Morgenandacht, 29.09.2017

von Pfarrer Ernst Pulsfort aus Berlin

Der bleibende Schatz

Im Neuen Testament wird einmal von einem reichen Mann erzählt, der mit einer Frage zu Jesus kommt: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.“ (Mk 10,17-22)

Die Ausgangsfrage des reichen Mannes finde ich gut: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“. Dem Mann geht es um mehr als um Profit in diesem Leben; er will den Hauptgewinn: das ewige Leben. Er geht aufs Ganze. Er will etwas, das so zu ihm gehört, dass er es nie wieder verliert und dass es ihm nie mehr genommen werden kann. Es geht dem reichen Mann nicht um Schönheit, Ansehen und Erfolg; das wird ihm mit seinem Tod einmal genommen. Und das weiß er.

Er sucht nach dem, was darüber hinaus bleibt. Die Frage nach dem ewigen Leben ist die Frage nach Gott, der uns auch jenseits unserer Grenzen und unseres Todes trägt.

„Guter Meister, was muss ich tun, um dieses Leben zu gewinnen?“

Jesus nennt ihm die Gebote, und der reiche Mann bestätigt, dass er alle Gebote Gottes von Kindheit an befolgt habe: Ich habe niemanden getötet, nicht die Ehe gebrochen, nicht gestohlen, niemand verleumdet und so weiter.

Der reiche Mann hofft vielleicht auf die Bestätigung Jesu, dass er das ewige Leben schon durch gute Werke und Gesetzestreue, durch caritatives Engagement vielleicht, oder durch Übernahme religiöser, politischer Aufgaben erwerben kann. Jesu Antwort auf diese Frage ist berührend:

„Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen.“ (Mk 10, 18)

„Wenn du aber vollkommen sein willst, dann geh, verkaufe deinen Besitz und gib dein Geld den Armen. Dann wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben.“ (Lk 19,21)

Jesus lenkt den Blick des reichen Mannes von seiner Frömmigkeit und seinen Verdiensten weg und hin auf Gott: Vertraue nicht auf das Gute deiner Werke und deiner Gesetzestreue, vertraue auf den allein vollkommenen und guten Gott.

Die Radikalität dieser Erzählung liegt im Anspruch des Glaubens. Wenn ich mich auf Gott verlasse, dann kann ich gelassen alles andere lassen, sowohl den Stolz auf meine guten Werke als auch auf meinen Besitz.  Das ewige Leben ist nicht die Summe dessen, was wir haben, machen und besitzen. All das steht dem Glauben an Gottes Größe entgegen.

„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Ich muss gerade nichts tun, denn das ewige Leben ist wie der Höchstpreis in einem Lotteriespiel. Es lässt sich nicht erkaufen mit Geld oder verdienen wie ein Lohn für gute Werke.

Die schönste Erfahrung unseres Lebens darf sein: Gott ist mit uns gut, weil er der einzig vollkommene Gute ist. Das ist es, was uns halten kann und trägt, wovon wir wirklich leben und was uns niemals genommen wird.


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Dieser Beitrag wurde am 29.09.2017 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Ernst Pulsfort

Ernst Pulsfort wurde 1955 in Lingen (Ems) geboren und 1981 in Osnabrück zum katholischen Priester geweiht. Nach einigen Jahren als Kaplan in Osnabrück und Nordhorn absolvierte er 1986 ein Studienjahr in Indien. Nach seiner Rückkehr sowie Tätigkeiten an den Universitäten in Münster, Würzburg und Mannheim war Ernst Pulsfort von September 1993 bis Dezember 2006 Spiritual und Referent an der Katholischen Akademie in Berlin. Seit 2005 ist Ernst Pulsfort Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius in Berlin-Mitte.

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