel anderes. 

Wenn ich mein Leben auf Gott ausgerichtet habe, dann ergibt sich der Umgang mit mir selbst, mit meiner Umwelt, meinen Mitmenschen und den Dingen um mich herum fast automatisch und es braucht nicht viele Worte, um die Eckpfeiler meiner Lebensordnung zu umreißen: Töte nicht, nimm und begehre nicht, was dir nicht gehört, achte besonders die, die am engsten mit dir verbunden sind, sei ehrlich.

Wenn ich mein Leben ordnen will, dann gilt es, bei meiner Gottesbeziehung anzufangen. Also ganz konkret: Spielt Gott in meinem Leben eine Rolle? Das hängt ganz eng mit der Frage zusammen, ob ich regelmäßig bete. Interessiere ich mich für Ihn und Seine Botschaft und nehme ich mir die Zeit, darüber mehr nachzudenken, mehr zu erfahren? Suche ich Gottes Spuren auch in meinem Alltag, oder genügt mir die Stunde Gottesdienst am Sonntag? Ihnen fallen sicher noch mehr Fragen dieser Art ein, mit denen Sie Ihre Gottesbeziehung prüfen und neu ausrichten können.

2. Einen Ort schaffen

Um das Ordnen der Gottesbeziehung geht es auch Jesus im Evangelium. Selten erleben wir ihn so energisch, ja geradezu wütend, wie an dieser Stelle der sogenannten Tempelreinigung, mit der er die Händler und Wechsler aus dem Tempelgelände vertreiben möchte. Der Tempel ist für die Gläubigen dieser Zeit der heiligste Ort, an dem die Menschen vor Gott treten können. Dass nun dieses heilige Geschehen zum Geschäftemachen ausgenutzt wird, dass mit all diesem Handel und Betrieb das Eigentliche – nämlich das Beten – in den Hintergrund rückt, dagegen geht Jesus vor. Verärgert ruft er: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ (Joh 2,16). Recht hat er. Das Geld regiert schon genug in dieser Welt – damals und heute –, da müssen nicht auch noch im Gotteshaus Geschäfte gemacht werden. Vielmehr sollte alles dafür getan werden – und das gilt wieder für damals und heute –, dass unsere Gotteshäuser Orte sind, an denen wir Menschen zu Gott finden können und er zu uns sprechen kann. Dafür macht sich Jesus in dieser Szene im Evangelium stark.

Wir brauchen solch heilige Orte für unser Glaubensleben. Das gilt für die Kirchen, aber auch für mein Zuhause. Warum also beim nächsten Frühjahrsputz nicht auch einmal einen Platz in meiner Wohnung (neu) gestalten, der mit einem Kreuz oder ähnlichem geschmückt, mein Rückzugsort für das Gebet sein kann.

3. Konkret werden

Als dritten Punkt möchte ich Sie ermutigen. Ermutigen dazu, konkret zu werden und zwar gerade jetzt in dieser Fastenzeit. Jeder von uns hat etwas zu ordnen, angefangen bei der Gottesbeziehung. Dann tun Sie das in einer ruhigen Minute, und vielleicht haben Sie dann noch ein bisschen mehr Mut. Leihen Sie sich Gottes Ohr und erzählen Sie in der Beichte, was ihr Herz bedrückt. Bringen Sie all das, was sie auf dem Herzen tragen, direkt vor Gott. Ich weiß wohl, dass das für viele ein ungewohnter Vorschlag ist, dass dieser Schritt zur Beichte aus verschiedenen Gründen kein einfacher ist. Aber ich weiß noch viel mehr, wie segensreich und heilsam eine Beichte sein kann.

Haben Sie also Mut zum Frühjahrsputz in Ihrem Leben und Sie werden erleben, dass Gott immer schon auf Sie wartet. – Amen.


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