Wort zum Tage, 15.07.2017

von Beate Hirt aus Frankfurt

Frauenfußball

Es gibt da ein Thema, bei dem kann ich mit Menschen, die mir sonst lieb und vertraut sind, ziemlich einander geraten. Genau genommen: mit Menschen männlichen Ge-schlechts. Und zwar beim Thema Frauenfußball. Da ist der Kollege, den ich wirklich mag und der mir allen Ernstes sagt: Naja, also richtig spannender und schneller Fußball ist das ja nicht. Und da ist mein geliebter Neffe, der mit seinen sieben Jahren auch schon behauptet: Frauen können kein Fußball. Ich bin da ganz anderer Meinung. Frauen spielen ganz großartigen Fußball. Und ab morgen werde ich ihn mir auch wieder regelmäßig im Fernsehen anschauen. Da beginnt nämlich die Europameisterschaft der Frauen, in den Niederlanden. Am Montagabend steht das deutsche Frauenteam zum ersten Mal auf dem Platz. Und ich werde es anfeuern.

Natürlich: Die Diskussionen zum Frauenfußball, die ich führe mit meinem Kollegen und mit dem Neffen, die schwanken im Ton zwischen ernsthaft und heiter. Aber ehrlich: Ich ärgere mich schon darüber, dass beim Thema Fußball Frauen mit Vorurteilen konfrontiert sind wie bei fast keinem anderen Gebiet mehr. Leute, die sonst ganz selbstverständlich für Gleichberechtigung eintreten, die es toll finden, dass Frauen in der Politik und in der Firma Erfolg haben: Die erzählen mir tatsächlich: Frauenfußball geht nicht, das können die Frauen irgendwie nicht.

Für mich ist Frauenfußball auch eine Sache des Glaubens. Meines christlichen Glaubens. Ich glaube nämlich: Gott hat keineswegs Frauen und Männer so stereotyp unterschiedlich geschaffen, dass es Dinge gibt, die nur das eine Geschlecht kann und darf und das andere nicht. Es gibt Frauen, die keinen Fußball spielen können, und es gibt Männer, die keinen Fußball spielen können. Es gibt Männer, die die Begabung zum Chefsein haben, und es gibt Frauen, die diese Begabung haben. Ich kann wirklich nicht glauben, dass Gott die Frauen nicht für die Chefetagen geschaffen haben soll oder nicht für den Fußballplatz oder auch nicht für Kirche und Kanzel. Der Gott, an den ich glaube und dessen Abbild ich bin, der hat den Menschen, mit großer göttlicher Würde versehen - jeden Menschen. Frau und Mann gleichermaßen. Natürlich hat er nicht jedem Mensch dieselben Talente mit auf den Weg gegeben. Unterschiede gibt es – aber wohl doch eher zwischen einzelnen Menschen als zwischen den beiden Geschlechtern.

Auch meinem siebenjährigen Neffen werde ich versuchen, das so zu erklären. Von meinem Glauben zu erzählen. Vielleicht, wenn wir demnächst zusammen Frauenfußball schauen. Wir sind verabredet: Russland gegen Deutschland am übernächsten Dienstag. Er ist noch nicht so richtig begeistert von der Idee. Aber mal schauen, wie er wird, der Frauenfußball-Abend vor dem Fernseher.


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Dieser Beitrag wurde am 15.07.2017 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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