Wort zum Tage, 04.04.2017

von Pastoralreferent Martin Wolf aus Kaiserslautern

Gebet und Arbeit

„Ist Beten eigentlich auch Arbeit für Sie? Schließlich müssen Sie das doch tun.“ Es war schon eine verblüffende Frage, die ein junger Mann im Kloster einem Mönch stellte, mit dem ich schon lange befreundet bin.

Das regelmäßige Gebet der Mönche gewissermaßen als Teil ihres Jobs? So habe ich das noch nie gesehen. Mein Freund hat das auch verneint und dem Mann etwas von seinem Tagesablauf erzählt. Er hat ihm geschildert, wie sich Gebet und Arbeit darin abwechseln. Es ist eine Struktur, die in ihren Grundzügen schon fast 1500 Jahre alt ist. Der Ordensgründer Benedikt hat sie sich ausgedacht und seinen Mönchen als Regel mit auf den Weg gegeben. Immer wenn ich dort zu Gast bin, genieße ich es, selber für ein paar Tage in diesen Lebensrhythmus einzutauchen. Ich merke, wie gut es auch mir tut, an Leib und Seele, wenn ich im gemeinsamen Gebet zwischendurch immer wieder zur Ruhe kommen kann.

Doch wenn ich dann wieder nach Hause komme wird mir auch schnell klar, wie schwierig es wäre, das in meinem Alltag durchzuhalten. Die Verpflichtungen in Job und Familie mit regelmäßigen Gebetszeiten unter einen Hut zu bringen. Schließlich bin ich auch kein Mönch, sondern lebe in einer Familie. Von meinem Freund weiß ich allerdings, dass es auch ihm im Kloster manchmal so geht. Während der Woche geht er einem normalen Beruf in der Stadtverwaltung nach. Und wenn dort gerade viel zu tun ist, dann gelingt es auch ihm nicht immer, zu gemeinsamen Gebets- und Essenszeiten wieder im Kloster zu sein.

Nun ist die Zeit heute nicht vergleichbar mit dem Frühmittelalter, als Benedikt seine Regel aufschrieb. Vielleicht hat der Heilige aber zumindest geahnt, dass es auch mal schwierig werden könnte und deshalb nicht alles bis ins Kleinste vorgeschrieben. Viel wichtiger war ihm wohl, dass die Brüder den Geist seiner Regel leben. „Bete und arbeite“, so hat man diesen Geist später kurz und knapp zusammengefasst. Und zwar idealerweise so, dass beides sich durchdringt. Dass das Gebet dem Tag und der Arbeit eine feste Struktur gibt. Aber eben auch, dass die tägliche Arbeit zu einer anderen Art des Betens werden kann. Wenn ich etwa lerne, Gott in allen Dingen, und natürlich auch in allen Menschen wahrzunehmen.

So hat es Jahrhunderte später Ignatius von Loyola einmal gesagt. Beten soll ja kein Herunterleiern von frommen Texten sein. Es ist vielmehr der Versuch, mit Gott in Verbindung zu bleiben. Tag für Tag und immer wieder. Im besten Fall als eine Art Lebenshaltung. Mein Freund und seine Mitbrüder im Kloster versuchen jedenfalls, das so zu leben. Nein, Beten soll keine Arbeit sein, aber das Leben mit aller Arbeit kann im besten Fall zum


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Dieser Beitrag wurde am 04.04.2017 gesendet.


Über den Autor Martin Wolf

Martin Wolf wurde 1962 in Schwerte geboren. Er studierte Katholische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Seit 1990 ist er beim Bistum Speyer beschäftigt. Von 1993 bis 2004 war er als Pastoralreferent in verschiedenen Pfarreien des Bistums Speyer tätig. 2004 wurde er Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde in Kaiserslautern. Als Autor ist er in der Katholischen Rundfunkarbeit bereits seit 2002 engagiert. Von 2010 bis 2017 war er auch Beauftragter des Bistums Speyer beim Südwestrundfunk (SWR) und Saarländischen Rundfunk (SR). Seit Juni 2017 ist Martin Wolf Landessenderbeauftragter der Katholischen Kirche beim SWR in Mainz. Wolf ist verheiratet und hat gemeinsam mit seiner Frau zwei Töchter.

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