Wort zum Tage, 21.10.2017

von Markus Potthoff aus Essen

Suchende

Es ist eine Zufallsbegegnung im Museum. Eine Ausstellung großformatiger Landschaftsbilder. Die Frau neben mir spricht mich unvermittelt an: „Großartig, die Dynamik der Farben, eine sich ewig erneuernde Schöpfung“. Das ist eine Steilvorlage für mich, zu Schöpfung kann ich etwas Kluges sagen.

Aber noch während ich spreche, unterbricht mich die Frau. Direkt heraus fragt sie mich, was ich beruflich so mache, ob ich Kunsthistoriker sei. Ich erkläre, dass ich nicht nur katholisch sei, sondern dass ich als Theologe bei der Kirche mein Geld verdiene. Nach kurzem Zögern sprudelt es dann aus ihr heraus: „Das hätte ich nicht gedacht. Der Glaube an Gott ist doch längst widerlegt, der ganze Prunk der Kirche ist doch lächerlich...und überhaupt diese weltfremde Moral.“ Mitleidig schaut sie mich an, als wolle sie mir sagen, das mit dem Glauben und der Kirche passe doch garnicht nicht zu mir. Ich komme mir vor wie eine Auskunftsstelle für alle Fragen, die Kirche und Glauben betreffen. Aber Ausweichen funktioniert jetzt nicht!

Also fange ich an von meinen Zweifeln zu reden, von meinem Leiden an der Kirche, von meinem Suchen, meiner Hoffnung und meiner Freude am Glauben. Den Einstieg unseres Gesprächs haben wir längst hinter uns gelassen, sind ins Nachdenken geraten, über gemeinsame Fragen. Über den Tod, über Gott und ob der Glaube die Kirche braucht.

Ich erzähle, wie ich mich in meinem Leben der christlichen Botschaft immer neu stellen muss. Über ein Wissen, das unerschütterlich besteht…, nein, darüber verfüge ich als gläubiger Mensch nicht. Auch drängt mich ja niemand dazu, Christ zu sein. Es ist meine freie Entscheidung. Auch wenn meine Antworten die Frau nicht zu überzeugen scheinen, ich spüre jetzt ihren Respekt. Und ich merke, wie ihre ernsten Fragen mich beindrucken und herausfordern.

Als wir uns nachdenklich voneinander verabschieden, sagt sie, „danke für das Gespräch und bleiben Sie schön katholisch!“. Ich spüre, das sie das ernst meint. „Ich gebe mir Mühe,“ sage ich „und danke für ihre Fragen.“


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 21.10.2017 gesendet.


Über den Autor Markus Potthoff

Markus Potthoff wurde 1963 in Bochum geboren. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie ist er seit 1994 im Dienst des Bistums Essen tätig. Zurzeit leitet er die Hauptabteilung “Pastoral und Bildung” im Bischöflichen Generalvikariat in Essen.

Kontakt
markus.potthoff@bistum-essen.de 

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche