Ein Mensch voller Zuversicht

Morgenandacht, 12.03.2018

von Beate Hirt, Frankfurt

Sondersendung zum Tod von Kardinal Lehmann

Er war mein erster Chef: Karl Kardinal Lehmann. Damals noch nicht Kardinal, sondern erst mal nur: Bischof von Mainz. Ich war seine persönliche Referentin, fast sechs Jahre lang. Und sein Tod berührt mich sehr. Ich erinnere mich an vieles, was mich an diesem Menschen beeindruckt hat.

Da war zum Beispiel seine wunderbare Weise, Dank und Wertschätzung auszudrücken. Vielen Dank! Das hat er am Abend gesagt oder tagsüber immer wieder auf kleine Klebezettel geschrieben, gelbe Post-its, mit denen Unterlagen zu mir zurückkamen. Erst später im Arbeitsleben ist mir klar geworden: Das ist ja nicht selbstverständlich. Dass jemand sich immer wieder bedankt. Auch für scheinbar Selbstverständliches.

Kardinal Lehmann war ein dankbarer Mensch – und vielleicht auch deswegen: ein sehr zuversichtlicher. Er hat immer daran geglaubt, dass sich die Dinge zum Positiven verändern können. Und er hat sich für das eingesetzt, wovon er überzeugt war, mit ganzer Kraft. Auch in Zeiten, in denen das schwierig war.  Etwa in den Jahren, in denen die katholische Kirche um die Schwangerschaftskonfliktberatung gerungen hat. Vielleicht hätte jemand, der weniger zuversichtlich gewesen wäre als er, irgendwann alles hingeworfen. Für ihn kam das nie in Frage. „Zuversicht“: Das war auch eines seiner Lieblingswörter.

Und diese Zuversicht: Die konnte man auch sehen und hören. Er hat gerne und laut gelacht. Aus einer großen Menge konnte man ihn heraushören mit diesem Lachen. Auch daran erinnere ich mich heute.

Seine Zuversicht: Die war für Kardinal Lehmann natürlich auch eine Sache des Glaubens. Sein Glaube hat ihm die Kraft gegeben, an das Gute und an die Zukunft zu glauben. Die Kraft, sich zu engagieren und in allem Engagement trotzdem auch gelassen zu bleiben. Denn Gott, das hat er immer wieder gesagt: Gott ist derjenige, der die Dinge vollenden kann. Er ist so viel größer als der Mensch.

Ich habe die Zuversicht: Jetzt wird auch das Leben von Kardinal Lehmann vollendet, jetzt gelangt er in eine gute, paradiesische Zukunft. Er war ein Mensch voller Zuversicht. Vielleicht wird man ihn jetzt auch im Himmel mit seinem Lachen heraushören.


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Dieser Beitrag wurde am 12.03.2018 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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