Wort zum Tage, 13.07.2017

von Beate Hirt aus Frankfurt

Kerze anzünden

Jetzt im Sommer mach ich das noch ein bisschen öfter als sonst: in einer Kirche eine Kerze für jemanden anzünden. Wenn ich im Urlaub unterwegs bin und an jemanden zuhause denke: Dann ist das für mich eine gute Möglichkeit, gute Wünsche zu schicken. Ein bisschen wie mit einer Postkarte. Nur eben nicht über den Postweg, sondern sozusagen: über den Himmelsweg. „Lieber Gott, pass auf diesen Menschen besonders auf!“ Die Bitte schick ich Richtung Himmel, wenn ich in einer Kirche eine Kerze anzünde.

Manchmal wird die Bitte auch noch ein bisschen konkreter: „Gott, gib dem Patenkind einen guten Start ins Studium!“ Oder: „Lass meinen Bruder mit Familie wieder gut und sicher die lange Strecke aus dem Urlaub zurückkommen!“ Oder: „Hilf dem Kollegen, der die Herzbehandlung hat!“ Meistens erzähle ich dem Menschen zuhause dann auch: „Ich hab für dich eine Kerze angezündet.“ Und ich bin immer wieder erstaunt, wie froh der andere darüber ist. Nur darüber, dass ich an ihn gedacht, eine Kerze angezündet und ein kleines Gebet gesprochen hab. Eigentlich nichts Großartiges. Aber es hat eine Wirkung.

Für mich ist das übrigens keine abergläubische oder magische Wirkung. So ein Kerzeanzünden bedeutet nicht automatisch: Jetzt kann nichts mehr passieren. Gott lässt sich ja nicht einfach so mit einer Kerze oder einem Euro bestechen. Aber irgendwie glaube ich schon: Auch Gott freut sich, wenn wir Kerzen anzünden, wenn wir aneinander denken. Er wird sich meine Bitte zu Herzen nehmen. Und den Menschen: Denen tut es einfach gut, wenn einer sagt: Ich denk an dich. Du bist nicht allein mit deinen Sorgen. Und auch Gott denkt an dich, er ist an deiner Seite und behütet dich. Mit solch einem Gefühl lässt es sich offenbar ein bisschen besser in ein Studium starten oder auch in eine Herzbehandlung.

Ich glaube, es hat auch damit zu tun, dass wir in unserer hektischen Welt oft weniger davon mitkriegen, was den anderen gerade umtreibt. Wir haben im Alltag ja selten Zeit, wirklich in Ruhe zu fragen: Wie geht’s dir eigentlich? Oder wir vergessen in allem Gerenne schnell wieder, wenn jemand was von einer Krankheit erzählt hat. Manchmal fällt es mir dann im Urlaub wieder ein: Wie geht es eigentlich diesem oder jenem? Dann ist die Kerze in der Kirche eine Möglichkeit, eine Verbindung herzustellen. Und es tut mir auch selber gut, an andere zu denken. Ich erinnere mich an Namen und Begegnungen, die mir wichtig sind. Ich spüre, in welchem Netz von Beziehungen ich lebe. Und ich verbinde mich neben den Menschen auch mit Gott. Dann erinnert die Kerze in der Kirche auch mich daran: Du bist nicht allein.


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Dieser Beitrag wurde am 13.07.2017 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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