Wort zum Tage, 31.12.2014

von Andreas Brauns, Schellerten

Weltfriedenstag – Sklaverei und Menschenhandel

Sklaven im 21. Jahrhundert: Die mag es ja in einigen Ländern noch geben, aber nicht in Europa. Das ist doch mit den Menschenrechten unvereinbar. Nein,  Sklaverei in Europa ist längst Geschichte. Offiziell ja, doch die Realität sieht leider anders aus.

Und so trifft das Motto des Weltfriedenstages  auch Europa. „Nicht länger Sklaven, sondern Schwestern und Brüder“, das ist die Botschaft des Weltfriedenstages, der  in der katholischen Tradition seit fast fünf Jahrzehnten am 1. Januar begangen wird. Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden prangert  2015 den Menschenhandel an, die moderne Form der Sklaverei. Das ist ein gigantischer Markt, auf dem riesige Summen zu verdienen sind. Da werden Migranten gehandelt und Prostituierte, Frauen und Männer werden ausgebeutet bis hin zu Zwangsarbeit.  Sklaven, dass sind heute vor allem junge Frauen, auch Kinder  und Menschen ohne Papiere, ohne Rechte.

Es gibt sie - auch mitten in unserer europäischen Gesellschaft. Einzelpersonen und Gruppen profitieren davon - weltweit.  Angebliche Helfer nutzen Konflikte, Wirtschaftskrisen und Korruption. Sie bieten scheinbar Sicherheit, doch sie machen Menschen in Not gefügig,  erniedrigen sie  zu einer  Ware. Und die ist für gutes Geld käuflich.

Im Text aus dem Vatikan heißt es: „Sklaverei ist eine schreckliche offene Wunde im zeitgenössischen Gesellschaftskörper, ein fatales Geschwür im Körper Christi!”

Menschen handeln mit Menschen, das ist ein Schlag  gegen den Grundsatz: Alle Menschen sind gleich. Die Würde von Kindern, Frauen und Männern, auf dem Papier unantastbar, wird mit Füßen getreten. Wie kann es Frieden geben, wenn Menschen so unmenschlich miteinander umgehen? Frieden hat  nur dann eine Chance, wenn jeder Mensch im anderen seine Schwester sieht, seinen Bruder. Menschen mit einer Würde.

Für mich als Christ sind sie Geschöpfe Gottes. Geschaffen nach seinem Bild – wie ich selbst auch. Sie sind mir gleich. Keine Ware, kein Mittel, um mich zu bereichern.  Wer Menschen als Ware sieht, unterwirft sie einem mörderischen Denken.  Er raubt ihnen ihre Würde, doch mit welchem Recht?

Da ist im 21. Jahrhundert die bohrende Frage: Warum gilt der eine Mensch als Ware, der andere nicht?

Es ist in unserer globalisierten Welt wohl noch ein weiter Weg, bis Menschen einander als Schwestern und Brüder sehen. Aber warum heute nicht den ersten Schritt tun, damit unsere Welt im neuen Jahr menschlicher wird? Warum nicht heute anderen als Mitmensch begegnen und nicht als Gegenmensch, wie es viel zu oft selbstverständlich ist.

Vor ein paar Tagen haben Christen gefeiert, dass Gott Mensch geworden ist. Es wäre doch wunderbar, wenn sich diese Menschwerdung fortsetzen würde und aus Menschen Mitmenschen werden. Eben Schwestern und Brüder.

Quelle: Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden, Erklärung zum Weltfriedenstag 2015

Presseerklärung Vatikan, Ersterscheinung in: Radio Vatikan, Print Service, 21.08.2014


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Dieser Beitrag wurde am 31.12.2014 gesendet.


Über den Autor Andreas Brauns

Andreas Brauns wurde 1962 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau absolvierte er seinen Zivildienst in Hannover. Während dieser Zeit gab es erste Kontakte zur kirchlichen Rundfunkarbeit. Seit 1995 arbeitet er als Redakteur im „Katholischen Rundfunkreferat für den NDR“. Zudem arbeitet er seit einigen Jahren auch als Beauftragter für Funk- und Fernsehen im Bistum Hildesheim. Ein Wort des Apostels Paulus im Römerbrief begleitete ihn seit dem Studium: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“

Kontakt
andreas.brauns@bistum-hildesheim.de


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