Wort zum Tage, 17.10.2017

von Markus Potthoff aus Essen

Guter Start

„Bist du mit dem falschen Bein aufgestanden?“, das fragt mich ein Kollege morgens nach der ersten Begegnung im Büro. Offenbar wirke ich mürrisch und genervt. „Na, der Tag fängt ja gut an“, denke ich. Es war wieder einmal ein hektischer Start. Ich bin nicht richtig ausgeschlafen, dunkle Nachtgedanken quälten mich beim Aufwachen. Manchmal wünsche ich mir, nicht sofort aufspringen zu müssen, damit ich den Zug nicht verpasse. Abends stelle ich fest, dass ich viel Bürokram erledigt habe, zahllose Gespräche hinter mich gebracht und mal wieder keine Mittagspause gemacht habe. Ich frage mich dann, was ich eigentlich all die Stunden gemacht habe. Aber der Tag hatte ja irgendwie schon falsch begonnen.

Die großen Lehrer des geistlichen Lebens schätzen die Bedeutung der ersten Morgenstunde hoch ein. Sie empfehlen: Nimm den Anfang des Tages aufmerksam wahr, er ist die Stelle, an der du nach dem Erwachen den Himmel berührst. Gemeint ist damit wohl: Rechne damit, dass es heute wieder mal anders kommt als geplant; aber: schätze den Anfang des Tages, der gehört allein dir.

Bei einem Besuch eines Benediktinerklosters hat mich einmal sehr beeindruckt, wie die Mönche in den Tag starten. Er beginnt mit einem gemeinsamen Gebet. Die Mönche zeichnen sich das Kreuz auf die Lippen, der Vorbeter stimmt dreimal an: „Herr, öffne meine Lippen ...“ und die anderen Mönche fahren fort: „… damit mein Mund dein Lob verkünde.“ Das ist ein Vers aus dem Buch der Psalmen (Ps 51,17). „Herr, öffne meine Lippen ...“. Das erste Wort, die Anrede „Herr“, ist wie eine Kontaktanbahnung. Am Anfang des Tages steht Er, der Herr, als Zentrum und Angelpunkt des Tages. Gott, der Herr, ist der Grund, auf den ich zählen kann.

Die dann folgende Bitte lautet: „öffne meine Lippen“. Das verstehe ich so: Öffne mich, damit das Gute, das in mir ist, sich zeigen kann. Und weiter sagt der Psalmvers „...damit mein Mund dein Lob verkünde.“ Wer Gutes tut, lobt Gott. Eigentlich ganz einfach!

„Herr, öffne meine Lippen ...“ – das heißt ja nichts anderes als: Herr, lass mich offen sein für den neuen Tag und das Gute, das ich heute tun kann – wenn das nicht ein starker Anfang ist!


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Dieser Beitrag wurde am 17.10.2017 gesendet.


Über den Autor Markus Potthoff

Markus Potthoff wurde 1963 in Bochum geboren. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie ist er seit 1994 im Dienst des Bistums Essen tätig. Zurzeit leitet er die Hauptabteilung “Pastoral und Bildung” im Bischöflichen Generalvikariat in Essen.

Kontakt
markus.potthoff@bistum-essen.de 

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