Wort zum Tage, 11.07.2017

von Beate Hirt aus Frankfurt

Benedikt, Patron Europas

„Vater Europas“, „Schutzpatron Europas“, so wird der Heilige auch genannt, dessen Gedenktag heute im Kalender steht: der heilige Benedikt. Er hat im 6. Jahrhundert in Italien gelebt – aber sein Wirken hatte Einfluss auf ganz Europa und darüber hinaus. Er war einer der ersten Mönche, hat Klöster gegründet – und die erste richtige Ordensregel geschrieben. Diese „Regel des heiligen Benedikt“: Die wird heute nicht mehr nur in Klöstern gelesen, sondern auch in Seminaren für Manager. Es geht darin nämlich um kluge Menschenführung, und überhaupt: um ein gutes Miteinander in Gemeinschaft. Wenn ich in dieser Benediktregel heute blättere, dann denke ich: Es wäre auch eine gute Regel für Europa.

Da heißt es zum Beispiel: „Sooft etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze Gemeinschaft zusammenrufen.“ Gemeinsame Beratschlagung: Die ist wichtig, sagt der heilige Benedikt. Alle sollen ihren Standpunkt sagen dürfen, nicht etwa nur die Ältesten oder Ranghöchsten. Die ganze Gemeinschaft, vom Schwächsten bis zum Stärksten. Und der heilige Benedikt schreibt weiter: „Die Brüder sollen in aller Demut ihren Rat geben. Sie sollen nicht anmaßend und hartnäckig ihre Ansichten verteidigen.“ Wenn ich das lese, denke ich: Wie oft geht es in unseren Gemeinschaften anders zu, auch in Europa: Da gilt das Wort dessen, der den größten Einfluss oder das meiste Geld hat. Aber wenn man dem Schutzpatron Europas folgt, dann ist es überaus wichtig, wirklich allen zuzuhören. Gerade auch denen auf den niedrigen Plätzen. Denn, so Benedikt, „der Herr (offenbart) oft einem Jüngeren, was das Bessere ist.“ (Nr. 3) In der Benediktregel heißt es außerdem: „Der Abt soll Rücksicht nehmen auf die Schwäche der Bedürftigen, aber nicht die Missgunst der Neider.“ (Nr. 55)

Und dann ist da noch eine Grundregel, die der heilige Benedikt vor 1500 Jahren schon aufgestellt hat. Sie betrifft den Umgang mit denen, die nicht zur Gemeinschaft gehören. Da heißt es: „Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden, als sei es Jesus Christus, denn er wird sagen: ‚Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.‘“ (Nr. 53) Das geht damals wirklich so weit, dass die Mönche sich vor den Fremden verneigen sollen. Sie sollen den Gästen die Füße waschen. Und wenn gerade gefastet wird im Kloster, soll der Abt nicht etwa sagen: Fremder, hier wird gerade gefastet, pass dich unseren Bräuchen an, sondern die Regel schreibt vor: „Das Fasten breche der Obere dem Gast zuliebe.“

Der Blick für die Schwächeren und für die Fremden: Der ist zentral in dieser Regel des heiligen Benedikt. Schutzpatron für Europa ist er. Und ich glaube wirklich: Seine Regel wäre grundsätzlich auch eine gute Regel für Europa.


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Dieser Beitrag wurde am 11.07.2017 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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