Feiertag, 26.02.2017

von Elena Griepentrog aus Berlin

Kraft der Erinnerung - Fesseln der Erinnerung

Autorin
Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge ist ein Monument der gelebten Erinnerung. Seit den 1950er Jahren pflegt er Kriegsgräberstätten im Ausland, insbesondere in Russland und Weißrussland. Und er baut noch immer neue. Denn bis heute identifiziert der Volksbund weiter sterbliche Überreste von Soldaten und Zivilisten, auf Wunsch der Angehörigen organisiert er eine Überführung nach Deutschland. Auch Jan Philipp Reemtsma, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, ließ die sterblichen Überreste seines deutlich älteren Halbbruders ins Familiengrab umbetten.

Jan Philipp Reemtsma
1941 Ukraine, Dubno. Sturm auf eine gut verteidigte Kaserne. Schüsse in den Arm und in den Bauch. Er liegt mehr als eine Stunde lang auf der Straße, wird geborgen, in ein Lazarett gebracht, er wusste, wie es um ihn stand. Er starb in der Nacht. 20 Jahre alt. Irgendwann habe ich mir gedacht, er soll bei seinen Brüdern liegen. Warum auch immer. Weil es richtig ist irgendwie.

Autorin
Auch ich habe meinen Großvater gefunden. Ich habe ihn niemals kennen lernen dürfen. Aber jetzt weiß ich, wo genau er in Russland gefallen, wo er begraben ist. Als ich den Brief des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge öffnete, kamen mir die Tränen. Es war ein bisschen, als hätte ich durch diesen Brief amtlich einen Großvater bekommen. Und als wäre ich durch diesen Brief erstmals zur Enkelin geworden. Ich bin - endlich - eine Enkelin!

In früheren Jahren war der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nicht unumstritten – eine geschichtsblinde Opfermentalität, ja Revanchismus wurde ihm häufig vorgeworfen. Längst jedoch widmet sich der Volksbund auch Zivilisten und Toten der früheren Kriegsgegner und der jüdischen Opfer, veranstaltet Bildungs- und Versöhnungsprojekte für Erwachsene und internationale Workcamps für Jugendliche. Dirk Reimers, Vorstand der Deutschen Nationalstiftung

Dirk Reimers
Der Volksbund kämpft insbesondere mit seiner Jugendarbeit gegen das Vergessen. Unter dem Motto: Versöhnung über den Gräbern, Arbeit für den Frieden. Versöhnung setzt die rückhaltlose Auseinandersetzung mit dem Geschehenen voraus. Die Beteiligten wollen nicht vergessen, aber sie wollen der schlimmen Vergangenheit nicht auch noch ihre gemeinsame Zukunft opfern.

Autorin
Was ist Erinnerung? Ist sie ein immer währendes Abarbeiten an der Vergangenheit? Ist sie ein bloßes Gedenken schöner wie furchtbarer Ereignisse der Vergangenheit? Oder ist sie ein aktives Hineinfühlen in Gedanken, Gefühle und Erlebnisse früherer Generationen und auch der eigenen Lebensgeschichte? Warum eigentlich soll der Mensch sich erinnern? Soll er sich überhaupt erinnern?

Das Judentum, älterer Bruder des Christentums, gibt eine einfache, greifbare Antwort. Erinnerung ist schlicht die Basis des jüdischen Glaubens. Erinnerung an die Stammväter Israels, an prägende Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes, vor allem aber an seine lange, lange Geschichte mit Gott. Die Bibel ist randvoll mit solchen Texten der Erinnerung. Darunter auch der so wunderbar sehnsüchtig-melancholische Psalm 137. Er bezieht sich auf die Zeit, als ein Teil der Israeliten nach Babylonien verschleppt war, im 6. Jahrhundert vor Christus. Die Menschen litten unter Heimweh. Und sie waren fern von der Stadt Gottes, Jerusalem, fern vom heiligen Berg Zion.

Sprecher
An den Strömen von Babel, /da saßen wir und weinten, / wenn wir an Zion dachten.

Wir hängten unsere Harfen /an die Weiden in jenem Land.

Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder, /unsere Peiniger forderten Jubel: / «Singt uns Lieder vom Zion!»

Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, /fern, auf fremder Erde?

Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, /dann soll mir die rechte Hand verdorren.

Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, /wenn ich an dich nicht mehr denke, / wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe. (Psalm 137, 1-6)

Musik: James Carter

Autorin
Erinnerung schenkt Identität und Zugehörigkeit, auch deshalb erinnern sich Juden immer wieder an die Taten Gottes. Doch auch Gott erinnert sich in der Bibel – nämlich seines Volkes. Von Judentum wanderte diese feste Überzeugung ins Christentum: Gott erinnert sich an sein Volk. Letztlich sind auch unsere christlichen Feste wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten zu einem guten Teil Feste der Erinnerung, Erinnerung an das Wirken Gottes, in der Welt und in uns. Und an das Leben und Wirken von Jesus von Nazareth. Die Feste sind auch Erinnerungen an die gläubigen Generationen vor uns, die auch diese Feste schon gefeiert haben. Wir reihen uns ein in den langen Strom der menschlichen Geschichte. Solche Erinnerung schenkt uns tragfähigen Boden unter unseren Füßen.

In vielen Familiengeschichten ist dagegen häufig nicht so klar, woran wir uns erinnern können und dürfen und sollen. Waren die Eltern, die Großeltern eigentlich Nazis? Woher stammt unsere Familie eigentlich? Warum haben wir keinen Kontakt mehr mit Tante Helga? Gab es da wirklich noch einen Onkel, der als Kind auf der Flucht verloren ging? In vielen Familien verzerren bis heute Tabus das gemeinsame Familiengedächtnis – wie so oft nach Kriegen. Doch solche abwesenden Erinnerungen können Menschen ja umso mehr prägen.

Die Bremerin Christa Meyer wurde 1947 geboren. In ihrer Kindheit bekam sie kaum Verständnis oder gar Zuwendung und Zärtlichkeit. Stattdessen hat sie viel Gewalt, Demütigungen und auch Einsperren in dunklen Zimmern erleben müssen. Auch manche Nachbarn machten einen Bogen um sie, erzählt sie. Erst später erfuhr sie die so genannte Begründung.

Christa Meyer
Das war, als ich neun Jahre alt war, da hat meine Adoptivmutter mich beiseite genommen und hat zu mir gesagt, dass sie mir jetzt endlich mal sagt, dass ich nicht das leibliche Kind bin, sondern ich bin adoptiert. In der Hoffnung, dass ich mein Verhalten ändere. Ich sollte, grob gesagt, jetzt endlich brav und artig werden, sonst würde ich wieder zurück ins Heim gebracht werden.

Autorin
Christa Meyers leibliche Mutter war nach dem Krieg vergewaltigt worden. Und so galt auch die kleine Christa als von Geburt an schlecht, „aus der kann ja eh nichts werden“, hieß es. Als junge Frau lebte Christa Meyer dann ein wildes Leben, es war die Zeit der 68er und der gesellschaftlichen Experimente. Doch regelmäßig bekam sie Panikattacken, Atemnot, mitten im normalen Leben. Sie spürte, dass es mit ihrer Vergangenheit zu tun hatte. Und so wollte sie wissen, wo sie wirklich her kam, sagt sie. Die Behörden machten es ihr nicht leicht. Doch mit Mitte 30 schaffte sie es endlich, ihre leibliche Mutter ausfindig zu machen. Wenig später fuhr Christa Meyer mit weichen Knien nach Berlin, um ihre Mutter zum ersten Mal zu sehen. Zu ihrer großen Überraschung wurde sie sehr herzlich aufgenommen, auch von ihren beiden Halbgeschwistern. Seit Jahrzehnten hatte die Mutter insgeheim auf ein Lebenszeichen ihrer Tochter gewartet. Denn ihre Eltern hatten sie damals gedrängt, das Kind zur Adoption frei zu geben. Und Christa Meyer spürte endlich Zugehörigkeit, Erinnerung, die über das eigene Leben hinaus reicht.

Christa Meyer
Da habe ich mich auch selber erkannt, dass allererste Mal. Und da habe ich gemerkt, wie wichtig das ist, dass man sich selber erkennen kann. Das hat mir gefehlt. Ich wusste zum Beispiel nicht, woher habe ich die brauen Augen? In der Adoptivfamilie hat keiner braune Augen. Oder woher habe ich das musische Talent? Aus der Adoptivfamilie nicht, da ist keiner musisch begabt.

Musik: James Carter

Autorin
Wurzeln sind verinnerlichte, körperlich spürbare Erinnerung, Erinnerung an unsere Vorfahren und an Heimaten, die wir in uns tragen. Und auch andersherum: Gelebte Erinnerungen schenken uns Wurzeln. Und Heimat. Wie bei Monika Große*, geboren 1963. Sie wuchs in einem Dorf bei Nürnberg auf. Doch ihre Eltern waren Flüchtlinge aus Hinterpommern und Brandenburg. In Franken war die Familie noch immer nicht wirklich erwünscht. Monika Große erinnert sich, wie selbst sie als Kind diese leise Verachtung 1969 bei der Einschulung von ihrer Lehrerin zu spüren bekam.

Monika Große
Als sie dann bei mir war, hat sie mich nach dem Beruf meiner Eltern gefragt, und bei meiner Mutter wusste ich nicht so recht, die war ja zu Hause, und vom meinem Vater habe ich erzählt, der ist Landwirt. Was nicht stimmt, weil mein Vater LKW-Fahrer war. Aber für mich war er Landwirt, weil er das immer erzählt hat. Und dann hat sie wirklich mehr als milde gelächelt und hat gemeint: Ach, du bist ein Flüchtlingskind, dein Papa ist gar nichts.

Autorin
Gleichzeitig spürte die kleine Monika die Sehnsucht der Eltern nach der verlorenen Heimat. Und deren oft irgendwie seltsames Verhalten, sie waren anders als die anderen Eltern. Und so fühlte auch Monika sich nie wirklich heimisch in Franken. Sie zog in eine Großstadt, weit weg vom Dorf. Doch nirgends kam sie wirklich an, sie fühlte sich heimatlos. Und litt darunter, nirgendwo dazu zu gehören. Im Jahr 2009 reiste sie zum ersten Mal nach Hinterpommern im heutigen Polen, zum Geburtshaus ihrer Mutter, erzählt sie. Sie sah das Haus, das sie ihr ganzes Leben lang nur von einem Foto her kannte. Das Haus war gepflegt, es schienen sympathische Leute darin zu wohnen. Auch den Garten hinterm Haus gab es noch - mit den Apfelbäumen, von denen die Mutter so oft erzählt hatte. Für Monika Große war dieser Besuch ein heilsames Erlebnis, sagt sie.

Monika Große
Dass es einen Ort gibt, wo ich Wurzeln habe, das ist da passiert! Wirklich, das ist eine meiner Wurzeln. Also, man hat ja viele Wurzeln, das ist ja wie bei einer Pflanze, die man ausstopft, dass sich das so verästelt. Und das ist eine von diesen Hauptwurzeln. Meine Familie hat Jahrhunderte lang in dieser Gegend gewohnt, also, es waren so viele Facetten, die mir so klar geworden sind, dieses: Ich werde ganz. Dieses Gefühl. Das war ein Puzzlestein, der mir gefehlt hat. Jetzt kann ich meinen Teil finden. Jetzt kann ich mir vielleicht eine Heimat schaffen. Wenn auch immer natürlich ein bisschen was fehlen wird, ganz sicher.

Autorin
Die Erinnerungen der Familie wurden für Monika Große zu einer eigenen Erfahrung, zu ihrer eigenen Geschichte. Sie bekamen Fleisch und Blut und ein Gesicht. Und konnten so ein gutes Stück Heilung und Wurzeln schenken.

Musik: James Carter

Autorin
Erinnerung kann wohl tun, Erinnerung kann Heilungskräfte entfalten. Aber ich glaube, es gibt auch eine negative Erinnerung. Erinnerung, die lähmt und ausbremst. Erinnerungen, die zu Fesseln werden. Traurige familiäre Prägungen. Vererbte Schuldgefühle. Ein erdrückendes seelisches Erbe. Monika Große hat von ihren Eltern ein sehr geringes Selbstwertgefühl vorgelebt bekommen, erzählt sie.

Monika Große
Dass meine Mutter später dran gekommen ist beim Arzt, weil sie jemanden vorgelassen hat, weil sie gedacht hat, das ist wichtiger, dass der behandelt wird, und das hat mir so wehgetan. Also, dass sie sich immer so klein gemacht hat und das Gefühl hatte, sie ist weniger wert als alle anderen. Weil sie keine Schulausbildung hat, weil sie keinen Beruf wirklich hat, weil die anderen klüger, schneller, reicher, besser, keine Ahnung, wie viele Sachen sie da in uns auch eingeimpft hat mit diesem „Das haben wir nicht verdient, die anderen haben das verdient, wir sind nicht so viel wert.“

Autorin
Immer wieder holten Monika Große solche ererbten Gedanken und Gefühle ein. Noch im Studium, als Tochter eines Arbeiters und Flüchtlings, fühlte sie sich fremd, unbeholfen in der nicht-vertrauten Umgebung. Nicht-hingehörig, nicht zugehörig, nicht berechtigt. Unbewusste Erinnerung an ihre Herkunft, die sie ausbremste.

Monika Große
Ich hatte mal so eine depressive Episode, als ich mich massiv überfordert habe. Wo ich auch denke, das hatte etwas damit zu tun, diese massive Überforderung, mit diesem Doch-genauso-gut-sein-müssen-wie-die-anderen. Das doch zu schaffen, immer noch schneller zu sein, immer doppelt so viel arbeiten zu wollen, zu müssen...

Autorin
Manche Erinnerungen rauben uns enorme Kraft. So ist es auch mit unbewussten Überzeugungen, die zu regelrechten Glaubenssätzen werden. Jeder Mensch hat solche nicht-religiösen Glaubenssätze, sie sind so etwas wie komprimierte Erinnerungen. Lebensüberzeugungen, die wir nicht mehr hinterfragen. Aber wir leben unbewusst danach. Auch, wenn sie vielleicht komplett falsch oder zumindest veraltet sind.

Die Berlinerin Sabine Müller zum Beispiel, geboren Ende der 1940er Jahre. Früh hatte sie von den Eltern gelernt: Die äußere Fassade ist das A und O - bloß brav sein, bloß nicht auffallen, bloß nichts falsch machen. Sie selbst sein, genügte nicht. Und wenn sie irgendwo dazu gehören wollte, musste sie sich das verdienen. Glaubenssätze, die jede Leichtigkeit, jede Geborgenheit im Leben abtöten.

Schon als Kind sang sie gern, erinnert sich Sabine Müller. Sie liebte es, Theater zu spielen. Doch sie sollte etwas Vernünftiges lernen, Bibliothekarin. Sie heiratete einen ruhigen, sachlichen Mann, bekam eine Tochter. Erst mit Mitte 50 fing sie an, ihren großen Traum zu leben – die Bühne! Obwohl sie nun seit rund fünfzehn Jahren als Schauspielerin und Sängerin regelmäßig auftritt, hat sie noch immer das Gefühl, sie dürfe das eigentlich nicht. Negative Erinnerungen aus der Kindheit, wirksam bis heute.

Sabine Müller
Ich kann doch nicht singen, ich kann doch nicht schauspielern. Das geht doch gar nicht! Ich habe auch Angst vor meiner eigenen Kraft. Habe ich panische Angst vor. Vielleicht bin ich deshalb manchmal so wütend. 16 0,12 Es könnte was Positives passieren, ich könnte Erfolg haben, ich könnte toll sein, ich könnte berühmt sein, ich könnte was ich....sonst was sein. Aber das darf ich ja alles nicht sein. Warum darf ich nicht Erfolg haben, warum darf ich nicht mein Leben genießen?

Musik: James Carter

Autorin
Früher habe ich mich gewundert, dass mir ältere Verwandte und Bekannte von ihrer idyllischen Kindheit erzählten. Obwohl ich doch wusste, dass sie viel Schlimmes erlebt hatten. Irgendwann lernte ich, dass unser Gehirn keine Festplatte ist wie im Computer, der Fakten als Dateien speichert. Sondern es speichert Erlebnisse so, wie wir es brauchen, um gut weiterleben zu können. Und so schwärmen viele Menschen eben von den vermeintlich unbeschwerten Jugendzeiten. Wenn sie sich allerdings nur an Schönes oder Harmloses in ihrem Leben erinnern, dann ist – wie Psychologen sagen – das Schlimme oder Schlechte noch nicht in ihr Selbst integriert. Das, was sie selbst an Schlimmem erleben mussten. Aber auch das, was sie vielleicht jemandem anderem angetan haben, dem Ehepartner, einer engen Freundin. Oder den eigenen Kindern. Wer sich von verdrängten Erinnerungen befreien will, muss sie oft erst ans Tageslicht lassen und sie wirklich verarbeiten. Nicht in einem endlosen Kreis von Wiederholungen, sondern in einer Art Spirale. Der Mensch erinnert sich und entwickelt sich gleichzeitig mit jeder Umdrehung weiter. Und so entwickelt sich auch die Art und Weise der Erinnerung weiter, nach vorn. So kann Erinnerung heilen. Und so kann Erinnerung helfen, die Gegenwart und die Zukunft zu gestalten. Ich glaube, das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für ganze Gesellschaften und auch zwischen Völkern. Erinnerung nicht als ewiger Kreis von Gedenk-Wiederholungen, sondern als gemeinsame Erinnerungsspirale, eine ständige Weiterentwicklung hin zur Freiheit!

Ein wunderbares Bild für die Befreiung von einer buchstäblich lähmenden Vergangenheit ist für mich die Geschichte von Jesus und dem Gelähmten. In der Antike sahen die Menschen Krankheit und Behinderung als Strafe für eine schwere Sünde und Schuld an. So musste also ein Kranker nicht nur mit Schmerzen und seiner Einschränkung leben, sondern auch noch mit einer schweren seelischen Last.

Sprecher
Als Jesus einige Tage später nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass er wieder zu Hause war. Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. Man brachte einen Gelähmten zu Jesus; er wurde von vier Männern getragen. Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. (Markus 2,1-5, 11-12a)

Autorin
Der ehemals Gelähmte, behindert von seiner seelischen Last, geht künftig frei und unbelastet seinen Weg. Jesus hat ihn von seiner Schuld, seiner eigenen oder seiner ererbten, getrennt. Er sieht den Mann in seinem ureigenen Kern. So, wie er von Gott gemeint war. Ich kann mir kaum ein schöneres Bild von einem geheilten, einem heilen Menschen vorstellen als diesen Gelähmten, der aufsteht, seine Tragbahre locker unter den Arm klemmt. Und frei von lähmender Belastung in sein eigenes Leben läuft.

Musik: James Carter

*Name geändert


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Dieser Beitrag wurde am 26.02.2017 gesendet.


Über die Autorin Elena Griepentrog

Elena Griepentrog ist Hörfunk-Journalistin/Feature-Autorin und arbeitet für die Kulturwellen diverser ARD-Sender. Ihr Fokus liegt auf den Bereichen Zeitgeschehen/Gesellschaft, Religionen und Psychologie. Außerdem arbeitet sie in Berlin als Buisiness- und Entwicklungscoach mit dem Schwerpunkt: "Die eigene Berufung. Und was uns davon abhalten kann, sie zu leben".

Kontakt

www.elena-griepentrog.de

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