Wort zum Tage, 02.01.2015

von Andreas Brauns, Schellerten

Weiter so?

„Zukunft für alle“, so heißt es in der Werbung eines großen Konzerns. Ja, Zukunft für alle. Das klingt gut - in der Werbung.  Weiß doch jeder: Hier sind die gemeint, die sich das Produkt leisten können.

„Zukunft für alle“, das klingt traumhaft. Das heißt, bereits heute oder besser schon gestern müssten Menschen anders handeln. Wie dieses Handeln aussehen könnte, beschreibt der Kapuzinerpater Anton Rotzetter in seinem kleinen Buch „Zukunft, die Hoffnung verheißt“.

Er gibt Denkanstöße für eine neue Sicht auf die Welt. Da bin nicht mehr ich auf der einen Seite und die Welt in den Nachrichten auf der anderen. Nein, da bin ich mitten in der Welt. Der Kapuzinerpater sieht sich in der Tradition des heiligen Franz von Assisi. Für den unbequemen Ordensgründer waren alle Geschöpfe Gottes Schwestern und Brüder - sozusagen miteinander verwandt.  Für Franz von Assisi bedeutete das vor 800 Jahren gegenseitigen Respekt. Vor Mensch und Tier, vor Pflanzen, der Luft und dem Boden.

In unserer globalisierten Welt herrschen dagegen wie selbstverständlich Gier und Verschwendung. Nur die materielle Wertschöpfung zählt und alles Lebendige bleibt in Budgets und Bilanzen unberücksichtigt. In den entwickelten Ländern können immer mehr Menschen konsumieren und Güter anhäufen. Aber auf der anderen Seite zahlen viel zu viele einen hohen Preis dafür. „Zukunft, die Hoffnung verheißt“, sieht anders aus – für beide Seiten. Es wäre die Zukunft, von der in der Werbung die Rede ist: Zukunft  für alle.

Doch diese Zukunft kommt nicht einfach so. Sie muss überhaupt erst möglich gemacht werden. Für Anton Rotzetter heißt das: Menschen müssen sich einmischen, damit auch die auf eine lebenswerte Zukunft hoffen können, die keine Stimme haben, die ganz am Rand leben.

Möglich wird das sicher nur, wenn es nicht weitergeht wie bisher, wenn Menschen neue und ungewohnte Richtungen einschlagen. Wenn sie sich nicht nur um sich und ihre Sorgen drehen, sondern den Schrei nach Leben hören und hier und da anderen, die sich womöglich taub stellen, auch auf die Füße treten. Weil sie sich als Schwestern und Brüder verstehen mit Verantwortung gegenüber den Geschwistern, die keine Chance haben.

Neue Richtungen einschlagen, das bedeutet für jeden einzelnen Christen auch: Überprüf e deinen Lebensstil. Sei freundlich zum Leben, zu Mensch und Tier. Lebe mit allen. Übe das Teilen ein - und wo du bisher geraubt hast, verzichte.

Anton Rotzetter erinnert in seinem Buch „Zukunft, die Hoffnung verheißt“ daran: Globalisierung heißt heute, egoistisch Gruppeninteressen auf die ganze Welt auszudehnen. Das aber führt zu Ungerechtigkeit, zu Ohnmacht und Terror. Eine Zukunft für alle sieht anders aus.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2015 gesendet.


Über den Autor Andreas Brauns

Andreas Brauns wurde 1962 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau absolvierte er seinen Zivildienst in Hannover. Während dieser Zeit gab es erste Kontakte zur kirchlichen Rundfunkarbeit. Seit 1995 arbeitet er als Redakteur im „Katholischen Rundfunkreferat für den NDR“. Zudem arbeitet er seit einigen Jahren auch als Beauftragter für Funk- und Fernsehen im Bistum Hildesheim. Ein Wort des Apostels Paulus im Römerbrief begleitete ihn seit dem Studium: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“

Kontakt
andreas.brauns@bistum-hildesheim.de


Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche