Wort zum Tage, 10.07.2017

von Beate Hirt aus Frankfurt

Knut-Tag

Ich gebe zu: bei dem Heiligen, der heute im Kalender steht, muss ich an Ikea denken. Heute ist der Gedenktag des heiligen Knut. Jedenfalls im katholischen Heiligenkalender hierzulande. Die Skandinavier feiern Knut am 13. Januar. Weil man sich erzählt: Dieser König Knut aus Dänemark soll im Mittelalter angeordnet haben: Am 13. Januar endet die Weihnachtszeit. Darum werden am Knut-Tag in Skandinavien die Weihnachtsbäume aus der Wohnung geworfen – in der Ikea-Werbung heißt das: Platz für neue Einrichtung. Mehr Freiraum zuhause.

Für mich kann das aber auch am 10. Juli heißen: Ich denk mal wieder darüber nach, was so alles in meiner Wohnung steht und vielleicht raus müsste. Oder auch: Was sich in meinem Keller stapelt. In den Sommerwochen ist es erstens im Keller schön kühl, zweitens hab ich ein paar Tage frei, und drittens ist die letzte Ausmistaktion schon eine ganze Weile her: die war nämlich im Januar, nach Weihnachten. Es wäre also mal wieder Zeit, auszumisten. Mich von Dingen zu befreien.

Das passt sogar ganz gut zu diesem heiligen Knut, finde ich. Sein Name bedeutet nämlich:  der Freie. Knut hat sich damals im Mittelalter auf seine Weise für mehr Freiheit eingesetzt: Er hat zum Beispiel das Sklavenrecht reformiert und versucht, die Kirche freier vom Adel zu machen.

Das Knut-Fest heute: Für mich hat es auch etwas Befreiendes. Denn Ausmisten, Dinge aus-sortieren: Das schafft ja wirklich ein Gefühl von Freiheit. Es ist immer wieder eine besondere Erfahrung, wie leicht und frei ich mich fühle, wenn wieder mehr Platz ist zuhause. Als ich im Januar endlich den Elektroschrott aus dem Keller entsorgt hatte: Da hat mir das in den Wochen danach jedes Mal, wenn ich die Treppe runterkam, ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ehrlich: Das ist auch ein bisschen wie Freiheit nach der Sklaverei. Denn all das, was ich besitze, was in meinem Keller und in meiner Wohnung herumsteht: Das versklavt mich ja auch. Ich muss es herumschieben, pflegen, mir Gedanken dazu machen. Wenn ich davon einiges wegwerfe: Dann fühl ich mich besser. Ich gehe leicht-füßiger, freier durchs Leben.

Für mich hat das durchaus auch mit meinem Glauben zu tun. Jesus damals hat seinen Jüngern empfohlen: Nehmt nicht viel mit, reist mit leichtem Gepäck. Und er hat den Menschen gepredigt: Hängt euer Herz nicht an Besitz und Reichtum. Ich glaube: Die Erfahrung dahinter ist bis heute die gleiche: Ich kann ein freieres Leben fühlen mit weniger Besitz und Ballast. Ich werde auch freier für anderes: für ein Engagement, das mir wichtig ist, für andere Menschen. Heute, am Tag des heiligen Knut, denk ich daran. Und werde mal wieder ausmisten.


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Dieser Beitrag wurde am 10.07.2017 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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