Wort zum Tage, 24.02.2018

Diakon Dr. Paul Lang aus Amöneburg-Rüdigheim

Matthias

Zögernd betrete ich die große Halle des ehrwürdigen Gebäudes. Durch die schlanken Fenster fällt nur spärlich Licht in das Innere. Im Halbdunkel schimmert etwas Helles. Es lockt mich unwillkürlich an. Schritt um Schritt trete ich näher, dann erkenne ich in der Mitte des Gotteshauses die Unterseite von zwei nackten Füßen. Was für ein seltsamer Anblick!

Auf einem schwarzen Postament liegt mitten in der Klosterkirche der Benediktiner in Trier die marmorne Gestalt eines Barfüßigen. Das ist das Grab des Apostels Matthias. Seit dem 4. Jahrhundert wird es hier verehrt; das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen. Darüber geben mir Ortskundige gerne und nicht ohne Stolz Auskunft.

Warum aber ist Matthias ohne Schuhe dargestellt? Eine Antwort finde ich schließlich im Matthäus-Evangelium. Da schickt Jesus seine Apostel auf den Weg. Sie sollen seine Botschaft weitererzählen: „Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keinen Wanderstab“, sagt Jesus zu ihnen, „und keine Schuhe.“

Durch die ganze Welt sind sie gezogen, die Apostel und Jünger Jesu. Matthias soll bis nach Äthiopien gekommen sein. Und dort hat er schließlich sein Leben für den Glauben verloren. Und wozu das alles? Um die Botschaft Jesu weiterzuerzählen.

Ich denke an Vertreter an der Haustür, politische Parteien mit ihrem Stand auf dem Marktplatz oder den Mobilfunkanbieter am Handy. Missionieren – das mögen wir heute nicht, denke ich. Irgendwie klingt das aufdringlich. Wir sagen eher mit dem Preußenkönig Friedrich: „Soll doch jeder nach seiner Fasson selig werden.“

Die blanken Füße des Apostels Matthias aber gehen mir nicht aus dem Sinn.

Von dem französischen Schriftsteller Paul Claudel stammt das Wort: „Rede nicht ungefragt über deinen Glauben. Aber lebe so, dass man dich fragt.“ Vielleicht ist das der Schlüssel auch zum Apostel Matthias.

Jesus sagt nicht nur, was die Apostel auf ihrer Reise zu Hause lassen sollen. Er erklärt auch, wie das geht, seine Botschaft weitererzählen: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein.“

Das bedeutet doch wohl: Richtet Euch gegen alles, was nicht in Ordnung ist, was Menschen bedrückt und quält. Ohne Schuhe sein – vielleicht heißt das, nicht zu allem eine fertige Meinung zu haben, nicht auf jede Frage eine vorgefertigte Antwort.

Wer so mit der Welt umgeht, den werden zweifellos viele wertschätzen. Tausende Pilger strömen jedes Jahr zum Matthias-Grab nach Trier. Auch heute werden viele kommen. Denn der 24. Februar ist sein Gedenktag.


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Dieser Beitrag wurde am 24.02.2018 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

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