Wort zum Tage, 18.12.2014

von Pfarrer Christoph Seidl, Regensburg

Ein Konzert für die Flüchtlinge

„Wir freuen uns, die Musik, die wir lieben, für euch zu spielen“, so begrüßt der Hörfunkdirektor die Besucherinnen und Besucher eines ganz besonderen Familienkonzerts im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks. Rund 300 Flüchtlinge, die zunächst in der Bayernkaserne im München Aufnahme fanden, sind am 29. Oktober unter dem Motto „Musik vereint“ zu Gast beim Münchner Rundfunkorchester. Sie stammen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Eritrea und Nigeria: Flüchtlinge unterschiedlichster Kultur und Sprache. Doch Musik ist für alle verständlich, dessen waren sich alle Organisatoren einig. Und in der Tat werden die Musikerinnen und Musiker des Münchner Rundfunkorchesters – in schwarzer „Dienstkleidung“, aber mit bunten Krawatten und Halstüchern – mit freudigen Pfiffen, neugierigen Blicken und erwartungsvollem Applaus begrüßt. Die Begeisterung ist gewaltig. Die kurzen Zwischentexte werden von Dolmetscherinnen auch auf Englisch, Arabisch und F?rs? vorgetragen. Der Pantomime Benedikt Anzeneder fasziniert das Publikum dazu mit einer Sprache, die keine Worte benötigt.

Kann eine solche Veranstaltung die Menschen überhaupt in geeigneter Weise ansprechen? Eine Mitarbeiterin sagt: „Die Flüchtlinge sind dankbar für etwas Normalität und freundliche Zuwendung in ihrer so schwierigen Situation. Sie freuen sich über kleine Unternehmungen, den Besuch eines Fußballspiels, ein Picknick – oder eben ein Konzert.“

Heute ist der Internationale Tag der Migranten. Im Jahr 2000 hat die UNO den 18. Dezember diesem Thema gewidmet. Mich beeindruckt die Idee eines Konzertes für die Flüchtlingsfamilien. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten allerhand Hilfsprojekte wahrgenommen – sehr hoffnungsvolle Zeichen, freilich auch manche Überforderung und Resignation. Die Lage ist unbestritten sehr ernst. Aber vielleicht könnte es helfen, der außergewöhnlichen Situation mit mehr Kreativität zu begegnen. Ich denke daran, was wir sonst tun, wenn unerwartet Gäste vor der Tür stehen: Wir improvisieren beim Essen und bei der Schlafgelegenheit, denken uns ein Programm aus, das der vielleicht angespannten Situation etwas Leichtigkeit verleihen könnte. Ich überlege, ob etwas von dieser Leichtigkeit nicht auch der Sorge um die vielen Flüchtlingsgäste gut tun könnte. Vielleicht gibt es an den kommenden weihnachtlichen Tagen ja neue Ideen, um dort, wo Gäste leben, gemeinsam zu feiern. „Etwas Normalität und freundliche Zuwendung tut den Gästen gut.“ Vielleicht löst sich dadurch sogar manche weihnachtliche Anspannung hierzulande.


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Dieser Beitrag wurde am 18.12.2014 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Christoph Seidl

Pfarrer Christoph Seidl wurde 1967 geboren. Er stammt aus Regensburg und ist seit 1992 Priester im Bistum Regensburg. Nach der Kaplanszeit in Straubing arbeitete er in der Priesterausbildung mit und war Studentenpfarrer in Regensburg. Pfarrer Seidl ist als Seelsorger für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen im Bistum Regensburg tätig und als Gemeindeseelsorger in Regensburg - Harting. Kontakt
seidl@seelsorge-pflege.de

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