Wort zum Tage, 03.01.2015

von Andreas Brauns, Schellerten

Heiliges Experiment

Ausgang offen, so ist das bei Experimenten. Genau darum werden sie ja gemacht. Auch die Katholiken im Bistum Hildesheim versuchen sich im Experimentieren. „Ein heiliges Experiment“, das ist das Motto für das Jubiläumsjahr „1200 Jahre Bistum Hildesheim“. Schon seit August wird experimentiert. Man macht Experimente, weil man sich darüber im Klaren ist: Wir sind keine Experten, wir kennen den Weg ins Morgen nicht. Weil wir nicht wissen, wie es geht, experimentieren wir und versuchen, den Glauben zu übersetzen in unsere Zeit. So wie es unsere Vorväter schon versucht haben. Manches ist ihnen gelungen, anderes ging daneben. Ein Experiment ist nicht heilig, weil Christen es machen. Es ist heilig, weil es dabei um Gott geht. Um sein Wort und seine Spuren in der Welt.

Auch ich will im neuen Jahr experimentieren. Nach dem Motto: „Mein Ziel ist nicht,ein guter Mensch zu sein!“ Das habe ich genau so gelesen in einem Buch aus Amerika. „Das Ziel des Lebens ist nicht, ein guter Mensch zu sein.“   Geschrieben hat das der indische Jesuit Paul Coutinho.

In dem Buch heißt es: Es gibt viele gute Menschen auf der Welt. Aber sie sind gut für nichts. Es ist umsonst. Sie haben das Interesse am Leben verloren, weil sie glücklich damit sind, gut zu sein. Sie gehen Sonntag für Sonntag zur Kirche, tun Gutes und sind aktiv in ihrer Gemeinde. Sie leben mit Gott, sammeln Punkte für den Himmel.

Ja, sie sind gut, das gibt auch der Jesuit zu. Aber sie sprechen in der Sprache von gestern zu den Menschen von heute - und wundern sich. Sie träumen immer von der guten alten Zeit. Aber haben kein Verlangen mehr nach dem, was das Leben heute bietet. Diese Menschen lieben Gott nicht mehr, denn der ist immer größer. Der Jesuitenpater schreibt: Das Ziel des Lebens ist nicht.: gut zu sein, das Ziel ist: besser zu werden! Coutinho ist überzeugt davon: Gott wird die Beziehung zu Menschen aufbrechen, damit sie wachsen und  besser werden kann.  Damit Menschen nicht so enden wie die Pharisäer, von denen in den Evangelien die Rede ist. Sie sind gut, denn sie halten alle Gebote. Sie kennen das Gesetz und leben danach. Aber sie können das Leben nicht feiern, weil sie Angst haben, einen Fehler zu machen und dafür bestraft zu werden. Für sie ist Gott der Gott des Gesetzes, nicht aber der Gott des Lebens, der es schenkt, damit Menschen es entfalten und leben. Nicht, indem sie nur kleinmütig jede Vorschrift achten. Das Leben ist das große Abenteuer, in dem es keinen Stillstand gibt. Es ist auch die Liebesgeschichte zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen. Wer einmal geliebt hat, weiß: Liebende werben umeinander, sie machen Fehler, sie vergeben, versuchen es wieder neu. So ist das Leben – Stillstand gibt es nicht.  Und darum will ich experimentieren. Nicht, damit ich gut bin, sondern mit Gotte Hilfe wenigstens etwas besser werden kann. 


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Dieser Beitrag wurde am 03.01.2015 gesendet.


Über den Autor Andreas Brauns

Andreas Brauns wurde 1962 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau absolvierte er seinen Zivildienst in Hannover. Während dieser Zeit gab es erste Kontakte zur kirchlichen Rundfunkarbeit. Seit 1995 arbeitet er als Redakteur im „Katholischen Rundfunkreferat für den NDR“. Zudem arbeitet er seit einigen Jahren auch als Beauftragter für Funk- und Fernsehen im Bistum Hildesheim. Ein Wort des Apostels Paulus im Römerbrief begleitete ihn seit dem Studium: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“

Kontakt
andreas.brauns@bistum-hildesheim.de


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